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Beseitigen von verschütteten Chemikalien
Verschüttete Feststoffe
| Ein Esslöffel voll Weizenmehl lässt sich leicht von
der Hand blasen.
Toxische Feststoffe können durch Bildung von Stäuben
eine beträchtliche Gefahr darstellen, vor allem, wenn Sie verschüttet
werden. Unglücklicherweise wird in Sicherheitsdatenblättern dennoch
nicht selten trotz ausdrücklicher Warnung vor der Staubgefahr das
Zusammenfegen verschütteter Stoffe empfohlen. Dabei kann durch Anfeuchten
die Bildung von Stäuben drastisch reduziert werden. Sofern nicht mit
gefährlichen Reaktionen zu rechnen ist, ist das beste Lösungsmittel
Wasser. |
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Ein Esslöffel Weizenmehl auf der Hand. |
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Das Ganze mit dem Mund weggeblasen. |
| Es ist keineswegs nötig, dass sich der Stoff dazu in dem
Wasser lösen muss. Vielmehr lässt sich auch ein unlöslicher
Stoff mit Wasser so weit anpasten, dass keine Stäube mehr auftreten.
Das lässt sich mit dem Weizenmehl ebenfalls leicht zeigen.
Wichtig ist,
dass das Wasser nicht in dicken Tropfen oder gar in starkem Strahl aufgetragen
sondern fein versprüht wird. Zur Demonstration lässt man (als
Wasserersatz) einen schweren Gegenstand (Metallkugel, großer
Magnetrührkern) auf einen neuen Mehlhaufen fallen: Das Mehl spritzt
dabei zur Seite weg. Auch der aufschlagende Wassertropfen kann einen Teil
des Materials durch die Wucht des Aufpralls unter Staubbildung wegschlagen. |
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So dramatisch wie bei dem Magnetrührkern (Pfeil) ist die
Wirkung von aufschlagenden Wassertropfen natürlich nicht. Aber auch
sie können Material als Staub aufwirbeln. |
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| Bei aufgesprühtem Wasser passiert dagegen nichts. Als
Sprühflasche kann man eine Blumenspritze verwenden oder noch besser
(weil kostenlos): Eine ausgediente Flasche Haushaltsreiniger mit Sprühkopf.
Eine solche Flasche sollte in keinem Notfallset fehlen. Noch ein Tip: Zum
Aufnehmen der erzeugten "Pampe" können möglicherweise zwei
Plastikspachtel helfen, die man aus einem Werkstattrest auch selbst anfertigen
(lassen) kann.
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Sprühkopf einer Haushaltsreinigerflasche
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Angefeuchteter Mehlhaufen: Die Staubgefahr ist gebannt. |
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Wasser als Aerosolwolke,
die auf den Verschütteten Feststoff sinkt. |
Hinweis:
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Praktikanten sehen alsbald ein, dass das Zusammenfegen von staubbildenden
Gefahrstoffen problematisch ist. Fast immer wollen sie aber zum Anfeuchten
ein gut lösendes Lösungsmittel verwenden. Das wäre im Ernstfall
problematisch, da auch die meisten Lösungsmittel toxische oder leicht
entzündliche Dämpfe entwickeln und zudem rasch verdunsten. Noch
mehr als ohnehin schon hätte man ferner auf ausreichend resistente
Handschuhmaterialien zu achten, da man bei solchen Beseitigungsmaßnahmen
eher damit rechnen muss, in die Chemie "hineinlangen" zu müssen.
Verschüttete Flüssigkeiten
Zum Beseitigen von verschütteten Flüssigkeiten werden in
Sicherheitsdatenblättern die mannigfaltigsten Absorptionsmittel empfohlen.
Sogar mit dem Kauf spezieller Adsorptionsmittel ("Chemisorb") wird gelockt.
Für sehr viele Zwecke sind aber Fließpapier bzw. Zellstofftücher
besser geeignet, weil das erhaltene Gemenge sich wegen des auch im feuchten Zustand
besseren Zusammenhalts z.B. mit der Tiegelzange aufnehmen lässt, wodurch
die Handschuhe eher trocken bleiben. Aufpassen muss man aber z.B. bei starken
Oxidationsmitteln, die den Zellstoff entflammen können.
Praktikanten sollten ein paar grundsätzliche Regeln zum Entsorgen
verschütteter Stoffe kennen. Von Feststoffen war oben schon die Rede.
Säuren werden rasch mit Wasser verdünnt. Das mindert z.B. bei
Salpetersäure auch die starke Oxidationskraft. Nach Neutralisation mit
Natriumhydrogencarbonat (bis zum Ausbleiben des Aufschäumens) wird
aufgenommen oder ins Abwasser gespült. Organische Lösemittel sind
häufig schon verdunstet, bevor man irgendetwas unternehmen kann. Auch
wenn das Ablüften etwas länger dauert, kann dies die bessere
Alternative sein, wenn man dadurch das Herumhantieren von mit gefährlichen
Stoffen benetzten scharfkantigen Glasscherben in einer ebenfalls
gefährlichen Atmosphäre vermeiden kann. Zu beachten ist der
Explosionsschutz. Das Ziehen aller Stecker und dann erst einmal raus aus
dem Labor sollte eine tief verinnerlichte Maßnahme sein, die man am
besten auch gleich übt. Noch besser ist dran, dessen Labor über einen zentralen
elektrischen Notausschalter verfügt.
