Dieser Entsorgungsvorschlag ist für die Chemielaboratorien des Instituts für Chemie und Biochemie der FUB konzipiert. An anderen Einrichtungen können die Entsorgungsregelungen unterschiedlich sein. Alle Hinweise nach bestem Wissen aber ohne Gewähr.
Entsorgung von Quecksilberabfällen
Sie haben Quecksilber zu Hause z.B. auf dem Tepichboden verschüttet oder eine Energiesparlampe zerbrochen? Dann klicken Sie bitte hier
Quecksilber ist stark wassergefährdend (WGK 3). Nach der Indirekteinleiterverordnung des Landes Berlin darf Wasser mit mehr als 0,005 mg/l Gehalt bzw. einer Fracht von mehr als 0,1 g/Stunde nicht ins Abwasser gegeben werden.
Quecksilber und dessen Salze, sowie entsprechend kontaminierte Papierfilter sind getrennt von allen anderen Abfällen zu sammeln!
a) Verschütten nach Glasbruch
Dass Quecksilber giftige Dämpfe entwickelt, gehört zum chemischen Basiswissen. Die z.B. bei einem Thermometerbruch üblicherweise freigesetzte Menge schafft in einem Labor, indem die Luft pro Stunde 6 bis 8 Mal ausgetauscht werden muss, aber nun nicht gleich ein akutes Bedrohungspotential. Hinweise in Sicherheitsdatenblättern, dass der betreffende Bereich nur mit Atemschutzgerät betreten werden dürfe, sind in so einem Fall für das Labor irrelevant.
Das, was gefährlich ist, ist der andauernde Aufenthalt in einem quecksilberverseuchten Raum, zumal, wenn dieser schlecht belüftet ist. Verschüttetes Quecksilber muss deshalb sofort und vollständig beseitigt werden. Wenn Quecksilber auf dem Boden verschüttet worden ist, müssen Sie dazu eventuell den seit Monaten angesammelten Labordreck unter den Schränken hervorkehren!
Verfahren Sie wie folgt:
- Kennzeichnen bzw. sichern Sie die Unfallstelle! Insbesondere darf niemand Bodenflächen betreten, auf denen sich Quecksilber befindet.
- Da auf den Boden gefallenes Quecksilber sich fast immer auf eine größere Fläche verteilt, ist es sinnvoll, dieses als erstes zusammenzufegen. Verwenden Sie einen normalen Handfeger und kehren Sie den Boden weiträumig und gründlich, vor allem auch unter den Schränken! Entscheiden Sie danach, ob es absehbar ist, dass der normale Staub vom Quecksilber vollständig getrennt werden kann! Dies gelingt auf die weiter unten beschriebene Methode mit dem Zinkblech. Manchmal lässt sich das Quecksilber auch mechanisch abtrennen, weil es sehr mobil ist und deshalb beim "Anschubsen" des Kehrichthaufens mit dem Handfeger aus diesem hervorrollt. Auf den Haaren des Handfegers verbleibt nach der Benutzung im allgemeinen kein Quecksilber. Kann das Quecksilber aus dem Kehricht nicht vollständig separiert werden, so wird der gesamte Kehricht entsorgt. Etikettieren Sie nachvollziehbar mit "Quecksilberhaltiger Bodenkehricht"
- Im Abzug verspritztes Quecksilber kann in feinsten Kügelchen an den dort befindlichen Geräten fest haften. In diesem Fall müssen alle kontaminierten Geräte mit einem benetzenden Lösungsmittel (Ethanol, Aceton) abgespült werden. Stellen Sie zum Auffangen des Lösungsmittels eine große Plastikschale unter! Anschließend wird die Spülflüssigkeit abdekantiert. Arbeiten Sie bei allen Umfüllvorgängen stets mit einem untergestellten Auffanggefäß (Wanne, Schale)!
