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Zu Hause freigesetztes Quecksilber

Sie finden hier Hinweise zu folgenden Problemen:

 

Zur Änderung der Lebenserwartung nach häuslicher Quecksilberfreisetzung

Ich bin weder Verbraucherzentrale noch Giftnotrufersatz, sondern Praktikumsleiter, der sich um die Beseitigung von Quecksilber auf Labortischen und nicht aus Holzdielenritzen einer Altbauwohnung zu kümmern hat. Ich kann insbesondere keine Ferndiagnosen über die aktuelle Gefährdung machen, selbst wenn mir Farbe und Schlingenfloordicke des Teppichs genauestens berichtet werden.

Weil nun aber alle hartnäckigen Batterie-Fieberthermometer-Verweigerer und Leuchtstofflampenscherbenbesitzer sich immer wieder zu mir hindurchgoogeln, hier aus meiner Sicht die nachfolgenden Hinweise:

 

Sofortmaßnahmen

 

Giftwirkung des Quecksilbers

 

Daten zur Gefährdung durch Quecksilber

 

 

Das Freisetzungspotential des Quecksilbers nach Thermometer oder Leuchtmittelbruch

Das Umweltbundesamt hat in einer ersten orientierenden Messung unmitelbar nach dem Bruch einer Energiesparlampe eine gegenüber dem Richtwert RW II von 0,35 µg/m3 um den Faktor 20 erhöhte Raumluftbelastung detektiert, die sich nach dem Lüften aber rasch wieder normalisiert. Sie wissen schon, dass diese kurze Überschreitung weder Ihnen noch Ihrem Kind etwas anhaben kann.

Eine Energiesparlampe kommt schon heute mit etwa 1,5 mg Quecksilber aus und darf ab 1.1.2013 auch nicht mehr als 2,5 mg Quecksilber enthalten. Nehmen wir an, nach einem Lampenbruch bleibt eine gesetzliche Höchstmenge von 2,5 mg Quecksilber unentdeckt und also auch unbeseitigt, so dass es mit der Raumluft äquilibrieren kann. Wäre das Quecksilber ein einziges Töpfchen, so hätte dies einen Durchmesser von 0,7 mm. Nehmen wir an, das Unglück wäre in einem Zimmer mit einer Fläche von 2,5 x 4 Metern und einer Deckenhöhe von 2,70 Metern passiert. Dieses Zimmer hätte ein Volumen von 27 m3. Nehmen wir schließlich an, das Kügelchen würde schlagartig verdunsten und wir würden dem Dampf mit einem Ventilator gleichmäßigst im Raum verteilen. Die erreichte Atemluftkonzentration wäre dann 0,09 mg/m3, also immer noch um den Faktor 2600 höher als der RW I-Wert. Daraus folgt zweierlei:

Der Quecksilbertropfen verdunstet ja aber eben gerade nicht schlagartig! Er blinzelt Sie vielmehr morgen auch noch mit seinem 0,7 mm Durchmesser an, auch übermorgen und in einer Woche. Das ist es ja gerade was Sie so besorgt macht: Er verschwindet eigentlich irgendwie gar nicht! Dabei bedeutet gerade das, dass so ein armes kleines Tröpfchen eben ganz und gar nicht in der Lage ist, ad hoc hohe Konzentrationen zu erzeugen. Und was das kleine Tröpfchen dann doch noch mühsam an Dampf hervorbringt, lüften Sie ja gemeinerweise täglich wieder weg!

Wir stellen jetzt mal an dieses doofe Kügelchen die Forderung, dass es ja meinetwegen verdunsten könne, aber bitteschön so langsam, dass täglich nur so viel Quecksilberdampf entwickelt wird, dass der RW I-Wert eingehalten bleibt. Der Kuhhandel besteht darin, dass Sie ein Mal täglich lüften und das Kügelchen dann wieder das zugestandene Quentchen von seinen Gemeinheiten in die Raumluft abgeben darf. In diesem Fall würde das Kügelchen Sie 7 Jahre lang ärgern können, bis es vollständig verdunstet ist.

