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Letzte Aktualisierung: 28.09.2009 | Links  
Dr. T. Lehmann
OC-Grundpraktikum
Arbeitssicherheit / Umweltschutz
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  Sie finden hier Hinweise zu folgenden Problemen:

 

Ihnen Ist ein Quecksilberthermometer zerbrochen?

Ich bin weder Verbraucherzentrale noch Giftnotrufersatz, sondern Praktikumsleiter, der sich um die Beseitigung von Quecksilber auf Labortischen und nicht aus Holzdielenritzen einer Altbauwohnung zu kümmern hat. Ich kann insbesondere keine Ferndiagnosen über die aktuelle Gefährdung machen, selbst wenn mir Farbe und Schlingenfloordicke des Teppichs genauestens berichtet werden.

Weil nun aber alle hartnäckigen Batterie-Fieberthermometer-Verweigerer sich immer wieder zu mir hindurchgoogeln, hier aus meiner Sicht die nachfolgenden Hinweise:

  • Sie fallen nicht gleich tot um, bloss weil ein paar Kügelchen Quecksilber verstreut auf dem Boden liegen. Das Problematische am Quecksilber ist, dass aufgenommene Mengen nur sehr langsam wieder aus dem Körper ausgeschieden werden. Tun Sie also nichts, und schlafen vielmehr immer wieder mit der Nase dicht neben den Kügelchen, dann nehmen Sie Tag für Tag langsam das Quecksilber auf und mit der Zeit haben Sie davon immer mehr im Körper. Wenn Sie auch andere Seiten gegoogelt und dabei Bilder oder sogar Filmchen gesehen haben, bei denen winzige Mengen verschütteten Quecksilbers unter dem Schutz einer Atemschutzmaske (Volksmund: "Gasmaske") beseitigt wurden, so betrachten Sie das aber bitte als dramaturgische Angstmache, mit der nur die Bereitschaft zum Kauf bestimmter Produkte gefördert werden soll. Sollten Sie sich gar gerade an eine Schreckensmeldung erinern, dass "jährlich eine Milliarde Menschen" durch Quecksilber(amalgam) "umgebracht" werden, dann machen Sie jetzt bitte die Augen zu, atmen einmal tief durch und glauben mir dann bitte, dass hier ahnungslose aber geltungssüchtige Hysteriker am Werk sind, die ihre Selbstbestätigung darin finden, friedliche Menschen erfolgreich aufzuscheuchen - ganz egal für oder gegen was auch immer.
  • Wie für alle kommerziell erhältlichen Substanzen, so gibt es auch für Quecksilber ein sogenanntes Sicherheitsdatenblatt. Es handelt sich dabei um eine genormte Pflichtinformation des Herstellers zum Gefahrenpotential und zu den Schutzmaßnahmen. Wenn Sie das Sicherheitsdatenblatt von Quecksilber lesen, werden Sie wahrscheinlich glauben, dass Sie gerade die Hölle in Ihrer Wohnung haben. Wahrscheinlich haben ja auch die o.g. Hysteriker das Sicherheitsdatenblatt gelesen und kommen sich nun ganz oberschlaumeierhaft vor.

    Wie komme ich jetzt eigentlich dazu, Ihnen zu sagen, dass das trotzdem alles nicht so schlimm ist?
    Ganz einfach: Weil das Sicherheitsdatenblatt die gewerbliche Nutzung, also die Nutzung von Tonnen Quecksilber im Auge hat, die tagein tagaus verwendet werden. Ihr Problem besteht hingegen in ein paar Milligramm, die Sie ja nun auch noch so schnell wie möglich wieder loswerden wollen!

    Sie zweifeln?
    OK, ein Test: Lesen Sie das folgende Sicherheitsdatenblatt und beantworten Sie die Frage, ob sie es tolerieren würden, diese Substanz in Ihrem Haushalt zu haben. Der Substanzname ist unkenntlich gemacht. Dafür sind die "gefährlichen Stellen" bereits farblich hervorgehoben. Hier ist die Auflösung.

