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Datum des Seminars: 18.09.2000 bis 20.09.2000
Letzte Aktualisierung: 26.09.2000
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Chemische Laborpraktika an
  deutschen Universitäten - Alles OK?


Sehr geehrte Praktikumsleiterin/Assistentin,
sehr geehrter Praktikumsleiter/Assistent,
Liebe Studierende,
Etwa 10 Jahre ist es her, dass man an den deutschen Universitäten erkennen musste: Die Gefahrstoffverordnung gilt auch im Praktikumslabor. Jeder Praktikant weiß seitdem zumindest, was ein R-Satz ist. Aber ist das genug? Stichelt man in industriellen Kreisen nicht immer noch, dass frischgebackene Uniabsolventen ja wohl erst einmal ein ziemliches Sicherheitsrisiko darstellen würden? 

Und schon wieder befindet sich die Chemieausbildung im Umbruch: 6-semestriges Basisstudium, Bachelor, Master, mehr Life Science, am besten alles gleich komplett in Englisch. Parallel dazu schrumpfen unaufhaltsam und dramatisch Budgets und Assistentenstellen, so dass es nicht mehr so richtig klar ist, ob man die wieder steigenden Studentenzahlen nun begrüßen oder doch eher als Bedrohung empfinden soll.

Geschwind ändern sich auch die Rechtsgrundlagen: Gerade hatten wir die TRGS 451 zur Kenntnis genommen, ist diese schon wieder durch die GUV 19.17 ersetzt worden. Und die Gefahrstoffverordnung? Oh je: Auch schon wieder geändert. Wie oft muss man als Praktikumsleiter eigentlich in den "Kühn-Birett" gucken?

Wissen Sie genau, ob die Studenten in Ihrem Praktikum eigentlich noch - oder vielleicht inzwischen jetzt wieder - mit Quecksilberverbindungen oder mit Tetrachlormethan experimentieren dürfen? Oder sollte man im Gegenteil am besten alle Gifte radikal aus den Praktika verbannen? Was ist zu tun, wenn eine Ihrer Praktikantinnen plötzlich schwanger ist? Empfinden Sie die geforderte Sicherheitsunterweisung zu Beginn Ihres Praktikums jedes Mal als öde Pflichtübung? Muss man dabei eigentlich den Studenten im dritten Semester immer noch die Gefahrensymbole erklären oder kann man das jetzt voraussetzen? Ist es ausreichend, wenn Sie Ihre Praktikanten mit der Bromflasche in der Hand zurück ins Labor schicken, wenn diese Ihnen zuvor ein ausgefülltes Formblatt mit R-/S-Sätzen, der Wassergefährdungsklasse und vielen anderen Daten dieser Substanz präsentiert und Sie das unterschrieben haben? Soll man Studenten umfassend anleiten oder stimmt es, dass man sie auch in den Grundpraktika besser frühestmöglich allein arbeiten lässt, weil sie nur so lernen, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten?

welchen Nutzen haben Praktika in Ihrem Studium? Profitieren Sie von der Teilnahme oder sind Sie froh, wenn Sie das alles hinter sich haben? Haben Sie das Gefühl, dass Sie in den Praktika so gut angeleitet werden, dass Sie routiniert und sicher mit den Chemikalien umgehen können oder beschleicht Sie manchmal eine gewisse Angst? Finden Sie sich am Semesteranfang in den Praktika gut zurecht und stehen Ihnen auch während der gesamten Praktikumsdauer die benötigten Chemikalien und Geräte zur Verfügung oder müssen Sie erhebliche Zeit damit verbringen, um sich zu orientieren und das Benötigte zusammenzusuchen? Zeigt man Ihnen, wie man Lithiumaluminiumhydrid aus der zugelöteten Blechdose bekommt, ohne dass Sie von der stark staubenden Substanz einen Hustenreiz bekommen und durch nicht sachgerecht entsorgte Substanzreste einen Brand provozieren? Wie sieht Ihr Kittel aus? Hat er Löcher? Ist die Farbe an manchen Stellen nicht mehr so richtig weiß? Und Ihre Finger? Haben die manchmal auch eine andere Färbung, die sich nicht so ohne weiteres abwaschen lässt? Haben Sie abends das Gefühl, immer noch "nach Labor" zu riechen?

