Dieser Entsorgungsvorschlag ist für die Chemielaboratorien des Instituts für Chemie und Biochemie der FUB konzipiert. An anderen Einrichtungen können die Entsorgungsregelungen unterschiedlich sein. Alle Hinweise nach bestem Wissen aber ohne Gewähr.
Sicheres Sammeln von Chemikalienabfällen
Sicheres Sammeln von Lösemittelabfällen
Bei einem Versuch... |
Abfälle... |
| ... werden Reaktanden so (langsam) zueinander gegeben, dass die Reaktion kontrolliert abläuft. | ... werden einfach zusammengeschüttet. |
| ... werden durch Rühren die Reaktanden optimal miteinander vermischt, so dass sie verzögerungsfrei abreagieren können. | ... werden nur ins Sammelgefäß gegeben. Da nicht umgerührt wird, können sich Schichten ausbilden. Vermischen sich diese Schichten durch Bewegung des Sammelgefäßes - z.B. wenn das Gefäß voll ist und deshalb fest verschlossen in die Materialverwaltung verbracht wird, kann es im Nachhinein zu plötzlichen gefährlichen Reaktionen kommen. |
| ... wird sorgfältig auf eine Druckentlastung geachtet. ("Öffnung nach draußen") | ... werden manchmal auch in fest verschlossenen Gefäßen gesammelt. |
| ... wird das Reaktionsgeschehen sorgfältig beobachtet. | ... werden in das Sammelgefäß gegeben und danach erfährt das Gefäß keinerlei weiterer Beachtung. |
| ... wird die Temperatur überwacht. | ... werden nur in das Sammelgefäß eingefüllt und dann wird nichts weiter veranlasst. In einem Lösemittelsammelgefäß reicht eine moderate Temperaturerhöhung auf 36 °C, um enthaltenen Diethylether aufsieden zu lassen. Ist das Sammelgefäß zu diesem Zeitpunkt nicht verschlossen, werden tüchtig leicht entzündliche Dämpfe freigesetzt. Ist das Gefäß verschlossen, platzt es - und danach sind schlagartig ganz viele Dämpfe und noch viel mehr freigesetzt. |
Warum passiert dann eigentlich nicht dauernd ein Unfall im Umgang mit Abfällen?
- Meistens werden ausreagierte Mischungen oder verunreinigte Lösemittel in das Abfallsammelgefäß gegeben.
- Reagentien werden - wenn überhaupt - nur in kleinen Mengen in das Abfallsammelgefäß gegeben.
Wann könnte also am ehesten ein Unfall im Umgang mit Sammelabfällen passieren?
- Wenn größere Mengen entsorgt werden sollen.
- Wenn Reaktionsfähige Reaktanden entsorgt werden sollen.
Problemlösung:
- Größere Mengen nicht auf einmal in das Abfallsammelgefäß geben sondern portionsweise in geeigneten Zeitintervallen. Was schadet es, wenn man zur Entsorgung z.B. eines Säurechlorids 2 Wochen lang jeden Tag einen Schluck in das Abfallsammelgefäß gießt, bis die Flasche aufgebraucht ist? Das sind 2 Wochen lang jeden Tag 10 Sekunden Arbeit. Das mag ein bisschen lästig sein, aber behindert das wirklich die Forschung?
- Durchrühren der Mischung, um verzögerte Reaktionen zu verhindern.
- Sammelgefäß bis zur endgültigen Abgabe nicht fest verschließen, sondern Deckel nur lose aufschrauben.
Vor allem bei einer Inventur werden (auch reaktionsfähige) Chemikalien entdeckt, die nicht mehr benötigt und also entsorgt werden sollen, wobei es sich durchaus auch mal um eine größere Menge handeln kann. Zwar kann jede Chemikalie auch als Einzelgebinde entsorgt werden, doch leider nur zu erheblich höheren Kosten. Die Kosten werden nach Gewicht berechnet - und dabei zählt das Flaschengewicht mit! Reagentien langsam in das Sammelgefäß für Lösemittel einzurühren, ist also ökonomisch attraktiv.
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Feststoffabfälle
Seien Sie gewarnt! Zusammengegebene reaktionsfähige Feststoffabfälle sind die heimtückischste Brandquelle, die es im Labor gibt, weil sie auch nach stundenlanger scheinbarer Inaktivität plötzlich einen Brand auslösen können. Viele schwere Laborbrände waren sicher oder wenigstens wahrscheinlich auf reagierende Feststoffabfälle zurückzuführen! ( Beispiel 1, Beispiel 2) Siehe auch Betriebsmittel.
- Entsorgen Sie organische Feststoffabfälle lieber in die Losemittelsammelgefäße!
- Reaktionsfähige Substanzen sind zu desaktivieren oder so zu verpacken, dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht.
- Denken Sie bei der Desaktivierung auch an den Beutel, in dem sich z.B. das Lithiumaluminiumhydrid befand. (Luftblasenfrei in Wasser tauchen!)
- Denken Sie auch an das Zellstoffstück, mit dem Sie Reste des Lithiumaluminiumhydrids weggeputzt haben. (anfeuchten mit Wasser)
Glasabfälle, Spritzen und andere scharfkantige Dinge
Denken Sie an alle, die mit den Abfällen noch hantieren müssen! In der Regel müssen diese Abfälle in sog. 'durchstichfesten' Behältnissen gesammelt werden. Reinigungspersonal darf sich nicht an den Inhalten der Papierkörbe verletzen!