  • Ich bin kein Quecksilberlobbyist und will tatsächlich bestehende Gefährdungen durch Quecksilber nicht wegdiskutieren. Gefährlich sind vor allem die Dämpfe. Es gibt Leute, die behaupten, man könne Quecksilber sogar essen. Das lassen Sie aber doch lieber bleiben. Die Dämpfe sind knapp 7-fach schwerer als Luft. Könnten Sie die Dämpfe sehen, so würden Sie bemerken, dass sie am Boden entlang kriechen und nur dann weiter nach oben verwirbelt werden, wenn Sie dauernd aufgeregt um die betreffende Stelle herumrennen und den Dampf dabei aufwirbeln. Aufgewirbelten Dampf kann man durch eifriges Lüften vertreiben.
  • Das Ausmaß der Dampfentwicklung hängt von der Temperatur ab. Je wärmer, umso mehr - genau, wie bei Wasser auch! Quecksilber auf der Heizung ist also problematischer, als Quecksilber auf dem "normal" warmen Fußboden.
  • Sie können die Dampfentwicklung bedeutend reduzieren, wenn Sie so lange, bis Sie ein Konzept haben, wie Sie das Zeug wieder los werden, etwas drüberstülpen: Einen Teller, eine Schachtel - was immer sie finden. Es muss kein alter Teller sein, denn normal abgewaschen taugt er hinterher wieder genauso gut für Ihre Brötchen. Je luftdichter Ihre Abdeckung, umso besser. Nehmen Sie nichts metallisches zum Abdecken, denn damit kann das Quecksilber möglicherweise Legierungen bilden. "Amalgamieren" nennt man das. Nicht alle Legierungen müssen gesundheitsschädlich sein. Denken Sie zum Beispiel an die Amalgamfüllungen in Ihren Zähnen, denen Sie - egal wo Sie sich befinden - 24 Stunden pro Tag ausgesetzt sind. Ob nun aber der Fissler-Topf oder die WMF-Gabel bei Kontakt mit Quecksilber sofort verseucht ist oder erst später oder auch gar nicht, weiß ich nicht.
  • Besonders teuer für Sie wird es, wenn Sie ein Quecksilberthermometer in einem Flugzeug kaputt machen, denn mit Aluminium kommt es sehr leicht zur Amalgambildung. Die Flugzeuggesellschaft hat dann freilich weniger Angst um eine gesundheitliche Belastung sondern befürchtet Festigkeitsverluste der Flugzeugkonstruktion und schneidet um die Thermometerbruchstelle herum einen Kubikmeter aus dem Flugzeug heraus und ersetzt es gegen ein neues Teil.
  • Das kaputte Quecksilberthermometer auf der Hutablage ihres Autos ist nur wenig preiswerter. Passiert ist das Unglück vermutlich im Sommer, weil dann auf der Hutablage schnell Temperaturen auftreten können, die mehr als fiebrig sind. Das Quecksilber im Thermometer hat nichts mehr, wohin es sich ausdehnen kann und sprenkt daher das Glas auf. So ein Auto ist voller Ritzen und Spalten. Es gibt Kupferkabel, die für das Quecksilber ganz lecker sind, weil es sich mit dem Kupfer auf jeden Fall zum Amalgam verbindet. Und auch nach dem Thermometerbruch gibt es wieder Sommertage. Raum zum Ausdehnen ist für das Quecksilber jetzt zwar kein Problem mehr, aber in der Hitze verdampft es auch besser, weshalb jetzt die Luft erheblich stärker mit dem Dampf geschwängert ist. Die Abhilfe besteht darin, zu messen, dann auf Verdacht irgendwelche Teile auszutauschen und dann wieder zu messen. Das kann natürlich lange dauern und teuer werden.
  • Quecksilber nehmen Sie auf vielfältige andere Arten auf:
    • Durch ihre Amalgam-Zahnfüllungen, vor allem, wenn sie sehr alt sind oder vom Zahnarzt ausgebohrt werden,
    • durch Fischverzehr,
    • bei bestimmten Wunddesinfektionsmitteln
      (gerade wenn es sich um solche handelt, bei denen man beim Auftragen vor Schmerz nicht an die Decke springt. Sie müssen bei der Wunddesinfektion also wählen: Schmerz aushalten oder das bisschen Quecksilberbelastung tolerieren.)
    • oder auch bei bestimmten Augentropfen.
    Die Aufnahme erfolgt hier überwiegend nicht durch Einatmen - dafür haben Sie es z.T. auch mit leicht resorbierbaren Quecksilberverbindungen zu tun, für die wieder andere Regeln gelten.
  • Wenn Sie nun denken, das ganze sei ja nun noch viel schlimmer als befürchtet und dass Sie nun nicht nur durch die jetzt gerade auf Ihrem Fußboden befindlichen silbrig blitzenden kleinen Kügelchen, sondern nun auch noch durch Zahnfüllungen, Nahrungsmittel und Medikamente täglich ein bisschen mehr vergiftet würden, so bedenken Sie bitte, dass bei Giften sich immer eine bestimmte Mindestmenge im Körper befinden muss, bevor eine Giftwirkung eintritt. Quecksilber gehöhrt sogar zu den wenigen Stoffen, für die ein "Biologischer Grenzwert" definiert ist. Das ist ein amts-chinesischer Fachbegriff und besagt, dass die Giftkonzentration im menschlichen Körper selbst gemessen wird - üblicherweise im Blut oder im Urin. Wird bei der Messung der "Biologische Grenzwert" unterschritten, so geht man davon aus, dass kein Risiko besteht. Das bedeutet zweierlei:
    1. Sie können dauerhaft eine kleine messbare Menge Quecksilber im Körper haben, ohne dass dies für Sie ein Krankheitsrisiko darstellt.
    2. Sie können Ihre eigene persönliche Quecksilberbelastung direkt durch Bestimmung Ihres aktuellen "Biologischen Wertes" überprüfen lassen.
    Aktuelle Biologische Grenzwerte finden Sie in der TRGS 903.

