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Flaschenverschlüsse
Zu einer Flasche werden verschiedene Deckel gelegt. Die Anwesenden sollen
den richtigen Deckel herausfinden. Anschließend wird Mineralwasser
in die Flasche gefüllt und der Deckel aufgeschraubt, den die meisten
Anwesenden für den richtigen halten. Da der richtige Deckel aber
zurückgehalten wurde, sprudelt das Mineralwasser aus dem nicht dicht
verschlossenen Gefäß beim Schütteln heraus.
Lernziel:
Es gibt auf dem Markt leider eine Vielzahl von sehr ähnlichen aber eben
nicht gleichen Flaschengewinden. Gerade in Praktika ist es aber aus
Ersparnisgründen üblich, ausgediente Flaschen weiter zu verwenden.
Werden die Verschlüsse vertauscht, schließen die Flaschen nicht
mehr zuverlässig. Um den Versuch vorführen zu können, muss
man sich erst selbst mit dem Problem vertraut machen und am besten eine Weile
den Praktikumsbetrieb beobachten. Meist macht man dabei erstaunliche
Entdeckungen. Leider kann man den Praktikanten keine konkreten Regeln an
die Hand geben, wie das Vertauschen zu vermeiden ist. Es gibt nur gewisse
Indizien:
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Das Flaschengewinde mancher Flaschen ist auffällig kurz. Dann muss auch
ein Deckel mit kurzer Bauform verwendet werden.
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Am unteren Gewinderand erweitert sich bei bestimmten Flaschen der Flaschenhals
stark. Der Deckel muss dann die gleiche eingearbeitete Erweiterung haben.
(Siehe gelben und weißen Deckel in der folgenden Abbildung.)
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Der Deckel lässt sich beim Aufdrehen auf die Flasche immer schwerer
bewegen. Irgendwann hört man beim Festdrehen dann auf, ohne einen deutlichen
Anschlag gespürt zu haben. Ein klares Indiz, dass die Gewinde nicht
zueinander passen.
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Der Deckel verkantet beim Zudrehen.
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Der Deckel lässt sich leicht aufschrauben, ist aber schon nach etwa
einer Umdrehung am Anschlag.
In all diesen Fällen schließen die Flaschen mit dem falschen Deckel
nicht richtig!
| Dies ist das "Originalset" für die oben beschriebene
Aufgabe für die Praktikanten, den richtigen Deckel zu finden. Alle
Deckel lassen sich überwiegend
leicht auf die Flasche schrauben. Aber nur der mit dem Pfeil markierte
Deckel schließt wirklich dicht. In diesem Fall ist das Problem die
zu große Bauhöhe aller anderen Deckel: Sie stoßen an der
Flaschenwandung an, bevor die Deckeldichtung am Glas aufliegt.
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| Auch hier passt der Deckel nicht. Diesmal ist er sichtbar
verkantet. |
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| 4 Flaschen am Boden durchbohrt und auf einer Kunststoffplatte
festgeschraubt und zusätzlich verklebt ergeben einen "Flaschentrainer".
Die Flaschen sind dazu an der Seite ein weiteres Mal durchbort. In das Loch
ist mit Heißkleber ein Kettchen eingeleimt. An anderen Ende des Kettchens
ist auf gleiche Weise der zugehörige Deckel befestigt. Man kann jetzt
Erfahrungen sammeln, indem man die Deckel absichtlich auf die falschen Flaschen
schraubt und erfährt, "wie sich das anfühlt". Durch die Kettchen
geht dabei die richtige Zuordnung von Flasche und Deckel nicht verloren.
Überraschenderweise gibt es für die Flasche vorn rechts zwei
passende Deckel, die völlig verschieden aussehen. Weitere Problematisierung
siehe gesondertes
Informationsangebot.
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Man kann den Praktikanten sehr helfen, wenn man sich über die Zeit einen
Vorrat an Deckeln der im Praktikum verwendeten Flaschen anlegt und im
Bedarfsfalls aushelfen bzw. nachbessern kann.
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Es gibt weitere Probleme
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Käufliche Glasflaschen haben Deckel mit einer eingeklemmten
Kunststoffdichtung. Mit der Zeit lockert sich diese und fällt dann heraus.
Wird der Deckel weiter verwendet, schließt die Flasche nicht mehr dicht.
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| Handelsübliche Chemikalienflasche mit Kunststoffdeckel und
separater Dichtung. Die Dichtung wird durch vorstehende kleine Zapfen in
den Gewindegang des Deckels eingeklemmt. Links ein Deckel mit korrekt montierter
Dichtung, rechts das gleiche in die Einzelteile zerlegt. Wird der Deckel
ohne die Dichtung verwendet, ist die Flasche undicht. |
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Schnappdeckel von Rollrandgläschen leiern aus, reißen ein oder
passen nicht richtig.