Das ist ganz schön lange, aber es gilt folgende Relation: Nur wenn das Kügelchen offenen Zugang zur Raumluft hat, wird es schneller verdunsten können. Dann ist es aber sehr wahrscheinlich, dass es sich nicht vor Ihnen verbergen kann. Sie werden es sehen und weg machen. Versteckt es sich hingegen tief in einer Ritze ist der Luftaustausch schlecht, und es wird nur ganz langsam verdunsten. Sie kennen das von Ihrer Wäsche: Sie hängen sie zum Trocknen auf eine Leine, damit sie gut von Luft umspült wird. Sie würden nie auf die Idee kommen, sie zum Trocknen in eine Ritze oder in eine Schublade zu stopfen. Wenn Sie dem Kügelchen erlauben wollen, Konzentrationen bis zum RW II-Grauzonenwert aufzubauen, schrumpft die angegebene Zeitspanne überdies auf ein Zehntel, also knapp 8 Monate.

 

 

Ubiquitäre Quecksilberbelastung

Quecksilber nehmen Sie auf vielfältige andere Arten auf:

Speisefisch darf 1 mg Quecksilber pro Kilogramm enthalten, die 200-g-Fischmahlzeit also 0,2 mg. Wenn Sie das tun was Ernährungssachverständige empfehlen, nämlich ein Mal pro Woche Fisch zu essen, wäre es theoretisch denkbar, dass sie 52 0,2-mg-Dosen, also 10,4 mg Quecksilber pro Jahr verzehren. Das ist deutlich mehr als das gerade eben diskutierte 0,7-mm-Quecksilbertröpfchen. Natürlich wird es in Wirklichkeit viel weniger sein, weil natürlich nicht jeder Fisch bis zur Kante belastet ist. Die ganze Rechnerei diente ja aber nur dem Zweck herauszubekommen, an welchen Stellen man welche Belastungen für akzeptabel hält. Der Vergleich hinkt formal ein wenig, weil im Fisch das Quecksilber chemisch gebunden ist - allerdings wandelt auch der menschliche Körper das Quecksilber in giftige Verbindungen um.

Quecksilberverbindungen werden überdies medizinisch zur Wund-Desinfektion oder zur Konservierung von Arzneien (z.B. Augentropfen) verwendet. Darüber hinaus gibt es auch eine natürliche atmosphärische Quecksilberbelastung, die in Ballungsgebieten höher ist als auf dem Land. Sie sollten jetzt der Versuchung wiederstehen, das alles dann ja noch für viel schlimmer zu halten, weil Sie nun nicht nur durch die jetzt gerade auf Ihrem Fußboden befindlichen silbrig blitzenden kleinen Kügelchen, sondern auch noch durch Zahnfüllungen, Nahrungsmittel und Medikamente täglich ein bisschen mehr vergiftet werden. Es ist vielmehr umgekehrt so, dass Sie auch im täglichen Leben einer gewissen Quecksilberbelastung ausgesetzt sind, die Sie bisher nie nachteilig empfunden oder bemerkt haben, weil - siehe oben - der Körper mit so einer kleinen Giftmenge folgenlos fertig wird.

 

 

Ihnen Ist ein Quecksilberthermometer zerbrochen?

Vielleicht haben Sie schon meine Tipps gelesen, die ich für die Beseitigung im Labor gemacht habe und dabei überlegt, wie man das zu Hause bewerkstelligen könnte. Für Ihr Problem ist das aber nicht das richtige, denn was wollen Sie hinterher mit dem Zinkblech anstellen? Beachten Sie, dass quecksilberhaltige Abfälle nicht in den Hausmüll gegeben werden dürfen und Ihre örtliche Sonderabfallsammelstelle die Gebühren nach dem Gewicht des Abfalls berechnet!

Helfer in der Not könnte die Apotheke sein, die Ihnen vielleicht mit einer Pipette dienlich sein kann. Vielleicht handelt es sich bei der Apotheken-Pipette sogar um eine Tropfflasche mit einer Pipette. Dann haben Sie gleich ein Auffanggefäß für das Quecksilber. Sie haben eine leere Kunststoff-Tropfflasche Ihrer Augentropfen? Prima: Nicht wegschmeißen, sondern die leere Flasche tüchtig zusammendrücken und dann die Quecksilbertröpfchen aufsaugen. Und jetzt machen Sie das Etikett ab! Nein - nicht später nach der Sportschau! Jetzt! Sofort! Und schreiben drauf, was jetzt drin ist. Sonst tropft sich irgendwer das Quecksilber ins Auge! Steckt das Quecksilber in einer Ritze und Sie kommen nicht heran, so überlegen Sie, ob sie es vielleicht mit einem Borstenpisel herauskratzen können.