    Sollten Sie zu den Rauchern gehören, so sollten Sie vordringlich das Rauchen einstellen. Die Statistiken über die Verringerung der Lebenserwartung bei Rauchern werden immer aussagekräftiger. Derzeit geht man von einer um 5 - 10 Jahre verkürzten Lebenserwartung aus. Das ist verdammt viel. Die Bedeutung, die Ihre derzeitige Quecksilberexposition für Ihre Lebenserwartung hat, ist dagegen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht mehr als ein Furz - insbesondere dürfte die entsprechende Zeitspanne sehr vergleichbar sein.

    Ist Ihnen das Malheur allerdings im Kinderzimmer passiert, sollten Sie alarmiert sein. Kinder vertragen eine Quecksilberexposition bedeutend schlechter. Alles vollständig wegmachen - und zwar baldmöglichst - muss hier die Devise sein.

Egal, ob je nach Sachlage Bagatelle oder Gesundheitsbedrohung: Quecksilber auf dem Teppichboden ist eine vermeidbare Belastung. Sie sollten sich also zügig um die Beseitigung kümmern!

Es wäre jetzt Zeit, meine Tipps zu lesen, die ich für die Beseitigung im Labor gemacht habe und zu überlegen, wie man das zu Hause bewerkstelligen könnte. Zinkblech sollten Sie z.B. bei einem Dachdecker bekommen, die Salzsäure können Sie durch andere Haushaltssäuren ersetzen, also z.B. durch Essig- oder Zitronensäure. Und wenn gar nichts davon im Hause ist, dann versuchen Sie es mit einem mechanischen Blankschleifen des Metalls mit Schmirgelpapier, Stahlwolle, oder was Sie sonst in die Finger kriegen. Erfolg haben sie, wenn das zuvor stumpfgraue Metall eine silbig glänzende Oberfläche bekommen hat.