- Hartnäckig hält sich die Ansicht, es sei das
beste, auf verschüttetes Quecksilber irgendetwas
draufzuschütten, z.B. Schwefel, Zinkpulver oder Iodkohle. Die
dabei verschleuderten Mengen erreichen oft ein groteskes
Ausmaß, vor allem, wenn mehrere Quadratmeter Boden damit
abgedeckt werden. Alle diese Methoden erzeugen völlig
unnötige Abfallmengen und sind obendrein auch noch fast alle
ineffektiv! Insbesondere erzeugt man mit Iodkohle lediglich eine
furchtbare Schweinerei. Außerdem ist Iodkohle lediglich in
der Lage, Quecksilberdämpfe zu absorbieren.
Und wenn Sie es anderswo schriftlich lesen, das mit dem Draufschmeißen wäre optimal: Tun Sie das nicht!! Sie machen alles schlimmer anstatt besser!!
Hervorragend bewährt hat sich die Aufnahme mit einem Zinkblechstreifen. Nach Anätzen mit etwas Salzsäure (ist meist nur bei der erstmaligen Benutzung erforderlich) wird das Zinkblech mit dem Quecksilber in Kontakt gebracht. Dieses springt mit hoher Affinität unter Bildung eines Amalgams auf das Blech und kann so aufgesammelt werden. Die aufgesammelten Tropfen werden in ein Sammelgefäß abgeschüttelt. (Sicherheitsgefäß unterstellen!) Das Zinkblech verbraucht sich durch die Amalgamierung allmählich. Bis zur völligen Abnutzung ist es jedoch viele Male verwendbar. Bewahren Sie es dazu an dauerabgesaugter Stelle auf!
- Von einer ebenen Fläche kann Quecksilber vorteilhaft auch mit der bekannten Quecksilberzange aufgelesen werden.
- Noch eine Alternative: Pipettieren. Größere Quecksilbertropfen gehen allerdings nur widerwillig in die Pipettenspitze und neigen eher dazu, durch wegrollen der Pipette auszuweichen. Man muss deshalb in dem Augenblick, wo das Tröpfchen in die Pipette hinein soll, stark saugen.
Zerbrochene Thermometer sind daraufhin zu untersuchen, ob sie noch Quecksilber enthalten. Falls ja, so sind sie gesondert zu sammeln und in der Materialverwaltung abzugeben. Unternehmen Sie nichts, um das enthaltene Quecksilber herauszulösen! Um das Volumen derartiger Problemabfälle zu verringern ist es jedoch zweckmäßig, mittels Glasschneider die nicht kontaminierten Teile abzutrennen und als normalen Glasmüll zu entsorgen.
b) Aus chemischen Umsetzungen
Sofern entstandenes Quecksilber sich zu Kugeln zusammenballt, kann es nach Abdekantieren der Reaktionsmischung unmittelbar in das Sammelgefäß überführt werden. Fällt es dagegen als graue Emulsion an, so wird es abfiltriert. Die verbleibende Lösung ist daraufhin zu kontrollieren, ob sie noch Quecksilber oder dessen Salze enthält.
c) Recycling
Zur Rückgewinnung verunreinigten Quecksilbers - auch für den Laborbereich - sind diverse Verfahren etabliert. Trotzdem wird das am Institut kaum praktikabel sein. Bei fast allen Verfahren wird das Quecksilber abschließend destilliert. Dies erfolgt meist im Vakuum. Zu beachten ist dabei die extrem hohe Masse des beim Sieden auch noch deutlich stoßenden Quecksilbers. Normale Standardapparaturen aus Glas sind dabei gefährlichen mechanischen Belastungen aussetzt. In der Literatur sind diverse Spezialapparaturen beschrieben. Je nach Herkunft kann man das Quecksilber vorreinigen, z.B. durch Auskochen mit Säure, wodurch z.B. Zink-Amalgame zersetzt werden. Unedle Metalle lassen sich auch entfernen, indem bei der Destillation durch eine Kapillare etwas Luft eingeblasen wird. Ausführliche Literaturhinweise zur Rückgewinnung von Quecksilber findet man inGmelins Handbuch der Anorganischen Chemie, Quecksilber (Systemnummer 34), Lieferung 1, Verlag Chemie Weinheim,1960, Seite 181 und 207-217

