Zu Hause freigesetztes Quecksilber
Sie finden hier Hinweise zu folgenden Problemen:
- Zur Änderung der Lebenserwartung nach häuslicher Quecksilberfreisetzung
- Sofortmaßnahmen
- Giftwirkung des Quecksilbers
- Daten zur Gefährdung durch Quecksilber
- Das Freisetzungspotential des Quecksilbers nach Thermometer oder Leuchtmittelbruch
- Ubiquitäre Quecksilberbelastung
- Ihnen Ist ein Quecksilberthermometer zerbrochen?
- Risikoanalyse einer zerbrochenen Energiesparlampe
- Ihnen ist eine Energiesparlampe zerbrochen?
- Was ist der Unterschied zwischen Menschen und Regenwürmern beim Umgang mit Quecksilber?
- Kann heißer Quecksilberdampf aus einer Energiesparlampe an einer Tapete kondensieren?
- Andere Anbieter
- Quecksilber und das übrige Leben
- Quecksilberkuriositäten
Zur Änderung der Lebenserwartung nach häuslicher Quecksilberfreisetzung
Ich bin weder Verbraucherzentrale noch Giftnotrufersatz, sondern Praktikumsleiter, der sich um die Beseitigung von Quecksilber auf Labortischen und nicht aus Holzdielenritzen einer Altbauwohnung zu kümmern hat. Ich kann insbesondere keine Ferndiagnosen über die aktuelle Gefährdung machen, selbst wenn mir Farbe und Schlingenfloordicke des Teppichs genauestens berichtet werden.
Weil nun aber alle hartnäckigen Batterie-Fieberthermometer-Verweigerer und Leuchtstofflampenscherbenbesitzer sich immer wieder zu mir hindurchgoogeln, hier aus meiner Sicht die nachfolgenden Hinweise:
- Sie fallen nicht gleich tot um, bloss weil ein paar Kügelchen Quecksilber oder Leuchtstofflampensplitter verstreut auf dem Boden liegen. Wenn Sie auch andere Seiten gegoogelt und dabei Bilder oder sogar Filmchen gesehen haben, bei denen winzige Mengen verschütteten Quecksilbers unter dem Schutz einer Atemschutzmaske (Volksmund: "Gasmaske") beseitigt wurden, so betrachten Sie das bitte als dramaturgische Angstmache, mit der nur die Bereitschaft zum Kauf bestimmter Produkte gefördert werden soll. Glauben Sie keinen geltungssüchtigen Hysterikern, die Ihnen weismachen wollen, dass "jährlich eine Milliarde Menschen" durch Quecksilber(amalgam) "umgebracht" werden oder dass das Glühlampenverbot zugunsten von Sparlampen nur auf einen gigantischen menschenverachtenden Bonzenkomplott von gewinnsüchtigen Großkonzernen zurückzuführen sei.
- Eine akute - und also kurzzeitige - Quecksilberexposition ist unter den Bedigungen eines in der Wohnung zerbrochenen Thermometers oder einer Energiesparlampe harmlos. Auch das Bundesgesundheitsamt sieht keine Gefährdungen durch akute sondern nur durch chronische - also dauernde Expositionen. Auch wenn das Malheuer dicht vor der Nase Ihres Kleinkindes passiert ist, ist das also kein Problem, obwohl Kinder empfindlicher auf Quecksilberbelastungen reagieren als Erwachsene. Nur wenn Ihr Kind die nächsten Monate mit den silbrigen Kügelchen spielen darf, wird es Schaden nehmen. In der Gestis Stoffdatenbank können Sie nachlesen, dass auf der ganzen Welt bisher nur etwa 10 Fälle einer akuten tötlichen Quecksilbervergiftung bekannt geworden sind. Die Opfer waren Leute, die in quecksilberhaltigen Tanks herumgekrabbelt sind oder unter ungünstigen Bedingungen neben heißem Quecksilber gestanden haben.
