Zur Startseite des Instituts Dr. Thomas Lehmann

Datum des Vortrages: 24.09.2002
Letzte Aktualisierung: 24.09.2002
Spacer
Workshop ZTW-Clausthal:

Internationalisierte Masterstudiengänge: Praxisbeispiel FU-Berlin

Zum Wintersemester 1997 wurde am Institut für Chemie der FU Berlin ein vom DAAD im Rahmen des MasterPlus - Programms geförderter bilingualer Masterstudiengang unter den folgenden Randbedingungen eingerichtet:

  • Die Bewerber müssen einen Schwerpunkt wählen.
  • Die Lehrveranstaltungen werden nach Bedarf wahlweise in Deutsch oder in Englisch angeboten.
  • Für Studierende des Masterstudiengangs werden die gleichen Lehrveranstaltungen, wie im Diplom angeboten. Studierende des Masterstudiengangs müssen jedoch für jede Lehrveranstaltung eine Abschlussprüfung machen.

Dies ist für das Fach Chemie bislang der einzige derartige Studiengang in Deutschland. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Werben um ausländische Studierende und das Schaffen akzeptabler Studiermöglichkeiten ist mit großen Kraftanstrengungen verbunden. Zu den Problemen zählen:

Qualität der Bewerber

Eine Beurteilung der ausländischen Bewerber ist nur nach Aktenlage möglich, da persönliche Vorstellungsgespräche nicht finanzierbar sind. Die Vorarbeit wird derzeit von einer eigens für diesen Zweck beschäftigten Fremdsprachensekretärin erledigt, die ca. 250 Anfragen pro Jahr bearbeitet. Etwa 70 Interessenten reichen eine vollständige Bewerbung ein. Die Bewerber müssen dazu u.a. ein Empfehlungsschreiben vorlegen, einen 60-Punkte-Fragenkatalog bearbeiten und das Schwerpunktfach benennen. Hält der Studiengangskoordinator die Bewerbung für erfolgversprechend, so muss sich ein Professor aus dem Schwerpunktfach bereit erklären, als Mentor zu fungieren. Andernfalls wird die Bewerbung abgelehnt. Fingerspitzengefühl und Erfahrung haben in Verbindung mit der rigiden Vorauswahl dazu geführt, dass die Qualität der Bewerber inzwischen im Durchschnitt dem der eigenen Studenten entspricht. Pro Jahr werden etwa 15 Studenten zugelassen. Da die Immatrikulation zunächst auf 1 Jahr befristet ist, können ungeeignete Studenten auch noch nach dieser Zeit wieder exmatrikuliert werden. In der Anlage sind die zugelassenen Studenten nach Herkunftsländern aufgeschlüsselt.

Werbemaßnahmen

Nur etwa 2/3 der zugelassenen Bewerber (also etwa 10 von 15 Zugelassenen) treten ihr Studium auch tatsächlich an. Gerade die guten Bewerber finden auch an anderen Hochschulen lukrative Angebote und springen daher zum Teil ab. Hauptgrund ist meist eine bessere Finanzierung oder einfachere Modalitäten der Aufenthaltserlaubnis. Hinsichtlich unterstützender Stipendien steht das Institut bis auf Einzelfälle fast mit leeren Händen da: Von den derzeit 27 Immatrikulierten finanzieren 25 ihr Studium selbst, 2 haben ein DAAD-Stipendium. Werbemaßnahmen auf internationalen Bildungsmessen sind aufwändig, beginnen aber erste bescheidene Erfolge zu zeigen.

Soziale Probleme

Hilfe bei Kontoeröffnung, Behördengängen, Telefon, Krankenkassenanmeldung, Immatrikulation und natürlich auch bei der Studienorganisation gibt das "bilinguale Büro", welches während der Förderphase des DAAD mit 2 Tutoren besetzt war und jetzt mit einem vom Institut finanzierten Tutor besetzt ist. Das bilinguale Büro hilft auch bei der sozialen Eingliederung im Institut. Durch kulturelle oder religiöse Bräuche im Einzelfall absehbare Konflikte können durch die Erfahrung inzwischen schon per E-Mail vorab geklärt werden. Bewerber, die in dieser Hinsicht rigide Ansprüche haben, ziehen ihre Bewerbung inzwischen i.d.R. frühzeitig zurück.