Helfer in der Not kann auch die Apotheke sein, die Ihnen vielleicht mit einer Pipette dienlich sein kann. Ich rate Ihnen, es sowieso lieber erst mal mit einer Pipette zu versuchen. Das Zinkblech spielt seinen Vorteil in der Weise aus, dass es für den gleichen Zweck immer wieder verwendet werden kann. Das haben Sie aber - glaube ich - ganz und gar nicht vor! Der Nachteil des Zinkbleches ist, dass das ganze Ding, wenn Sie es entsorgen wollen, nun wegen des Quecksilbergehaltes als Problemabfall gilt - und Entsorgungskosten werden nach Gewicht berechnet. Vielleicht handelt es sich bei der Apotheken-Pipette sogar um eine Tropfflasche mit einer Pipette. Dann haben Sie gleich ein Auffanggefäß für das Quecksilber. Sie haben eine leere Kunststoff-Tropfflasche Ihrer Augentropfen? Prima: Nicht wegschmeißen, sondern die leere Flasche tüchtig zusammendrücken und dann die Quecksilbertröpfchen aufsaugen. Und jetzt machen Sie das Etikett ab! Nein - nicht später nach der Sportschau! Jetzt! Sofort! Und schreiben drauf, was jetzt drin ist. Sonst tropft sich irgendwer das Quecksilber ins Auge! Steckt das Quecksilber in einer Ritze und Sie kommen nicht heran, so überlegen Sie, ob sie es vielleicht mit einem Borstenpisel herauskratzen können.

Da ist jetzt aber noch ein kleines bisschen übrig - und Sie kriegen das nicht weg! Ist das jetzt schlimm?

Wenn es ein Kinderzimmer ist: Weitermachen!
Jetzt wäre zum Beispiel die Option Mercurisorb zu prüfen. Das ist so eine Art "K2R für Quecksilber": Pulver draufstreuen, einwirken lassen und zusammenkehren - schwupps, weg ist das Quecksilber. Glauben Sie jetzt aber bitte nicht an Hexerei, sondern vertrauen Sie der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass das Quecksilber jetzt in diesem Mercurisorb gebunden ist und sich nicht etwa in "nichts" aufgelöst hat. Sie müssen also das Mercurisorb als Sondermüll entsorgen. Immerhin ist das Quecksilber darin so gebunden, dass jetzt kein Dampf mehr entwickelt wird.

Mercurisorb ist um einiges teurer als "K2R", weshalb ich Sie ja erst mal mit den - vermutlich außerdem auch schneller herbeischaffbaren Hausmitteln beschäftigt habe. Wenn Sie den Link anklicken, erhalten Sie eine Googel-Trefferliste zum Stichwort "Mercurisorb" und werden feststellen, dass dort neben ratlosen Anfragen in irgendwelchen Quasselforen auch Anbieter von dem Wundermittel auftauchen. Ich habe sogar mal einen Anbieter gefunden, der das Zeug grammweise abgibt, was für Sie als "Nur-ein-einziges-Mal-im-Leben-Thermometer-Runterwerfer" natürlich besonders attraktiv ist. Sie suchen aber bitte selbst nach dem Ihnen am meisten zusagenden Angebot. Sie können das Mercurisorb jedenfalls auch via Internet bestellen, was vielleicht billiger ist, als wenn Sie Ihre Apotheke das für Sie tun lassen. Was am günstigsten für Sie ist, müssen sie selbst herausfinden.

Wenn es kein Kinderzimmer ist, hilft rechnen. Auch für die Atemluftbelastung gibt es amtschinesische Grenzwerte, bei deren Einhaltung man von der dauerhaften Risikofreiheit ausgeht.