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Rollrandgläschchen mit eingerissenem Schnappdeckel.
Ein leider alltägliches Problem, wenn die Gläschen, wie wohl aus
ersparnisgründen gemeinhin üblich, wiederverwendet werden.
Dies ist nicht nur ein Unterweisungsthema, sondern auch eine Aufgabe der
Praktikumsleitung:
- Die regelmäßige Durchsicht der
Präparategläser
und konsequentes Aussortieren bzw. Ersatz der beschädigten Gläser und
Deckel.
Wer dagegen die Betreuungsunlust mit den wohlklingenden Worten verbrämt, dass
man den Studenten ja doch nicht alles vorkauen könne, da sie ja schließlich
lernen müssten, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten, muss sich nicht
wundern, wenn grässliche Schweinereien im Praktikum passieren. |
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| Nur bei bestimmter Beleuchtung (Seitenlicht) ist der Sprung in
dieser Flasche so deutlich sichtbar, wie auf dem Foto. Bei anderem Lichteinfall
kann er fast unsichtbar sein. Auch beim Aufdrehen des Deckel "knirscht" es
nicht. Mit aufgeschraubtem Deckel ist schließlich gar nichts mehr zu
sehen. Dennoch leckt die Flasche gewaltig!
Auch ohne den Sprung wäre die Flasche weniger gut geeignet: An
der mit "a" bezeichnten Stelle befindet sich normalerweise
ein Kunststoffring, der so
geformt ist, dass er als Dichtring und als Ausgießlippe funktioniert.
Dieser Ring sitzt bei der neuen Flasche zwar meist recht fest, leiert aber
recht bald aus und geht dann schnell verloren. Ohne diesen Ring ist die Flasche
zwar in der Regel noch leidlich dicht, es lässt sich aber weniger gut
aus ihr ausgießen, da letzte Tropfen beim Absetzen leichter ihren Weg
an der Flaschenaußenwand entlang finden. Sehen Sie sich an, wie
ein Flaschengewinde mit korrektem Ring
aussieht. |
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| Sie sehen es schon: Man könnte tagelang Sicherheitsunterweisungen
zum Thema Flaschen geben! Hier ist an der mit dem Pfeil bezeichneten Stelle
ein Stück Glas ausgebrochen - dummerweise genau dort, wo die Deckeldichtung
aufliegt. Die Folge ist wie immer: Die Flasche schließt nicht mehr
dicht. |
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Der Deckel ist nicht beständig gegenüber dem Flascheninhalt.
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| Bei dieser Bromflasche ist die dem Brom ausgesetzte Deckelfläche
komplett zersetzt und herausgebrochen. Natürlich sind solche Zustände
hochgefährlich, weil in diesem Fall der Inhalt entweichen kann, als
wäre der Deckel überhaupt nicht vorhanden! Bei aggressiven Substanzen
werden die Deckel oft durch eine Teflonscheibe geschützt, die genau
den Flaschenhalsdurchmesser hat und in den Deckel eingelegt wird, so dass
der Deckelkunststoff keinen unmittelbaren Kontakt mehr zum Inhalt hat. Dennoch
sollten vor allem die Deckel von Behältnissen mit aggressiven Chemikalien
regelmäßig auf ihre Unversehrtheit kontrolliert werden.
Natürlich sollte der Austauschdeckel passen (Siehe oben) und auch wieder
über eine Teflonscheibe verfügen.
Seien Sie bei der Auswahl der Flaschendeckel misstrauisch, wenn Sie
z.B. in Sicherheitsdatenblättern lesen, dass die betreffende Substanz
"viele Kunststoffe löst". |
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3 Mal der fast gleiche Deckel - jeweils als Außen- und als
Innenansicht. Links das "Normalmodell". Die weiße Teflonscheibe ist
optional und nur eingelegt. Der mittlere und der rechte Deckel haben beide ein
Überdruckventil. Rechts ist das ältere Modell, bei dem das Ventil
von außen deutlich erkennbar ist. Bei
den aktuellen Deckeln erkennt man demgegenüber außen nur drei kleine
Löcher (a). Hier sitzt das Ventil innen. Solche
Überdrucksicherungen sind notwendig bei Chemikalien, die sich unter
Bildung von gasförmigen Produkten zersetzen können. Ein Beispiel
für so eine Verbindung ist Wasserstoffperoxid.
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Alles auf einmal in einer Unterweisung geht sicher nicht, ohne dass die Aufmerksamkeit
erlahmt. Man kann das aber auf mehrere Termine, z.B. in einer
praktikumsbegleitenden
Lehrveranstaltung verteilen. Einige Dinge lassen sich vorteilhaft auch
als Bildmaterial zeigen.
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