Sie müssen das jetzt nicht unbedingt mit einer Pipette machen. Quecksilberkügelchen lassen sich z.B. auch prima zusammenfegen. Weil das Problem eher Puppenstübchendimensionen hat, nehmen Sie keinen Handfeger, sondern auch wieder einen Borstenpinsel. Wenn Sie damit das Quecksilber auf ein Stück Papier "fegen" können, ist das super! Am besten ist es, wenn das Papier vorher längs einmal gefaltet und dann wieder aufgeklappt wird. Man kann es dann nämlich hinterher zu einer Art Rinne zusammenlegen und das Quecksilber in ein Sammelgefäß ausgießen. Halten Sie die "Rinne" an den Enden mit den Händen zu, so lange das Quecksilber an den Enden nicht herauskullern soll. Sie dürfen dabei keine Angst haben. Wenn Sie nämlich Angst haben, dann zittern die Hände und sie machen da gerade so was ähnliches, wie "Quecksilbermikado" zu spielen.

Das Quecksilber wird an den Borsten des Pinsels nicht haften bleiben. Es gibt drei Möglichkeiten:

Konsequent ist nur die Option 1 - jedenfalls, wenn Sie Waschwasser oder gleich den ganzen Pinsel nicht als Sondermüll entsorgen, was Sie tun müssten, wenn das tatsächlich mit Quecksilber belastet ist! Aber ich hätte Verständnis dafür, wenn Sie sich z.B. bei Option 2 hinterher einfach wohler fühlen.

 

Da ist jetzt aber noch ein kleines bisschen übrig - und Sie kriegen das nicht weg! Ist das jetzt schlimm?

Wenn es ein Kinderzimmer ist: Weitermachen!
Jetzt wäre zum Beispiel die Option Mercurisorb zu prüfen. Das ist so eine Art "K2R für Quecksilber": Pulver draufstreuen, einwirken lassen und zusammenkehren - schwupps, weg ist das Quecksilber. Glauben Sie jetzt aber bitte nicht an Hexerei, sondern vertrauen Sie der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass das Quecksilber jetzt in diesem Mercurisorb gebunden ist und sich nicht etwa in "nichts" aufgelöst hat. Sie müssen jetzt also das Mercurisorb als Sondermüll entsorgen. Immerhin ist das Quecksilber darin so gebunden, dass jetzt kein Dampf mehr entwickelt wird.

Mercurisorb ist um einiges teurer als "K2R", weshalb ich Sie ja erst mal mit den - vermutlich außerdem auch schneller herbeischaffbaren Mitteln aus der Apotheke beschäftigt habe. Wenn Sie den Link anklicken, erhalten Sie eine Googel-Trefferliste zum Stichwort "Mercurisorb" und werden feststellen, dass dort neben ratlosen Anfragen in irgendwelchen Quasselforen auch Anbieter von dem Wundermittel auftauchen. Ich habe sogar mal einen Anbieter gefunden, der das Zeug grammweise abgibt, was für Sie als "Nur-ein-einziges-Mal-im-Leben-Thermometer-Runterwerfer" natürlich besonders attraktiv ist. Sie suchen aber bitte selbst nach dem Ihnen am meisten zusagenden Angebot. Sie können das Mercurisorb jedenfalls auch via Internet bestellen, was vielleicht billiger ist, als wenn Sie Ihre Apotheke das für Sie tun lassen. Was am günstigsten für Sie ist, müssen sie selbst herausfinden.

