| Etwa 10 Jahre ist es her, dass man an den deutschen
Universitäten erkennen musste: Die Gefahrstoffverordnung gilt auch
im Praktikumslabor. Jeder Praktikant weiß seitdem zumindest,
was ein R-Satz ist. Aber ist das genug? Stichelt man in industriellen Kreisen
nicht immer noch, dass frischgebackene Uniabsolventen ja wohl erst einmal
ein ziemliches Sicherheitsrisiko darstellen würden?
Und schon wieder
befindet sich die Chemieausbildung im Umbruch: 6-semestriges
Basisstudium, Bachelor, Master, mehr Life Science, am besten alles gleich
komplett in Englisch. Parallel dazu schrumpfen unaufhaltsam und dramatisch
Budgets und Assistentenstellen, so dass es nicht mehr so richtig klar ist,
ob man die wieder steigenden Studentenzahlen nun begrüßen oder
doch eher als Bedrohung empfinden soll.
Geschwind ändern sich auch die Rechtsgrundlagen: Gerade hatten wir die
TRGS 451 zur Kenntnis genommen, ist diese schon wieder durch die GUV 19.17
ersetzt worden. Und die Gefahrstoffverordnung? Oh je: Auch schon wieder
geändert. Wie oft muss man als Praktikumsleiter eigentlich in den
"Kühn-Birett" gucken?
Wissen Sie genau, ob die Studenten in Ihrem Praktikum eigentlich noch -
oder vielleicht inzwischen jetzt wieder - mit Quecksilberverbindungen oder
mit Tetrachlormethan experimentieren dürfen? Oder sollte man im Gegenteil
am besten alle Gifte radikal aus den Praktika verbannen? Was ist zu tun,
wenn eine Ihrer Praktikantinnen plötzlich schwanger ist? Empfinden Sie
die geforderte Sicherheitsunterweisung zu Beginn Ihres Praktikums jedes Mal
als öde Pflichtübung? Muss man dabei eigentlich den Studenten im
dritten Semester immer noch die Gefahrensymbole erklären oder kann man
das jetzt voraussetzen? Ist es ausreichend, wenn Sie Ihre Praktikanten mit
der Bromflasche in der Hand zurück ins Labor schicken, wenn diese Ihnen
zuvor ein ausgefülltes Formblatt mit R-/S-Sätzen, der
Wassergefährdungsklasse und vielen anderen Daten dieser Substanz
präsentiert und Sie das unterschrieben haben? Soll man Studenten umfassend
anleiten oder stimmt es, dass man sie auch in den Grundpraktika besser
frühestmöglich allein arbeiten lässt, weil sie nur so lernen,
selbständig wissenschaftlich zu arbeiten? |
welchen Nutzen haben Praktika in Ihrem Studium? Profitieren
Sie von der Teilnahme oder sind Sie froh, wenn Sie das alles hinter sich
haben? Haben Sie das Gefühl, dass Sie in den Praktika so gut angeleitet
werden, dass Sie routiniert und sicher mit den Chemikalien umgehen können
oder beschleicht Sie manchmal eine gewisse Angst? Finden Sie sich am
Semesteranfang in den Praktika gut zurecht und stehen Ihnen auch während
der gesamten Praktikumsdauer die benötigten Chemikalien und Geräte
zur Verfügung oder müssen Sie erhebliche Zeit damit verbringen,
um sich zu orientieren und das Benötigte zusammenzusuchen? Zeigt man
Ihnen, wie man Lithiumaluminiumhydrid aus der zugelöteten Blechdose
bekommt, ohne dass Sie von der stark staubenden Substanz einen Hustenreiz
bekommen und durch nicht sachgerecht entsorgte Substanzreste einen Brand
provozieren? Wie sieht Ihr Kittel aus? Hat er Löcher? Ist die Farbe
an manchen Stellen nicht mehr so richtig weiß? Und Ihre Finger? Haben
die manchmal auch eine andere Färbung, die sich nicht so ohne weiteres
abwaschen lässt? Haben Sie abends das Gefühl, immer noch "nach
Labor" zu riechen?