  • Der Name "Arbeitsplatzgrenzwert" sagt schon, dass dieser Wert für den Arbeitsplatz gilt. Die Risikofreiheit gilt für eine nur 8-stündige Exposition täglich und stellt in Rechnung, dass es auch mal einen Urlaub als belastungsfreie Phase gibt. Der Arbeitsplatzgrenzwert beträgt bei Quecksilber zur Zeit 0,1 mg/m3 Atemluft. Aktuelle Grenzwerte können Sie in der TRGS 900 nachlesen. Der Luftgrenzwert am Arbeitsplatz hieß früher mal MAK-Wert (=Maximale Arbeitsplatzkonzentration)
  • Weil im letzten Jahrhundert noch sehr viele Leute Quecksilberthermometer heruntergeworfen haben, hat das Umweltbundesamt 1999 Richtwerte für den häuslichen Innenraumbereich verfügt. Es gibt 2 Richtwerte:
    • RW I: 0,035 µg/m3 Wird dieser Wert eingehalten, geht man von der Risikofreiheit aus.
    • RW II: 0,35 µg/m3 Wenn Sie genau hinsehen: Der RW II-Wert ist nichts weiter als das 10fache des RW I-Wertes. Konzentrationen in diesem Bereich werden als Grauzone angesehen.
    Beachten Sie, dass der RW I-Wert etwa um den Faktor 1000 niedriger liegt als der Arbeitsplatzgrenzwert. Der Anspruch, zu Hause keine Quecksilberbelastung ertragen zu müssen, ist also ungleich höher als bei einer beruflich bedingten Exposition.

Ein Quecksilbertröpfchen von 1 mm Durchmesser hat eine Masse von etwa 7 mg. Nehmen wir mal an, es würde sich in einem kleinen Zimmer befinden, schlagartig verdunsten und Sie würden den Dampf mit einem Ventilator gleichmäßigst im Raum verteilen. Nehmen wir an, das Zimmer hätte eine Fläche von 2,5 x 4 Metern und wäre 2,70 Meter hoch. Es hätte dann ein Volumen von 27 m3 und die Atemluftkonzentration betrüge 0,25 mg/m3, wäre also um den astronomischen Faktor 7000 höher als der RW I-Wert und sogar deutlich höher als der "Arbeitsplatzgrenzwert". Zu dieser Rechnung ist folgendes zu sagen:

  • Wäre es so, dass sich das Tröpfchen in dieser Weise verhielte, wäre das Problem sehr schnell lösbar: Sie öffnen einfach das Fenster - und weg ist der Spuk. Der Quecksilbertropfen verdunstet ja aber eben gerade nicht schlagartig! Er blinzelt Sie vielmehr morgen auch noch mit seinem 1 mm Durchmesser an, auch übermorgen und in einer Woche. Das ist es ja gerade was Sie so besorgt macht: Er verschwindet eigentlich irgendwie gar nicht! Dabei bedeutet gerade das, dass so ein armes kleines Tröpfchen eben ganz und gar nicht in der Lage ist, ad hoc grenzwertnahe Konzentrationen zu erzeugen. Und was das kleine Tröpfchen dann doch noch mühsam an Dampf hervorbringt, lüften Sie ja gemeinerweise täglich wieder weg!
Fazit also: Ein Umzug ist nicht notwendig! Aber - Stichwort: Unnötige und vermeidbare Belastung - es ist natürlich Ihr gutes Recht, sicherheitshalber auch hier Geld in den Kauf von Mercurisorb zu investieren.