Sie versprechen mir, dass Sie das - egal wie - aufgesammelte Quecksilber nicht einfach in den Müll schmeißen! Quecksilber kann nicht biologisch abgebaut werden. Es bleibt Quecksilber - Immer! Vielleicht ist die Apotheke noch einmal nett zu Ihnen, ansonsten wenden Sie sich an die örtlichen Entsorgungsunternehmen. Bei einer Originalpackung Mercurisorb ist die Entsorgung in der Regel bereits im Kaufpreis mit inbegriffen und Sie brauchen es nach der Verwendung nur an die in der Packung genannte Stelle einzusenden. Beachten Sie, dass ein verwendetes Zinkblech an der Spitze amalgamiert und also ebenfalls quecksilberhaltig ist und deshalb ebenfalls Sondermüll ist.

Und dann versprechen Sie mir noch, dass Sie

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und eifrig lesen! Und dann will ich, dass Sie nie wieder diese Seite anklicken müssen!

 

 

Risikoanalyse eine zerbrochenen Energiesparlampe

Etwas Historie muss sein:

Sie sind Ihr ganzes Leben mit Leuchtstofflampen (Leuchtstoffröhren, falsch auch "Neonröhren" genannt) groß geworden. Diese Leuchtmittel haben zu Iher Zufriedenheit schon immer das Innere von Warenhäusern, Parkgaragen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Kellern - ja selbst den schicken Spiegelschrank in Ihrem Badezimmer, die Wohnzimmervitrine oder das Aquarium angenehm schattenfrei erhellt oder als sog. "Schwarzlicht" in der Disko für die richtige Stimmung gesorgt. Durch technischen Fortschritt kann man diese Leuchtstofflampen nunmehr so klein herstellen, dass man Sie auf den Sockel einer Glühbirne montieren und mit der so erhaltenen Energiesparlampe die Glühbirne ersetzen kann.

Das war bisher in niemandes Augen ein Problem, nur jetzt, wo man den Verbrauchern die lieb gewordene Glühbirne verbietet, treten plötzlich selbst ernannte Experten auf den Plan, die uns als "Lichtbiologen" ungesundes Flackerlicht einreden wollen (was man durch moderne Vorschaltgeräte längst beseitigt hat) oder Farbverfälschungen monieren (Künstler beanstanden das und sie mögen Recht haben. Ich als Altagsnutzer habe das aber noch nie als Problem erlebt.) Insbesondere gibt es daneben dann auch wieder die Hysteriker, die das enthaltene Quecksilber als Teufelszeug brandmarken.

Das Quecksilber ist der eigentliche Lichtspender einer Leuchtstofflampe, also auch jeder Energiesparlampe. Ohne geht es also nicht! Das Quecksilber muss dazu in der Lampe verdampfen, was es bei Erwärmen besser tut als in kaltem Zustand, weshalb Energiesparlampen typischerweise ihre volle Lichtstärke erst nach einiger Zeit erreichen.

Früher, als Ihnen das Quecksilber in den "Neonröhren" noch egal war, enthielten diese bis zu 200 mg Quecksilber, die man zum Beispiel zu "DDR-Zeiten" in den Waggon-Beleuchtungen der Berliner S-Bahn in den Kurven als hin- und her schaukelndes Tröpfchen sehen konnte. Heutzutage dürfen Kompaktleuchtstofflampen nicht mehr als 3,5 mg, ab 1.1.2013 sogar nur noch 2,5 mg enthalten. Moderne Leuchtmittel kommen heute schon mit 1,5 mg aus. Bereits mit 8 maximal zulässig belasteten Fischmalzeiten nehmen Sie mehr Quecksilber auf, als in der zerbrochenen Lampe steckt.

Wenn Sie eine Energiesparlampe zerbrechen, läuft Ihnen das Quecksilber allerdings nicht mit einem Plumps aus dem Glas, sondern es steckt vor allem fein verteilt in dem weißlichen Belag an der Innenseite der Glaswand, der im übrigen dafür zuständig ist, dass die von dem Quecksilber eigentlich erzeugte harte UV-Strahlung beim Betrieb vollständig in ein angenehmes sichtbares Licht umgewandelt wird. Die feine Verteilung des Quecksilbers rührt daher, dass das Quecksilber in der Lampe bereits vielfach verdampft und wieder kondensiert ist. Sie kennen das vom Duschen: Hinterher ist die gesamte Badezimmerwand feucht und das kondensierte Wasser versammelt sich also leider nicht direkt am Bodeneinlauf, um dort mit einem Schrubberschubs bequem entsorgt werden zu können.