Reicht es, sich irgendwo über einen Gefahrstoff zu informieren oder brauchen Sie eine weitergehende praktische Anleitung? Ist die Sicherheitsbelehrung zum Praktikumsanfang nur eine Farce, weil hernach im Praktikum doch alles drunter und drüber geht oder wird das Vermittelte auch durchgesetzt? Ist es eine Hilfe für Sie, wenn der Assistent auch mal hinter Ihnen steht und in den Versuchsablauf eingreift oder sind Sie froh, wenn Sie wieder allein arbeiten können? Kann man Praktikumsversuche nach den Anleitungen eines Praktikumslehrbuchs anfertigen oder wären Skripten besser? Was machen Sie, wenn mal ein Experiment nicht so verläuft, wie es sein sollte? Hilft Ihnen dann der Assistent? Oder ihre Kommilitonen? Oder versuchen Sie dann doch lieber, später vom Nachbarn heimlich ein paar Krümel des fertigen Präparats überlassen zu bekommen, damit Ihr eigenes Versuchstestat nicht in Frage gestellt ist?

Die - nicht suggestiv gemeinte - Frage lautet: Kann man die chemischen Praktika verbessern?


Wir möchten alle Seiten zusammenführen: Lehrende und Lernende aber auch Hochschule und chemische Industrie. Auch wir sind der Meinung, dass die derzeitigen finanziellen Rahmenbedingungen wenig geeignet sind, dem vollmundigen Anspruch einer hochqualifizierten Ausbildung gerecht zu werden. Aber es ist nicht einfach nur das fehlende Geld für einen neuen, besser ziehenden Abzug, den Implosionsschutz für den Rotationsverdampfer oder ein neues IR-Spektrometer. Vieles kann man auch selbst besser machen. Und zwar ganz einfach von heute auf morgen. Manches sogar ohne großen Aufwand.

Darüber wollen wir mit Ihnen reden!

Dazu laden wir Sie sehr herzlich zu dem Praxisseminar 

Chemische Praktika auf dem Prüfstand
Chemieausbildung im Spannungsfeld von Didaktik, Experimentierfreude und Sicherheit

Termin: 18. bis 20. September 2000

Ort: Aula der Technischen Universität Clausthal

Wir bieten dort exemplarisch Lösungsansätze an, lassen aber auch die Studenten sowie Vertreter der chemischen Industrie zu Wort kommen und machen Sie mit Experten bekannt, die sich um die Arbeitssicherheit in der industriellen Ausbildung kümmern. Daneben sollen Sie aber auch selbst diskutieren und Lösungen entwickeln. Schließlich wollen wir Ihnen die Gelegenheit eines umfangreichen Vergleichs geben: Wie sind die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen an anderen Universitäten? Wie ist die Ausstattung? Wie viele Studenten gibt es dort und wie viele Präparate oder Analysen sind im Praktikum anzufertigen?

Wir wollen Ihnen keine trockene Vortragsveranstaltung, sondern eine realitätsnahe Präsentation bieten. Teile dieses Seminars werden deshalb in den Laboratorien der Universität Clausthal stattfinden. Um uns in diesen Räumlichkeiten regelgerecht bewegen zu können, brauchen wir wie Sie wissen Schutzkittel und Schutzbrille, was Sie bitte unbedingt selbst mitbringen müssen. Bitte entnehmen Sie die weiteren Einzelheiten dem beiliegenden Faltblatt!

Der Teilnahmebeitrag beträgt 430,00 DM und ist für Studenten auf 200,00 DM ermäßigt. Als Student(in) können Sie möglicherweise vom ASTA Ihrer Universität einen Reisekostenzuschuss erhalten. Wenden Sie sich an Ihre Fachschaft! Weitere Information sowie die Anmeldeformulare erhalten Sie vom

Zentrum für Technologietransfer und Weiterbildung (ZTW)
Aulastr. 8
38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel.: 05323/72-2623
FAX: 05323/72-2624
E-Mail: vollbrecht@ztw.tu-clausthal.de
http://www.tu-clausthal.de/ztw/wb/

 

Auf Ihr Kommen freuen sich:
 

Dr. T. Lehmann, FU-Berlin
Dr. Sabine Schrader, Universutät Bielefeld
Dr. Michael Schween, Philipps-Universität Marburg
Dr. Thomas Lehmann 
(Freie Universität Berlin)
Dr. Sabine Schrader 
(Universität Bielefeld)
Dr. Michael Schween 
(Philipps-Universität Marburg)

Informieren Sie sich über das
  Seminarprogramm des ZTW Clausthal!