Sprachprobleme

Die sprachlichen Fähigkeiten der ausländischen Studienbewerber sind trotz Vorlage international anerkannter Nachweise (TOEFEL 550 Punkte) sehr unterschiedlich. Das liegt zum Teil daran, dass die Tests nur schriftliche Prüfungen beinhalten und manche Studenten deshalb Schwierigkeiten haben sich zu artikulieren. Studenten aus China klagen zudem darüber, dass sie auch alle Chemikalienbezeichnungen im Englischen neu lernen müssten. Trotzdem gibt es aber auch Studenten, die sich englisch sehr gut verständigen können. Starke Unterschiede gibt es auch im deutschen Sprachvermögen, welches im Studiengang nur mit dem Aufwand eines halben Semesters (15 cr) gefördert wird. Manche Studenten sprechen zum Ende des Studiums relativ fließend Deutsch, andere dagegen so gut wie gar nicht. Ob es eine Verpflichtung zum Erlernen der deutschen Sprache geben sollte, kann man diskutieren. Tatsache ist, dass dann aber der größere Teil der Interessenten wegbleiben und anderen Ländern den Vorzug geben würde.

Das Angebot an englischsprachigen Lehrveranstaltungen ist mit großem organisatorischen Aufwand sowie teilweise erheblichen Vorleistungen verbunden. So mussten große Mengen Praktikumsskripten ins Englische übersetzt werden. Da mangels Lehrkapazität nicht einfach alle Vorlesungen einmal auf Deutsch und noch einmal auf Englisch abgehalten werden können, ist eine geschickte Bedarfsplanung und – nun ja – manchmal von den Lehrenden auch eine gewisse Portion Enthusiasmus notwendig. Für Studenten mit geringen, aber noch nicht ausreichenden Deutschkenntnissen wurden z.T. auch Nachbesprechungen in englischer Sprache angeboten. Die Akzeptanz englischsprachiger Vorlesungen ist unter den deutschen Studenten überraschend gut. Naturgemäß hängt sie aber auch vom Sprachvermögen des Vortragenden ab.

Leistungsanforderungen, Leistungsüberprüfungen

Eine einfache Übertragung der geforderten Lehrveranstaltungen vom Diplom- auf den Masterstudiengang führt zu einer Überfrachtung. Dies kommt daher, dass im Diplomstudiengang Vorlesungen oft nur "belegt" werden müssen, wohingegen es beim Masterstudiengang jedes Mal eine Prüfung gibt. Praktiziert wird jetzt ein Verfahren mit variablen Faktoren für die Umrechnung von SWS in credits (Siehe Anhang). Die studienbegleitenden Prüfungen schrecken die deutschen Studenten derzeit noch sehr ab. (Wer lässt sich schon gerne "mehr als nötig" prüfen?) Sie befürchten auch eine schlechtere Benotung bei den studienbegleitenden Prüfungen. Wenig befriedigend ist überdies, dass die Einbettung der international üblichen Bewertung "hervorragend" (= "ausgezeichnet") in die deutsche Notenskala zu lokal sehr unterschiedlichen Lösungen geführt hat (Siehe Anlage), die in der Zukunft hoffentlich alsbald angeglichen werden.

Die ausländischen Studenten haben oft eine zu geringe Laborpraxis. Sind die experimentellen Fähigkeiten unzureichend, erhalten sie Nachbesserungsauflagen, indem sie in einem ersten "Nullsemester" Grundpraktika ihres Schwerpunktfaches ohne Anrechnung von credits absolvieren (= nachholen) müssen. Dies ist ein sehr harter Anfang für die Studenten, der aber gleichzeitig stark die Spreu vom Weizen trennt: Überflieger empfinden das als "unter ihrer Würde" und springen schnell ab. Andere sind hoch motiviert und empfinden die praktische Arbeit als wichtige Bereicherung. Manche schaffen es sogar, in diesem ersten (!) Semester an den praktikumsbegleitenden, im Grundstudium aber nur deutschsprachig angebotenen Vorlesungen mit Erfolg, also unter Bestehen der Klausuren teilzunehmen! Diese freiwillige Zusatzleistung stellt für Studenten wie für das Institut sicher, dass auch die theoretischen Leistungen den Anforderungen entsprechen.