Wie gerade beschrieben: Das Quecksilber kann seine Giftwirkung nur durch Selbstaufopferung entfalten. Irgendwann ist es also auch von allein verdunstet. Wann das der Fall ist - und Sie also wieder ruhig schlafen können, hängt nicht nur von der Temperatur, sondern auch vom Luftaustausch ab. Wenn Sie einen nassen Waschlappen schnell wieder trocken haben wollen, hängen Sie ihn ausgebreitet auf die Leine - möglichst im Freien, damit ständig frische trockene Luft zugefächelt wird. Sie würden niemals auf die Idee kommen, ihn zum Trocknen in einen engen Spalt zu stopfen. Was für die Verdunstung von Wasser gilt, trifft auch auf Quecksilber zu. Gerade das Quecksilber, was Sie nicht wegbekommen, wird aber in unzugänglichen und wenig durchlüfteten Ritzen stecken und so kann es gut sein, dass Sie die nächsten Monate oder Jahre die Wohnung mit diesem teilen müssen. Werden alte, nach den Sicherheitsstandards des letzten Jahrtausends betriebene Chemielabore abgewrackt, kommt beim Herausreißen des Fußbodens nicht selten Quecksilber zutage, was dort ganz offensichtlich Jahre, wenn nicht Jahrzenhnte friedlich überdauert hat, ohne den Laborinsassen Schaden zugefügt zu haben.

 


Sie versprechen mir, dass Sie das - egal wie - aufgesammelte Quecksilber nicht einfach in den Müll schmeißen! Quecksilber kann nicht biologisch abgebaut werden. Es bleibt Quecksilber - Immer! Vielleicht ist die Apotheke noch einmal nett zu Ihnen, ansonsten wenden Sie sich an die örtlichen Entsorgungsunternehmen. Bei einer Originalpackung Mercurisorb ist die Entsorgung in der Regel bereits im Kaufpreis mit inbegriffen und Sie brauchen es nach der Verwendung nur an die in der Packung genannte Stelle einzusenden. Beachten Sie, dass ein verwendetes Zinkblech an der Spitze amalgamiert und also ebenfalls quecksilberhaltig ist und deshalb ebenfalls Sondermüll ist.

Und dann versprechen Sie mir noch, dass Sie

hier draufklicken

und eifrig lesen! Und dann will ich, dass Sie nie wieder diese Seite anklicken müssen!


 

Ihnen ist eine Energiesparlampe zerbrochen?

Etwas Historie muss sein:

Sie sind Ihr ganzes Leben mit Leuchtstofflampen (Leuchtstoffröhren, falsch auch "Neonröhren" genannt) groß geworden. Diese Leuchtmittel haben zu Iher Zufriedenheit schon immer das Innere von Warenhäusern, Parkgaragen, Kellern - ja selbst den schicken Spiegelschrank in Ihrem Badezimmer, die Wohnzimmervitrine oder das Aquarium angenehm schattenfrei erhellt oder als sog. "Schwarzlicht" in der Disko für die richtige Stimmung gesorgt. Durch technischen Fortschritt kann man diese Leuchtstofflampen nunmehr so klein herstellen, dass man Sie auf den Sockel einer Glühbirne montieren und mit der so erhaltenen Energiesparlampe die Glühbirne ersetzen kann.

Das war bisher in niemandes Augen ein Problem, nur jetzt, wo man den Verbrauchern die lieb gewordene Glühbirne verbieten will, treten plötzlich selbst ernannte Experten auf den Plan, die uns als "Lichtbiologen" ungesundes Flackerlicht einreden wollen (was man durch moderne Vorschaltgeräte längst beseitigt hat) und als Hysteriker das enthaltene Quecksilber als Teufelszeug brandmarken.

Früher, als Ihnen das Quecksilber in den "Neonröhren" noch egal war, enthielten diese bis zu 200 mg Quecksilber. Heutzutage dürfen diese nicht mehr als 5 mg enthalten. Moderne Leuchtmittel kommen mit 1,5 mg aus. Das Quecksilber ist der eigentliche Lichtspender einer Leuchtstofflampe also auch jeder Energiesparlampe. Das Quecksilber muss dazu in der Lampe verdampfen, was es bei Erwärmen besser tut als in kaltem Zustand, weshalb Energiesparlampen typischerweise ihre volle Lichtstärke erst nach einiger Zeit erreichen.