Reicht es, sich irgendwo über einen Gefahrstoff zu informieren oder
brauchen Sie eine weitergehende praktische Anleitung? Ist die
Sicherheitsbelehrung zum Praktikumsanfang nur eine Farce, weil hernach im
Praktikum doch alles drunter und drüber geht oder wird das Vermittelte
auch durchgesetzt? Ist es eine Hilfe für Sie, wenn der Assistent auch
mal hinter Ihnen steht und in den Versuchsablauf eingreift oder sind Sie
froh, wenn Sie wieder allein arbeiten können? Kann man Praktikumsversuche
nach den Anleitungen eines Praktikumslehrbuchs anfertigen oder wären
Skripten besser? Was machen Sie, wenn mal ein Experiment nicht so
verläuft, wie es sein sollte? Hilft Ihnen dann der Assistent? Oder ihre
Kommilitonen? Oder versuchen Sie dann doch lieber, später vom Nachbarn
heimlich ein paar Krümel des fertigen Präparats überlassen
zu bekommen, damit Ihr eigenes Versuchstestat nicht in Frage gestellt ist?
Die - nicht suggestiv gemeinte - Frage lautet: Kann man die chemischen Praktika
verbessern? |
Wir möchten alle Seiten zusammenführen: Lehrende und Lernende aber
auch Hochschule und chemische Industrie.
Auch wir sind der Meinung, dass die derzeitigen finanziellen
Rahmenbedingungen wenig geeignet sind, dem vollmundigen Anspruch einer
hochqualifizierten Ausbildung gerecht zu werden. Aber es ist nicht einfach
nur das fehlende Geld für einen neuen, besser ziehenden Abzug, den
Implosionsschutz für den Rotationsverdampfer oder ein neues IR-Spektrometer.
Vieles kann man auch selbst besser machen. Und zwar ganz einfach von heute
auf morgen. Manches sogar ohne großen Aufwand.
Darüber wollen wir mit Ihnen reden!
Dazu laden wir Sie sehr herzlich zu dem Praxisseminar
Chemische Praktika auf dem
Prüfstand
Chemieausbildung im Spannungsfeld von Didaktik,
Experimentierfreude und Sicherheit
Termin: 18. bis 20. September 2000
Ort: Aula der Technischen Universität
Clausthal
Wir bieten dort exemplarisch Lösungsansätze an, lassen aber auch
die Studenten sowie Vertreter der chemischen Industrie zu Wort kommen und machen Sie
mit Experten bekannt,
die sich um die Arbeitssicherheit in der industriellen Ausbildung kümmern.
Daneben sollen Sie aber auch selbst diskutieren und Lösungen entwickeln.
Schließlich wollen wir Ihnen die Gelegenheit eines umfangreichen Vergleichs
geben: Wie sind die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen an anderen
Universitäten? Wie ist die Ausstattung? Wie viele Studenten gibt es
dort und wie viele Präparate oder Analysen sind im Praktikum
anzufertigen?
Wir wollen Ihnen keine trockene Vortragsveranstaltung, sondern eine
realitätsnahe Präsentation bieten. Teile dieses Seminars werden
deshalb in den Laboratorien der Universität Clausthal stattfinden. Um
uns in diesen Räumlichkeiten regelgerecht bewegen zu können, brauchen
wir wie Sie wissen Schutzkittel und Schutzbrille, was Sie bitte unbedingt
selbst mitbringen müssen. Bitte entnehmen Sie die weiteren Einzelheiten
dem beiliegenden Faltblatt!
Der Teilnahmebeitrag beträgt 430,00 DM und ist für Studenten auf
200,00 DM ermäßigt. Als Student(in) können Sie möglicherweise
vom ASTA Ihrer Universität einen Reisekostenzuschuss erhalten. Wenden Sie sich
an Ihre Fachschaft! Weitere Information sowie die Anmeldeformulare
erhalten Sie vom
Zentrum für Technologietransfer und Weiterbildung (ZTW)
Aulastr. 8
38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel.: 05323/72-2623
FAX: 05323/72-2624
E-Mail:
vollbrecht@ztw.tu-clausthal.de
http://www.tu-clausthal.de/ztw/wb/
Auf Ihr Kommen freuen sich:
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Dr. Thomas Lehmann
(Freie Universität Berlin)
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Dr. Sabine Schrader
(Universität Bielefeld)
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Dr. Michael Schween
(Philipps-Universität Marburg)
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