Ausblick:

Die Mühen zur Einrichtung des bilingualen Studiengangs zeigen erste sichtbare Erfolge:

  • Es ist gelungen, ausländische Studenten mit akzeptablen, teilweise sogar sehr guten Leistungen anzuwerben.
  • Deutsche Studenten empfinden die zunehmende Internationalisierung der Ausbildung als positiv. Die Integration der ausländischen Studenten ist gut. Schon früh im Studium entsteht ein weltläufiges Klima. Bereits wenige ausländische Studierende können diesen Effekt auslösen.

Zum Wintersemester 2002/2003 soll deshalb der Diplom-Studiengang Chemie an der FU Berlin zugunsten eines neuen Bachelor-/Masterstudiengangs eingestellt werden. Auch der hier beschriebene bilinguale Masterstudiengang wird beendet und geht in dem neuen Studiengang auf. Der neue Masterstudiengang ist demzufolge ebenfalls zweisprachig, aber es gibt einige Unterschiede:

  • Ein Schwerpunkt ist nicht mehr zwingend vorgeschrieben, jedoch weiterhin möglich. Auf der anderen Seite gibt es jetzt auch im Masterstudium Pflichtlehrveranstaltungen aus den Teilbereichen Anorganischer, Organischer und Physikalischer Chemie im Gesamtumfang von 1 Semester (30 LP) (Näheres Siehe den im Anhang beigefügten Leistungskatalog.)
  • Die Umrechnung der SWS in Leistungspunkte (LP; 1 LP = 1 cr) ist einheitlich geregelt (Siehe Anhang) Überfrachtungen sollen dadurch vermieden werden, dass vor allem die Pflicht- und Wahlpflichtvorlesungen nunmehr fast ausschließlich mit Übungen angeboten werden.
  • Für die Zulassung gelten jetzt Rahmenvorgaben. Ablehnungen von Bewerbungen sind nur noch möglich, wenn die Gleichwertigkeit des Abschlusses (Bachelor in der Regel mindestens Note "gut") nicht gegeben ist und durch Auflagen auch nicht hergestellt werden kann oder wenn für einen geplanten Schwerpunkt die fachliche Zuständigkeit nicht gegeben ist. Es bleibt abzuwarten, wie mit dieser Situation umzugehen ist.

Da in den Bachelor-/Masterstudiengängen Prüfungsleistungen studienbegleitend für jede Lehrveranstaltung akkumuliert werden müssen, steigt der Datenanfall immens an und würde das Prüfungsbüro ohne entsprechende Maßnahmen erdrücken. Deshalb wird derzeit die Prüfungsverwaltung auf ein software-gestütztes Verfahren (HISPOS) umgestellt, welches letztendlich auch dezentrale Eingaben durch Studenten (Anmeldung zu einer Lehrveranstaltung) und Lehrveranstalter (Vergabe von Prüfungsnoten und Maluspunkten) ermöglichen soll.

Was gibt es noch?

Neben dem hier beschriebenen Masterstudiengang Chemie sind an der FU Berlin vor kurzem folgende weitere neue Studiengänge eingerichtet worden bzw. werden eingerichtet:

  • WS 1999/2000 Masterstudiengang "Polymer Science"
    Anbieter: Verbund aus FU Berlin, TU Berlin, HU Berlin, Universität Potsdam
    (rein englischsprachig)
  • WS 2000/2001 Bioinformatik (Bachelor/Master)
    Anbieter: FU Berlin: Fachbereiche a) Biologie, Chemie, Pharmazie – b) Mathematik und Informatik – c) Humanmedizin
  • Ab WS 2002 neuer Master-Studiengang
    "Öffentliches und betriebliches Umweltmanagement"
    Anbieter: Verbund FB Politik-/Sozialwissenschaften und Rechtswissenschaften

Das erst- und das letztgenannte Angebot setzen u.a. auf dem Bachelor im Fach Chemie auf. Der "Bachelor als Drehscheibe" beginnt damit allmählich Gestalt anzunehmen. Konkret geplant ist ferner ein – ebenfalls vom DAAD gefördertes – PhD-Programm.