Wenn Sie eine Energiesparlampe zerbrechen, läuft Ihnen das Quecksilber nicht mit einem Plumps aus dem Glas, sondern es steckt fein verteilt in dem weißlichen Belag an der Innenseite der Glaswand, der im übrigen dafür zuständig ist, dass die von dem Quecksilber eigentlich erzeugte harte UV-Strahlung beim Betrieb vollständig in ein angenehmes sichtbares Licht umgewandelt wird. Die feine Verteilung des Quecksilbers rührt daher, dass das Quecksilber in der Lampe bereits vielfach verdampft und wieder kondensiert ist. Wenn Sie geduscht haben, haben Sie das Problem, dass die Wände Ihres Bades gleichmäßig feucht sind und das Wasser sich leider nicht als Pfütze möglichst nahe dem Bodeneinlauf versammelt, um mit einem Schrubberschubs bequem entsorgt werden zu können. Mit dem Quecksilber in der Energiesparlampe ist es das gleiche: Es befindet sich fein verteilt im gesamten Innenraum. Nehmen Sie also einfach eine Plastiktüte, geben dort alle Scherben hinein und knoten diese zusammen, damit keine Dämpfe nach außen dringen können. Sie werden - weil Sie wegen der Dämpfe besorgt sind - trotzdem noch ordentlich lüften wollen. Jawoll, machen Sie das! Das kann jedenfalls nicht schaden.

Gebrauchte Leuchtstofflampen müssen Sie als Sondermüll entsorgen und dürfen Sie nicht in den Hausmüll geben. Um das Quecksilber aus alten Energiesparlampen herauszuholen, werden diese übrigens mit voller Absicht kurz und klein geschlagen, worauf durch Sieben oder Auswaschen dieser weißliche Belag separiert wird, der das Quecksilber enthält. Das Quecksilber wird durch Erhitzen ausgetrieben und aufgefangen. Chemiker nennen das "destillieren".

Stimmt's? Es macht Sie immer noch nervös, dass diese Energiesparlampen ja wohl doch "irgendwie" giftig sind und jetzt lesen Sie hier so einen "ist-doch-alles-ganz-harmlos-Text"!

Vier Antworten zu dieser Sorge:

  1. Selbst wenn Sie eine worst-case-Betrachtung anstellen und also davon ausgehen würden, dass sich bei einem Lampenbruch die gesamten 1,5 mg Quecksilber sofort in Ihrer Wohnung verteilen, so hätten Sie ein Problem, welches etwa um den Faktor 5 kleiner ist als das weiter oben für das von einem Fieberthermometer freigesetzte 1-mm-Quecksilberkügelchen. Um das Risiko weiter zu vermindern, wird in modernen Energiesparlampen überdies gar kein reines Quecksilber, sondern ein Amalgam eingesetzt. Das ist eine Mischung von Quecksilber mit anderen Metallen - also genau das, womit Ihr Zahnarzt Ihnen den ausgebohrten kariösen Zahn geflickt hat. Als Amalgam dampft Quecksilber weitaus weniger vor sich hin, bzw. tut dies erst bei Erwärmung. Ihre Zahnfüllung, die vielleicht die hundertfache Quecksilbermenge wie eine Energiesparlampe enthält, macht sie also nicht krank. Sie würde das erst tun, wenn Sie 220 V an Ihre Zahnfüllung anlegen und damit eine Energiesparlampe selbst basteln wollten. Das haben Sie aber nicht vor. Auch an der kaputten Energiesparlampe liegt aber keine Spannung mehr an und so ist das auch dort mit den Quecksilberdämpfen nicht mehr so ein großes Problem.
  2. Alles, was ins Erdreich kommt, verrottet dort bekanntlich. "Verrotten" im Zusammenhang mit Metallen bedeutet "Korrosion", was chemisch nichts anderes ist als eine Auflösung. In der Nähe einer kaputten Energiesparlampe herumkrabbelnde Regenwürmer haben es also mit einer Erdfeuchtigkeit zu tun, in der sich aufgelöstes Quecksilber befindet. Wenn Sie morgens munter werden wollen, brühen Sie sich Kaffee. Sie werden nicht schon davon munter, dass Sie sich einfach nur neben das Kaffeepulver hinstellen. Schütten Sie das Kaffeepulver jedoch in den Garten, so wird dort das Kaffeepulver durch Erdfeuchte und Regen ausgelaugt. Ich kann Ihnen nicht sagen, ob Regenwürmer durch Kaffee-Extrakt munter werden, aber ausgesetzt wären sie den Kaffeebestandteilen auf jeden Fall. Ihre Wohnung ist nun aber kein feuchter Komposthaufen, in dem Sie herumkrabbeln, und es herrschen also keine Bedingungen, die zu einer gefährlichen Mobilisierung von Schwermetallen führen können. So ist es zu erklären, dass nicht nur Quecksilber, sondern etliche Stoffe, die Sie in Ihrer Wohnung verwenden, für Sie selbst kein Problem darstellen, für die Umwelt hingegen sehr wohl, wenn sie dorthin verbracht werden.
  3. Schon Paracelsius hat gesagt, dass es die Menge ist, die darüber entscheidet, ob eine Substanz giftig ist oder nicht. Erinnern Sie sich daran, dass Sie bei Röntgenaufnahmen immer mutterseelenallein im Raum sind und alles Personal vorher geradezu fluchtartig den Raum verlassen hat? Die haben nämlich jeden Tag mit Röntgenstrahlung zu tun, die sie in dieser Menge gefährdet - Sie hingegen nur, wenn Sie z.B. Gelenk- oder Zahnschmerzen haben. Auch quecksilberverarbeitende Betriebe haben oft ein Problem, ihre Beschäftigten vor dem Quecksilber zu schützen. Sie selbst haben ja nun aber nicht vor, andauernd Energiesparlampen kaputt zu machen, sondern dies passiert Ihnen nur versehentlich - und vermutlich in Zukunft immer weniger, weil Sie die empfindlichen Stellen der Lampen alsbald kennengelernt haben.
  4. Quecksilber nehmen Sie auch durch andere Quellen, z.B. durch Verzehr von Speisefischen auf. Speisefisch darf bis zu 1 mg/kg Quecksilber enthalten. Der Vergleich mit Energiesparlampen ist nicht ganz korrekt, denn Fische enthalten kein elementares Quecksilber, sondern Dimethylquecksilber, also eine Quecksilberverbindung. Es gehört zum Grundverständnis der Chemie, dass Stoffe, die eine Reaktion eingegangen sind, in aller Regel völlig andere Eigenschaften haben als die Stoffe aus denen sie entstanden sind. Die meisten Quecksilberverbindungen sind allerdings ebenfalls giftig und Dimethylquecksilber ist es ganz besonders. Die über die Lebenszeit akkumulierte Quecksilberbelastung durch Verzehr von Speisefischen ist ohne Zweifel höher als die Belastung durch zerbrochene Energiesparlampen. Dies ist kein Plädoyer gegen den Verzehr von Speisefischen, sondern ein Plädoyer gegen die Hysterie bezüglich der Nutzung von Energiesparlampen.

Erzeugt man Strom durch Kohleverbrennung, so wird bei der Erzeugung der zum Betrieb einer Glühbirne benötigten Strommenge eine vergleichbare Menge an Quecksilber freigesetzt, wie in den Sparlampen enthalten ist. Allerdings ist diese Menge in den Unmengen an Rauchgas derart verdünnt, dass man das Quecksilber dort nicht abtrennen kann. Sparlampen sind also in jeder Hinsicht ökologisch vorteilhaft. Lassen Sie sich Ihr ökologisches Bewusstsein durch die selbsternannten "Experten" nicht vermiesen. Glühlampen sind von gestern!