Wenn eine Energiesparlampe zerbricht, hat das den Nachteil, das das Quecksilber von der großen Oberfläche recht schnell verdunstet. Auch das kennen Sie vom Badezimmer: Wenn Sie nach dem Duschen das Badezimmer lüften, ist das Wasser viel schneller von der Wand verdunstet, als wenn es eine Pfütze wäre, die auf den Schrubberschubs wartet. Die Sparlampe setzt also sofort nach dem Bruch die am ehesten relevante Menge an Quecksilber frei - und hat danach nicht mehr viel zu bieten. In diese Richtung weisen auch Messungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, wobei unter unterschiedlichen Bedingungen Energiesparlampen im einem 50 m3 großen Raum zerbrochen und der Quecksilbergehalt über etwa 100 Stunden hinweg beobachtet wurde. Wenn Sie also das nach dem Bruch freigesetzte Quecksilber gleich weglüften, dürfte schon wieder weitgehend Ruhe im Karton sein.

Weil die Leute vor dem Quecksilber Angst haben, schreiben die Hersteller von Sparlampen immer deutlicher auf die Packungen, dass in der Lampe gar kein Quecksilber mehr drin ist, sondern ein Amalgam - also eine Quecksilberlegierung. Das ist eine Mischung von Quecksilber mit anderen Metallen. In der Tat hat das Vorteile: Das Amalgam ist nicht mehr flüssig, sondern ein kleines, festes Kügelchen. Wenn die neue Lampe beim Schütteln klappert, ist das vermutlich das Amalgamkügelchen und es ist also nichts kaputt. Wenn dick "Kein Quecksilber, sondern bloß Amalgam" auf der Packung steht und es klappert nicht, dann haben Sie die Lampe nicht von einem Betrüger gekauft, sondern das Amalgamkügelchen steckt in einem kleinen Käfig und kann nicht mehr klappern. Geht so eine Amalgam-Lampe kaputt, kann es kein freies Quecksilber in der Lampe geben, sondern nur den weißen Belag, auf dem Quecksilber adsorbiert ist und die Amalgamkugel. Selbst wenn die Amalgamkugel in den Staubsauger gerät: Das Quecksilber ist dort immobilisiert und kann sich nicht in Ritzen verkriechen, oder Metallteile Ihres Staubsaugers durch Amalgamierung verseuchen. Die Amalgamkugel emittiert zwar noch Quecksilberdampf, den der Staubsauger hinten rauspustet, aber sobald Sie den Staubbeutel gewechselt haben, ist die Kugel weg und alles ist rückstandsfrei wie vorher. Wenn Sie sich für Details interessieren, können Sie sich eine Beschreibung inklusive Bild vom Innenleben einer Leuchtstoffröhre ansehen.

"Amalgam" kennen Sie als Zahnfüllung. Das zeigt, dass Amalgame so harmlos sein können, dass man sie sogar dauerhaft im Mund haben kann. Nicht jedes Amalgam ist aber dasselbe. Ihre Zahnfüllung soll zum Beispiel gar keinen Quecksilberdampf entwickeln, die Amalgamkugel in der Leuchtstofflampe hingegen sehr wohl. Nach den Messungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit scheint es aber so zu sein, dass eine Sparlampe mit Amalgam bei einem Bruch weniger Quecksilber freisetzt als eine Sparlampe mit reinem Quecksilber.

Es gibt Leuchtstofflampen, in denen die Glaskörper in bruchfesten Gehäusen aus durchsichtigem Kunststoff stecken. Die ausgewiesene Energieeffizienz scheint dann zwar oft etwas geringer zu sein - vielleicht, weil man dann nicht so viel Raum für die Glasröhren hat, in den sie ihr Licht abstrahlen können - aber es bestehen gute Chancen, dass diese Lampen sowohl die etwas zu forsche Hand beim Einschrauben oder -stecken wie auch einen Sturz heil, oder wenigstens ohne Quecksilberfreisetzung überstehen.

 

 

Ihnen ist eine Energiesparlampe zerbrochen?