Links:

Allgemeine Informationen:

Allgemeine Informationen zu neuen Studiengängen im Fach Chemie
http://www.chemie.fu-berlin.de/fb/fachdid/cll/reform.html

Institutionen:

Institut für Chemie der FU Berlin:
http://www.chemie.fu-berlin.de/
Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der FU Berlin
http://www.bcp.fu-berlin.de/
(enthält z. B. alle Studien- und Prüfungsordnungen)

Neue Chemiestudiengänge an oder unter Beteiligung der FU Berlin

Bilingualer Masterstudiengang Chemie
http://userpage.chemie.fu-berlin.de/~selim/daad/
Studiengang "Polymer Science"
http://www.polymerscience.de/
Studiengang Bioinformatik
http://www.math.fu-berlin.de/~bioinf/
Öffentliches und betriebliches Umweltmanagement:
http://www.fu-berlin.de/ffu/Lehre/Master/index.htm


Leistungskatalog des geplanten Bachelor-/Masterstudiengangs Chemie an der FU Berlin

Bachelorstudiengang

 

Pflichtmodule

Allgemeine und Anorganische Chemie

40 LP

   
Organische Chemie

37 LP

   
Physikalische Chemie

37 LP

   
Analytische Chemie

13 LP

   
Mathematik

9 LP

   
Physik

9 LP

   
Bachelorarbeit

10 LP

Gesamt:

155 LP

 

Wahlpflichtmodule:

Radiochemie, Makrom. Chemie,      
Theoretische Chemie, Biochemie mindestens    

6 LP

 

Berufspraktikum:

Berufspraxis-Seminar, Exkursion, Betriebspraktikum    

8 LP

 

Wahlmodule

mindestens    

11 LP


Mindestsumme:

   

180 LP

 

Masterstudiengang

Je 10 LP aus Anorganischer, Organischer und Physikalischer Chemie

30 LP

Andere chemische oder naturwiss. Fächer
  • Davon Praktika mindestens 20, höchstens 30 LP
  • Seminare in chemischen Fachgebieten mindestens 3 LP
  • Aus Modulen nicht chemischer Fächer höchstens 15 LP

40 LP

Nicht naturwiss. Fächer mindestens

15 LP

Masterarbeit

30 LP

   
Mindestsumme ist aufzufüllen auf:

120 LP

Auf ein Fachgebiet dürfen nicht mehr als 40 LP fallen


 

Umrechnungen von Semesterwochenstunden in credits

Bilingualer Studiengang FU Berlin 1997

  1 SWS =
Vorlesung

1,3 cr

Übung

1,3 cr

Seminar

1,3 cr

Praktikum

0,5 cr

Bilingualer Studiengang FU Berlin 2002

  1 SWS =
Vorlesung 1,5 – 2,0 cr
Übung 1,0 cr
Seminar 1,0 cr
Praktikum 0,6 - 2 cr

Studienreformkommission der GdCh

  1 SWS =
Vorlesung 1,5 cr
Übung 1,5 cr
Seminar 1,5 cr
Praktikum 0,5 cr

Bachelor-/Masterstudiengang FU Berlin ab WS 2002

  1 SWS =
Vorlesung 1,5 LP
Übung 1,0 LP
Seminar 1,0 LP

Praktikum 1 LP / Woche Praktikum (halbtags)
(Das entspricht etwa 0,5 LP / SWS)

 

 


Rahmenvorgaben für Notenskalen

Studienreform- kommission der GdCh 1999 KMK
2000
FU Berlin
Akademischer Senat 1997
FU Berlin
Akademischer Senat April 2002
 
 

1,0 - 1,5 =
Sehr gut

1,6 - 2,5 =
gut

2,6 - 3,5 =
befriedigend

3,6 - 4,0 =
ausreichend

>= 4,1 =
nicht ausreichend

1,0 - 1,5 =
hervorragend

1,6 - 2,0 =
Sehr gut

2,1 - 3,0 =
gut

3,1 - 3,5 =
befriedigend

3,6 - 4,0 =
ausreichend

4,1 - 5,0 =
nicht bestanden

1,0 - 1,5 =
hervorragend

1,6 - 2,0 =
Sehr gut

2,1 - 2,5 =
gut

2,6 - 3,5 =
befriedigend

3,6 - 4,0 =
ausreichend

4,1 - 5,0 =
nicht bestanden

1,0 - 1,2 =
hervorragend

1,3 - 1,5 =
Sehr gut

1,6 - 2,5 =
gut

2,6 - 3,5 =
befriedigend

3,6 - 4,0 =
ausreichend

4,1 - 5,0 =
nicht bestanden

 


 

Bilingualer Masterstudiengang Chemie (FU Berlin)

 

Bilingualer Masterstudiengang Chemie (FU Berlin)