| Es gibt viele Gründe, warum es im Praktikantenlabor nach
Chemikalien riechen kann. Keinesfalls ist das immer die "Schuld" der
Praktikanten. Muffig oder eben nach Abwasser kann es riechen, wenn ein
Bodeneinlauf oder der Siphon eines wenig genutzen Ausgussbeckens ausgetrocknet
ist, so dass der Geruchsverschluss nicht mehr funktioniert. Das passiert
besonders leicht, wenn die durch das Verhältnis von Zu- und Abluft bedingten
Luftdruckverhältnisse im Labor nicht optimal sind.
Eine andere Geruchsquelle sind Pumpenabluftleitungen. Schnell rutscht mal
ein lose in den Abzug verlegter Schlauch heraus und fällt auf den Boden,
wodurch die Pumpenabgase nunmehr in die Raumluft geblasen werden.
Heimtückischer sind bestimmte Überdruckventile von Membranpumpen.
Solche Ventile sind notwendig bei nachgeschalteten Kondensatabscheidern mit
Kühlern aus Glas, die bersten können, wenn der Abluftweg hinter
dem Kühler aus irgendeinem Grund blockiert sein sollte, da die Pumpen
nicht nur gut saugen, sondern auf der Abluftseite auch einen beträchtlichen
Druck aufbauen können. Abbildung 1 zeigt ein solches Überdruckventil
in Form einer breiten Siliconmanschette (a), die auf den Glasstutzen
aufgezogen ist und dort eine kleine Öfnung abdeckt und verschließt.
Da das Silicon nicht vollkommen widerstandsfähig gegenüber den
abgepumpten Dämpfen ist, kommt es mit der Zeit zu
Materialveränderungen. Das Silicon wird blind. (Siehe die markierte
weiße kreisförmige Fläche auf der Manschette in Abbildung
2.) Schließlich reisst das Silicon an der betreffenden Stelle ein.
Üblicherweise geschieht das sehr plötzlich, so dass das Labor sozusagen
"aus heiterem Himmel" anfängt zu stinken. In diesem Fall muss die alte
Manschette gegen eine neue ausgetauscht werden. Abbildung 3 zeigt das
Überdruckventil in zerlegtem Zustand. Man erkennt am Stutzen die kleine
Öffnung im Glas (siehe Pfeil).
Nun, was hat das alles mit Unterweisung zu tun?
Sicher ist das Auswechseln der Siliconmanschette zunächst einmal Aufgabe
der Assistenten. Allein die Tatsache, dass man sich um solche Missstände
augenblicklich kümmert, hat aber schon eine Vorbildfunktion für
die Praktikanten. Diese sollten auch alsbald wenigstens in die Beobachtung
solcher möglicher Fehlerquellen mit einbezogen werden. Helfen tut es
z.B., nebenstehende Bilder in einer
praktikumsbegleitenden
Lehrveranstaltung vorzuführen sowie einen
erklärenden
Aushang im Labor anzubringen, der natürlich adressatenbezogen formuliert
sein muss, was nicht unbedingt den gleichen "Berliner-Schnauze-Tonfall" erfordern
muss, wie das anzuklickende Beispiel.
Sehr wahrscheinlich gibt es in anderen Praktika andere typische Geruchsquellen.
Dann muss man die Praktikanten eben genau vor denen warnen. |
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