Sofortmaßnahmen
- Bringen Sie sofort Kinder außer Reichweite. Und wenn Sie nett zu Ihren Haustieren sein wollen, dann sollten die jetzt auch mal von der Unglücksstelle verschwinden. "Sofort" bedeutet nicht, dass das so passieren muss, als würde gleich eine Granate in Ihrem Haus einschlagen und sie müssten sich mit einem Hechtsprung hinters Bett werfen. Sie sollen halt nur nicht ratlos und jammernd um das Malheur herumstehen, sondern beherzt zur Tat schreiten! Verängstigen Sie also nicht Ihre Kinder, indem Sie "Sofort alle rrrrrrrrrrausssssss!!!" brüllen, sondern sagen Sie so nett wie sonst auch z.B. "Kommt, Kinder, wir gehen jetzt mal in die Küche. Dort kriegt ihr einen leckeren Joghurt und ich mache so lange die doofen Scherben weg."
- In der Zeit, in der die Kinder sich über den Joghurt freuen, lüften Sie als erstes die Örtlichkeit, um gebildete Quecksilberdämpfe zu vertreiben. Wenn Sie dann erst mal noch keinen Plan haben, wie es weitergehen soll, können Sie die weitere Dampfentwicklung bedeutend reduzieren, wenn Sie erst mal etwas über das Malheur drüberstülpen: Einen Teller, eine Schachtel - was immer sie finden. Es muss kein alter Teller sein, denn normal abgewaschen taugt er hinterher wieder genauso gut für Ihre Brötchen. Je luftdichter Ihre Abdeckung, umso besser. Nehmen Sie nichts metallisches zum Abdecken, denn damit kann das Quecksilber möglicherweise Legierungen bilden. "Amalgamieren" nennt man das. Nicht alle Legierungen müssen gesundheitsschädlich sein. Denken Sie zum Beispiel an die Amalgamfüllungen in Ihren Zähnen, denen Sie - egal wo Sie sich befinden - 24 Stunden pro Tag ausgesetzt sind. Allerdings bildet das Quecksilber keineswegs in jedem Fall spontan ein Amalgam und wird zum Beispiel im Fissler-Kochtopf oder im WMF-Löffel dem Anschein nach genauso gelangweilt herumrollen, wie in einer Glasschale. Weil ich aber nicht weiß, ob sich dabei vielleicht nicht doch ein paar Quecksilberatome in den Edelstahl hinein verirren, rate ich Ihnen dennoch, den Kontakt auf jeden Fall zu meiden.
Giftwirkung des Quecksilbers
- Gefährlich sind die Dämpfe. Es gibt Leute, die behaupten, man könne Quecksilber sogar essen. Das lassen Sie aber doch lieber bleiben. Die Dämpfe sind knapp 7-fach schwerer als Luft. Könnten Sie die Dämpfe sehen, so würden Sie bemerken, dass sie am Boden entlang kriechen und nur dann weiter nach oben in Nasennähe gelangen, wenn Sie dauernd aufgeregt um die betreffende Stelle herumrennen und den Dampf dabei aufwirbeln.
- Das Ausmaß der Dampfentwicklung hängt von der Temperatur ab. Je wärmer, umso mehr - genau, wie bei Wasser auch! Quecksilber auf der Heizung ist also problematischer, als Quecksilber auf dem "normal" warmen Fußboden.
- Das Problematische am Quecksilber ist, dass aufgenommene Mengen nur sehr langsam wieder aus dem Körper ausgeschieden werden. Tun Sie also nichts, und schlafen vielmehr immer wieder mit der Nase dicht neben den Kügelchen oder Scherben, dann nehmen Sie Tag für Tag langsam das Quecksilber auf und mit der Zeit haben Sie davon immer mehr im Körper.
- Quecksilber ist ein Nervengift. Es führt nach langem Leiden, bei dem die Psyche stark verändert wird, zum Tod, was Sie ja aber jetzt nicht mehr beunruhigt, weil Sie ja schon wissen, dass das erst passiert, wenn Sie sich entweder einen Quecksilbertank ins Wohnzimmer stellen und darin herumkrabbeln oder wenn Sie sich eine Tasse voll Quecksilber längere Zeit als lustiges Schauobjekt in die Vitrine stellen.