Das Umweltbundesamt rät bei dem Bruch einer Energiesparlampe in einer Verbraucherinformation dazu, sofort zu lüften, um die Quecksilberkonzentration wieder zu drücken, die Scherben unter fortdauernder Lüftung in etwas verschließbarem zu sammeln und Reste auf Decken, Teppichen etc. vorrangig mit Klebeband aufzunehmen und also nicht gleich zu saugen, weil die aufgesaugten Krümel im Staubsaugerbeutel ja weiterhin Quecksilber abdunsten, welches Sie dann mit Ihrem Staubsauger durch die Wohnung blasen.

Das sind gute Vorschläge, die Sie aber bitte jetzt nicht ängstigen, sondern zu einem ruhigen und beherzten Anpacken ermuntern sollten. Denken Sie bei der Beseitigung an etwas schönes, z.B. ob Sie nicht mal wieder ins Kino gehen sollten! Die Stiftung Warentest propagiert inzwischen schon das einfache Aufsaugen - also ohne zuvor mit Klebeband tätig zu werden. Nur den Staubbeutel sollen Sie nach deren Empfehlungen hinterher gleich wechseln.

Wenn Sie das zum Einsammeln der Scherben empfohlene dicht verschließbare Glas nicht zur Hand haben, rennen Sie nicht verzweifelt in den nächsten Lebensmittelladen um ein schönes Glas Nutella zu kaufen, nur um diese überaus leckere Masse sogleich wegzuwerfen, weil Sie ja nur das Glas haben wollten. Nehmen Sie stattdessen zum Beispiel eine Plastiktüte, die Sie anschließend verknoten oder - noch besser - einen Beutel mit Clipverschluss. Ersetzen Sie auch Handfeger und Müllschaufel durch etwas, was Sie hinterher entsorgen können, also zum Beispiel durch ein größeres und ein kleineres Stück Zeichenkarton.

Wenn Sie planmäßig vorhaben, eine Quecksilbersparlampe zu zerbrechen, können Sie sich zum Beseitigen der Scherben sogar schon im Vorfeld ein fertiges Set zum Entsorgen besorgen. Wenn Ihnen das Malheur aber schon passiert ist, werden Sie das nicht erst bestellen und den Raum solange absperren wollen, aber Sie können sich anhand des Videos, welches Sie sich beim Anbieter ansehen können, gut inspirieren lassen, wie Sie sich auch mit spontan aus Ihrer Wohnung zusammengesuchten Materialien behelfen können. Beachten Sie unbedingt, mit welch vorbildlicher Gelassenheit die Dame im Video tätig wird!

 

 

Was ist der Unterschied zwischen Menschen und Regenwürmern beim Umgang mit Quecksilber?

Quecksilber wird auch im Boden oder in Gewässern allmählich zu löslichen Quecksilberverbindungen umgesetzt, die sich dann im Boden oder im Wasser verteilen. Nicht nur Regenwürmer sterben davon, sondern es gibt wohl kaum einen biologischen Organismus, der Quecksilber beliebig vertragen kann. Wenn Ihnen ein Thermometer oder eine Sparlampe zerbricht, schwimmen Sie nicht zusammen mit dem Quecksilber im gleichen Wasser oder krabbeln in der gleichen Erde, sondern Sie stehen in ausreichendem Abstand daneben oder haben sogar schon alles weggelüftet, was dem armen Regenwurm leider versagt bleibt. Deswegen hat der Regenwurm ziemliche Probleme, Sie aber nicht! Was also für Sie in der Wohnung gefahrlos handhabbar ist, ist in die Umwelt verbracht ein teuflisches Dauerproblem, denn Quecksilber bleibt immer Quecksilber - es kann nicht zu etwas harmlosen abgebaut werden.

Gewiss: Wenn nur Sie und nur ein Mal eine kaputte oder ganze Leuchtstofflampe mit dem Hausmüll wegwerfen, wird von den 1,5 mg Quecksilber nicht gleich der ganze Landkreis für Regenwürmer unbewohnbar. Wenn aber alle 80 Millionen Einwohner Deutschlands pro Jahr ein mal eine Quecksilberlampe in den Hausmüll werfen, landen 120 kg Quecksilber pro Jahr in der Umwelt. Die Regenwürmer wollen das nicht! Wollen Sie das? -

Na, sehen Sie ...

