Dieser Entsorgungsvorschlag ist für die Chemielaboratorien des Instituts für Chemie und Biochemie der FUB konzipiert. An anderen Einrichtungen können die Entsorgungsregelungen unterschiedlich sein. Alle Hinweise nach bestem Wissen aber ohne Gewähr.
Entsorgung von Säurechloridabfällen
Organische Säurehalogenide
Wegen der unterschiedlichen Reaktivität können hier nur allgemeine Hinweise gegeben werden. Es gibt drei Möglichkeiten:- Entsorgung als Einzelchemikalie Vorteil: Wenig Arbeit, aber mit höheren Kosten verbunden.
- In den Lösemittelabfall geben. Damit Ihnen dabei nicht der ganze Abfall um die Ohren fliegt, darf die Zugabe nur in kleinen Portionen und unter Rühren erfolgen. Sie müssen dazu nicht Stunden bis Tage daneben stehen, sondern nur immer mal wieder den nächsten kleinen Schluck in die Abfallkanne geben, die dazu schon gut gefüllt sein sollte, weil es in der leeren Kanne natürlich nichts zum Abreagieren gibt und im Gegenteil die anschließend hineingegebenen Stoffe auf eine brisante Mischung treffen. Der etwas höhere Aufwand wird mit den niedrigeren Entsorgungskosten versüßt
- Desaktivieren mit zum Beispiel Wasser oder Alkohol. Selbst wenn
Sie dabei 'kostenloses' Wasser einsetzen, erhöhen Sie die
Abfallmenge und damit die Entsorgungskosten. Da
Lösemittelabfälle aber erheblich preiswerter entsorgt
werden können als Einzelchemikalien, kann sich dies dennoch
wirtschaftlich lohnen.
Etwas anderes ist es, wenn die aus der Vernichtung von Natrium erhaltene Alkoholatlösung zu Desaktivierungszwecken aufgehoben wurde. Dann wird natürlich am besten mit dieser ev. mit etwas Wasser verdünnten Mischung desaktiviert. Im Prinzip desaktivieren sich hier 2 Abfallarten gegenseitig. Das ist sehr ökonomisch!
Phosphorylchlorid (Phosphoroxychlorid):
Die Nachfolgende Desaktivierung macht nur Sinn, wenn wegen der geringen Menge eine abschließende Entsorgung ins Abwasser geplant ist. Ansonsten ist die Abgabe als Einzelchemikalie wirtschaftlicher.Bei der Hydrolyse in reinem Wasser kann es zu einem
gefährlichen verzögerten Durchgehen der Reaktion kommen!
Der Grund ist der, dass sich das Phosphorylchlorid in der immer
saurer werdenden Reaktionsmischung durch Protonierung
plötzlich auflöst. Man arbeitet daher besser gleich in
salzsaurer Lösung wie folgt:
In einem Dreihalskolben mit Gasableitung und Tropftrichter wird
wenig Salzsäure vorgelegt. Aus dem Tropftrichter wird unter
kräftigem Rühren etwas Phosphorylchlorid hinzugetropft,
bis die entstehende Mischung warm bis heiß geworden ist.
Darauf wird abwechselnd mit Eis und mit Phosphorylchlorid versetzt,
so dass die Mischung möglichst gleichmäßig warm
bleibt, ohne aufzusieden. Die entstehenden sauren Reaktionsgase werden über
Natronlauge aufgefangen. Es ist darauf zu achten, dass das
zutropfende Phosphorylchlorid augenblicklich abreagiert, ohne sich
als separate Phase abzuscheiden. Andernfalls ist die weitere Zugabe
sofort einzustellen und die Abreaktion abzuwarten! Einmal richtig
in Gang gekommen, können auch größere Mengen des
Phosporylchlorids relativ rasch zersetzt werden. Falls
erforderlich, kann der Kolben auch von außen gekühlt
werden.
Die zum Auffangen der wässrigen Reaktionsgase verwendete
Lauge wird zweckmäßigerweise nach der Umsetzung zum
Neutralisieren der Reaktionsmischung verwendet. Zur Vermeidung von
Substanzverschwendung ist es ratsam, die benötigte Menge
Natriumhydroxid zuvor durch stöchiometrische Rechnung zu
ermitteln. Die Salzmischung kann ins Abwasser gegeben werden.
Wassergefährdungsklassen: Phosphate: schwach
wassergefährdend (WGK 1), Chlorid:
nicht wassergefährdend
Phosphortribromid, Sulfurylchlorid:
Die Nachfolgende Desaktivierung macht nur Sinn, wenn wegen der geringen Menge eine abschließende Entsorgung ins Abwasser geplant ist. Ansonsten ist die Abgabe als Einzelchemikalie wirtschaftlicher.Die Säurehalogenide werden in verdünnter
überschüssiger wässriger Natronlauge zersetzt. Wird
die Reaktion zu heftig, so wird mit Eis gekühlt. Die
neutralisierte Reaktionsmischung wird ins Abwasser gegeben.
Wassergefährdungsklassen: Bromide: schwach
wassergefährdend (WGK 1), Chloride: nicht wassergefährdend, Phosphate: schwach
wassergefährdend (WGK 1), Sulfate:
nicht wassergefährdend