Daten zur Gefährdung durch Quecksilber
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Wie für alle kommerziell erhältlichen Substanzen, so gibt es auch für Quecksilber ein sogenanntes Sicherheitsdatenblatt. Es handelt sich dabei um eine genormte Pflichtinformation des Herstellers zum Gefahrenpotential und zu den Schutzmaßnahmen. Wenn Sie das Sicherheitsdatenblatt von Quecksilber lesen, werden Sie wahrscheinlich glauben, dass Sie gerade die Hölle in Ihrer Wohnung haben. Wahrscheinlich haben ja auch die o.g. Hysteriker das Sicherheitsdatenblatt gelesen und kommen sich nun mit ihrem Geschrei als Retter der Menschheit vor.
Ich bin nicht der Chemiker, der in einem stinkenden und brodelnden Höllenkeller werkelt und niemanden für voll nimmt, der nicht mindestens drei Finger durch Schwefelsäure oder anderes Teufelszeug verloren hat, sondern es ist so, dass die Verfasser von Sicherheitsdatenblättern vor allem die gewerbliche Nutzung, also die Nutzung von Tonnen im Auge haben. Ihr Problem besteht hingegen in ein paar Milligramm, die Sie ja nun auch noch so schnell wie möglich wieder loswerden wollen!
Sie zweifeln?
OK, ein Test: Lesen Sie das folgende Sicherheitsdatenblatt und beantworten Sie die Frage, ob sie es tolerieren würden, diese Substanz in Ihrem Haushalt zu haben. Der Substanzname ist unkenntlich gemacht. Dafür sind die "gefährlichen Stellen" bereits farblich hervorgehoben. Hier ist die Auflösung.Wenn Sie es nicht lassen können und also doch das Sicherheitsdatenblatt für Quecksilber lesen müssen, sollten Sie wenigstens ein bisschen verstehen, was dort drinsteht. Dazu ein paar exemplarische Hilfen:
- Die "spezifische Zielorgantoxizität" ist die etwas monströs klingende amtschinesische Formulierung dafür, dass die dauernde Aufnahme bestimmte Organe schädigt. Im Falle des Quecksilbers ist das, wie schon gesagt, das Nervensystem.
- Die Angabe "P309+P310 BEI Exposition oder Unwohlsein: Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt" gilt, wenn Sie wirklich etwas abbekommen, also z.B. 1000 Fieberthermometer gleichzeitig zerbrochen haben.
- "P304+P340 BEI EINATMEN: An die frische Luft und in einer Position ruhigstellen, die das Atmen erleichtert." bedeutet, dass das notwendig wird, wenn Sie wirklich Atembeschwerden durch das Quecksilber bekommen und also nicht, wenn Sie gerade vor Angst einen Kloß im Hals haben.
- "Handschuhe aus Nitrilkautschuk" müssen Sie dann tragen, wenn Sie gewerbsmäßig mit Quecksilber umgehen und diesem den ganzen Arbeitstag ausgesetzt sind. Quecksilber ist durch die Haut nur schlecht resorbierbar und außerdem mag das Quecksilber Ihre Haut überhaupt nicht: Es igelt sich als Kugel ein und versucht, so wenig Kontaktfläche mit Ihrer Haut zu haben, wie nur irgend möglich. Wenn Ihnen also etwas Quecksilber über die Hand rollt, macht das überhaupt nichts! Es sollte nur nicht in die Bekleidung gelangen, wo es viele Falten, Taschen, Kragen, Innenfutter und ähnliche Verstecke findet, in denen es hartnäckig persistieren kann.