Übung:
Die im Labor greifbaren Stromverbraucher sollten schon vor der Übung
unter einem Vorwand angeschaltet worden sein. Eine offene 1-l-Plastikflasche
mit Wasser, die für die Übung jetzt aber mit "Diethylether" etikettiert
worden ist, wird von einem entsprechend instruierten Praktikanten "versehentlich"
umgestossen, so dass sie auf den Boden fällt und ausläuft. Er ruft:
"Sch...! Das war Ether!!" Alle sollen möglichst schnell den Raum verlassen
und dabei die Stecker aller Stromverbraucher ziehen. Falls es noch einer
"schafft", das Fenster aufzureissen: Auch gut!
Verschüttetes Quecksilber
Oft herrscht die Meinung, auf verschüttetes Quecksilber müsse man
unbedingt etwas - möglichst sogar so viel wie möglich -
draufschütten. Schade um die vergeudeten Chemikalien, schade um die
teureren Entsorgungskosten wegen des nunmehr erheblich vergrößerten
Abfallgewichtes, vollkommen unnötig die erhebliche "Schweinerei", wenn
z.B. jemand auf die Idee gekommen ist, das Quecksilber mit Iodkohle zu
übergießen. Damit nicht genug: Viele dieser Verfahren sind obendrein
auch noch wirkungslos.
| Im Praktikum sind es häufig die Thermometer, die den Weg zum
Fußboden finden und dort zerschellen. Weiträumiges Absperren ist
da die erste Maßnahme, weiträumiges Kehren die zweite. Quecksilber
lässt sich ganz leicht zusammenfegen, wodurch sich das Unglück
von zuvor einigen Quadratmetern schon mal auf wenige Quadratzentimeter reduzieren
lässt. Hat man es dann mit Quecksilber zu tun, welches in viel Bodendreck
versteckt ist, entsorgt man den gesamten Haufen als "quecksilberhaltigen
Bodenkehricht". Liegt das Quecksilber dagegen eher in reiner Form vor, so
wird es aufgelesen. Eine Quecksilberzange hilft manchmal, aber nicht immer.
Sehr wirksam ist ein ca. 2 cm breiter Zinkblechstreifen, der vor dem ersten
Mal mit etwas Salzsäure angeätzt werden muss. An die Quecksilberkugeln
gehalten, springen diese geradezu magisch an die angeätzte Zinkblechstelle.
Das gebildete flüssige Amalgam lässt sich an einem
Entsorgungsgefäß vorsichtig abschlagen. Das Zinkblech ist lange
Zeit weiter für diesen Zweck verwendbar und verbraucht sich dabei nur
ganz langsam. Mit ein wenig Geduld gelingt das Auflesen des Quecksilbers
mit dieser Methode vollständig. |
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An der mit dem Pfeil markierten Stelle ist gerade ein
Quecksilberkügelchen an das Zinkblech gesprungen. |
Hinweise:
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Es erscheint nicht adäquat, bei der Allgemeinen Unterweisung zu
Übungszwecken einen Quecksilberunfall zu inszenieren. Man erklärt
den Praktikanten die Methode und zeigt die Vorgehensweise, wenn ein
entsprechender Vorfall tatsächlich eingetreten ist.
- Für alle Fälle wird im Praktikum noch ein spezifisches Absorptionsmittel für
Quecksilber vorrätig gehalten. Bislang ist dies jedoch noch nicht benötigt worden.
Noch ein ganz allgemeiner Hinweis:
Wer etwas verschüttet hat, hat oft ein schlechtes Gewissen, weil er
ja gerade einen Fehler gemacht hat. So etwas kann zu überhasteten Aktionen
verleiten, besonders wenn man der Ansicht ist, dass irgendjemand anderes,
z.B. der Saalassistent lieber nichts merken sollte. Assistenten sollten deshalb
in solchen Situationen niemals abschreckend unwirsch reagieren, sondern im
Gegenteil große Besonnenheit und Ruhe ausstrahlen.
In den meisten Fällen drohen spätestens nach Räumung des Labors und gfls. Ziehen der
Stecker oder Abschalten des Strom durch zentralen Notausschalter keine unmittelbaren Gefahren mehr.
Ist Zeit vorhanden, so sollte diese zum ruhigen Überlegen genutzt werden. Werden bei den
Überlegungen auch die Praktikanten mit einbezogen, so ist das eine hervorragende
Möglichkeit den Praktikanten zu zeigen, wie man auch mit einer solchen Situation fertig wird.
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