Gebrauchte Leuchtstofflampen und Fieberthermomter müssen Sie also Sondermüll entsorgen und dürfen Sie nicht in den Hausmüll geben. Das gilt auch für Scherben, die sich jetzt in Tüten oder Nutella-Gläsern befinden. Um das Quecksilber aus alten Energiesparlampen herauszuholen, werden diese übrigens mit voller Absicht kurz und klein geschlagen, worauf durch Sieben oder Auswaschen dieser weißliche Belag separiert wird, der das Quecksilber enthält. Das Quecksilber wird durch Erhitzen ausgetrieben und aufgefangen. Chemiker nennen das "destillieren".

 

 

Kann heißer Quecksilberdampf aus einer Energiesparlampe an einer Tapete kondensieren?

Also gut, wir erinnern uns noch einmal an Ihr Badezimmer: Wenn Sie so richtig schön warm duschen, so dass sich der Raum aufwärmt, werden die Badezimmerwände nass, weil die warme Luft "mit Wasser gesättigt ist", die Wand aber kalt bleibt und das Wasser deshalb aus der sich dort abkühlenden Luft kondensiert. Wenn Sie 1,5 mg Wasserdampf... - na gut, damit es nicht zu albern klingt: Sie bekommen ein ganzes Glas voll kochendes Wasser und sollen erreichen, dass auch damit Wasser an der Wand kondensiert. Sie werden das nicht schaffen - auch wenn sie das Wasser zur besseren Verteilung teelöffelweise in die Luft werfen - es ist einfach zu wenig!

Wie Sie schon wissen: Das Umweltbundesamt hat nach einem Lampenbruch eine Raumluftbelastung mit Quecksilberdampf in Höhe von 0,35 µg/m3 detektiert. Wie Sie auch schon wissen, beträgt die Sättigungskonzentration 14 mg/m3, das sind 14000 µg/m3. Wenn Sie also 14000 µg / 0,35 µg = 40000 Energiesparlampen zerschlagen, wäre die Raumluft mit Quecksilber gesättigt und Sie müssten anfangen, sich um Ihre Tapeten Sorgen zu machen. Nehmen wir an, Sie hätten das mit den 40000 Lampen geschafft. Genauso, wie Sie Ihre Badezimmerwände nach dem Duschen durch Lüften schnell wieder trocken kriegen, wäre ganz analog auch das Tapetenquecksilber aufgrund der starken Verteilung durch kurzes Lüften wieder eliminierbar.

 

 

Andere Anbieter

Weil es immer weniger Glühbirnen und deshalb immer mehr Menschen mit Angst vor Sparlampen gibt, gibt es immer mehr Anbieter, die im Prinzip in gleicher Weise argumentieren, wie Sie es hier auf dieser Seite lesen können. Ohne Anspruch auf korrekte Rangfolge und Vollständigkeit:

 

Quecksilber und das übrige Leben

Im Jahr 2010 hat es in Deutschland 374.818 im Straßenverkehr verunglückte Personen gegeben. Darunter befanden sich 3648 Todesopfer. Wie hoch schätzen Sie die Anzahl der Opfer durch Fieberthermometer oder Energiesparlampen? Ich schätze auch mal, nämlich NULL!

Es steckt in der Natur des Menschen, Gefahren, die einem täglich sichtbar begegnen zu bagatellisieren ("mir passiert schon nichts", "das Risiko kann ich kontrollieren") und Gefahren, deren Hintergründe man nicht oder nicht ausreichend versteht, zu überschätzen. Ich wünsche mir einen Chemieunterricht an der Schule, der (mehr) Kompetenz bei der Einschätzung durch Chemikalien verursachter Gefahren vermittelt. Statistiker sagen Rauchern eine um 5 bis 10 Jahre verkürzte Lebenszeit voraus. Ein Raucher, der Angst vor einer (zerbrochenen) Energiesparlampe hat, leidet unter Realitätsverlust! Darunter können auch Nichtraucher leiden, weil Angst ein Bauchgefühl ist. Dagegen muss man mit Verstand, also mit dem Kopf ankämpfen.

 

Quecksilberkuriositäten

 




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T.Lehmann | Letzte Aktualisierung: 28.02.2013| Links