Dem Sicherheitsdatenblatt können Sie immerhin u.a. den Dampfdruck des Quecksilbers entnehmen. Er beträgt bei 20 °C 0,0017 hPa. Das bedeutet, dass in einer mit Quecksilberdampf maximal gesättigten Luft das Quecksilber genau diesen Beitrag zum aktuellen Luftdruck liefert. Der atmosphärische Luftdruck beträgt etwa 1000 hPa. Bei 20 °C mit Quecksilber gesättigte Luft enthält also 0,0017/1000 = 0,00017 % Quecksilber. So kleine Werte gibt man gern lieber in parts per million an. das wären also 1,7 ppm oder umgerechnet 14 mg/m3. Der Dampfdruck steigt mit zunehmender Temperatur. Bei Wasser sagt man es gern anders herum - und eigentlich falsch: "Die warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen." Aber in Wirklichkeit ist hier wie dort einfach nur der Dampfdruck höher.
- Für Quecksilber existieren diverse Grenzwerte. Die Einhaltung dieser Grenzwerte bedeutet, dass dann nach derzeitigem Erkenntnisstand
nicht mit einem Risiko zu rechnen ist. Quecksilber ist ein der Menschheit schon lange bekannter Stoff, weshalb im Falles des Quecksilbers auch der
Erkenntnisstand gut ist. Es gilt die Feststellung von Parazelsius: "Es ist die Menge, die aus einem Ding ein Gift macht." Es ist also nicht
so, dass schon das erste inhalierte Quecksilberatom schon ein kleines bisschen giftig ist, sondern so, dass der Körper mit einer gewissen
Menge problemlos fertig wird. Erst wenn es mehr ist, kann er sich nicht mehr erfolgreich wehren.
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Arbeitsplatzgrenzwert
Der Name sagt schon, dass dieser Wert für den Arbeitsplatz gilt. Die Risikofreiheit gilt also für eine nur 8-stündige Exposition täglich und stellt in Rechnung, dass es auch mal einen Urlaub als belastungsfreie Phase gibt. Der Arbeitsplatzgrenzwert beträgt bei Quecksilber zur Zeit 0,02 mg/m3 Atemluft. Aktuelle Grenzwerte können Sie in der TRGS 900 nachlesen. Der Luftgrenzwert am Arbeitsplatz hieß früher mal MAK-Wert (=Maximale Arbeitsplatzkonzentration). -
Biologischer Grenzwert
Quecksilber gehöhrt zu den wenigen Stoffen, für die ein "Biologischer Grenzwert" definiert ist. Das ist ein amts-chinesischer Fachbegriff und besagt, dass die Giftkonzentration im menschlichen Körper selbst gemessen wird - üblicherweise im Blut oder im Urin. Wird bei der Messung der "Biologische Grenzwert" unterschritten, so geht man davon aus, dass kein Risiko besteht. Das bedeutet zweierlei:1. Sie können dauerhaft eine kleine messbare Menge Quecksilber im Körper haben, ohne dass dies für Sie ein Krankheitsrisiko darstellt.
2. Sie können Ihre eigene persönliche Quecksilberbelastung direkt durch Bestimmung Ihres aktuellen "Biologischen Wertes" überprüfen lassen.
Aktuelle Biologische Grenzwerte finden Sie in der TRGS 903.
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Richtwerte des Umweltbundesamtes
Weil im letzten Jahrhundert noch sehr viele Leute Quecksilberthermometer heruntergeworfen haben, hat das Umweltbundesamt 1999 Richtwerte für den häuslichen Innenraumbereich verfügt. Es gibt 2 Richtwerte:- RW I: 0,035 µg/m3 Wird dieser Wert eingehalten, geht man von der Risikofreiheit aus.
- RW II: 0,35 µg/m3 Wenn Sie genau hinsehen: Der RW II-Wert ist nichts weiter als das 10fache des RW I-Wertes. Konzentrationen in diesem Bereich werden als Grauzone angesehen.
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Was bedeuten alle diese Grenzwerte?
Die Werte sind als einzuhaltende Dauerbelastung zu verstehen. Die gegenwärtige Hysterie hat ihre Ursache vor allem darin, dass irgendwer z.B. feststellt, dass nach Sparlampenbruch irgendein Grenzwert überschritten wird. Ungeschulte fühlen sich dann regelmäßig sofort akut vergiftet und es fällt ihnen schwer zu glauben, dass eine kurzzeitige Überschreitung des Grenzwertes belanglos ist und das Problem erst dann zum Problem wird, wenn es persistiert und die Konzentration dauerhaft so hoch bleibt.Stellen Sie sich vor, dass Sie zwischen zwei parkenden Autos gerade die Straße überqueren wollen. In dem Augenblick, in dem Sie sich zwischen den beiden Autos befinden, wird im vorderen Auto der Motor gestartet. Sie bekommen eine stinkende Auspuffwolke in die Nase, die so viel Kohlenmonoxid und nicht besonders gesunde Kohlenwasserstoffe enthält, dass Sie ziemlich schnell sterben würden, wenn Sie das dauerhaft einatmen müssten. In der Regel haben Sie sich aber vermutlich bisher nur über den lästigen Mief geärgert und sind weitergelaufen - und haben dabei wieder normale Luft geatmet, was Ihnen das Leben gerettet hat. Bei Quecksilberdämpfen ist das Problem nicht anders!
Beim Arbeitsplatzgrenzwert sind die Dinge übrigens ganz genau definiert. In der TRGS 900 heisst es: "Arbeitsplatzgrenzwerte sind Schichtmittelwerte bei in der Regel täglich achtstündiger Exposition an 5 Tagen pro Woche während der Lebensarbeitszeit." Zusätzlich darf aber eine bestimmte Expositionsspitze zu keiner Zeit überschritten werden. Es wäre ja schließlich keiner glücklich, der morgens erst mal ein paar tiefe Atemzüge Quecksilber zu inhalieren hätte gegen das Versprechen, für den Rest des Tages nichts mehr inhalieren zu müssen. Die Expositionsspitzen sind stets vielfache des Arbeitsplatzgrenzwerts und betragen bei Quecksilber derzeit das 8-fache des Arbeitsplatzgrenzwerts, also 0,16 mg/m3. Eine höhere Quecksilberkonzentration darf also zu keinem Zeitpunkt in die Nase.
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Arbeitsplatzgrenzwert
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Wenn sich flüssiges Quecksilber bei Raumtemperatur vollständig mit Raumluft äquilibrieren kann, wird entsprechend den genannten Zahlen der RW I-Wert um das 400.000-fache überschriten, der Arbeitsplatzgrenzwert immer noch um das 700-fache. Sie merken davon leider nichts, weil Quecksilberdampf geruchlos ist. ... Oha, jetzt haben Sie es wieder mit der Angst bekommen - stimmt's? dagegen hilft, noch ein kleines bisschen mehr zu rechnen:
Das Freisetzungspotential des Quecksilbers nach Thermometer oder Leuchtmittelbruch
Das Umweltbundesamt hat in einer ersten orientierenden Messung unmitelbar nach dem Bruch einer Energiesparlampe eine gegenüber dem Richtwert RW II von 0,35 µg/m3 um den Faktor 20 erhöhte Raumluftbelastung detektiert, die sich nach dem Lüften aber rasch wieder normalisiert. Sie wissen schon, dass diese kurze Überschreitung weder Ihnen noch Ihrem Kind etwas anhaben kann.
Eine Energiesparlampe kommt schon heute mit etwa 1,5 mg Quecksilber aus und darf ab 1.1.2013 auch nicht mehr als 2,5 mg Quecksilber enthalten. Nehmen wir an, nach einem Lampenbruch bleibt eine gesetzliche Höchstmenge von 2,5 mg Quecksilber unentdeckt und also auch unbeseitigt, so dass es mit der Raumluft äquilibrieren kann. Wäre das Quecksilber ein einziges Töpfchen, so hätte dies einen Durchmesser von 0,7 mm. Nehmen wir an, das Unglück wäre in einem Zimmer mit einer Fläche von 2,5 x 4 Metern und einer Deckenhöhe von 2,70 Metern passiert. Dieses Zimmer hätte ein Volumen von 27 m3. Nehmen wir schließlich an, das Kügelchen würde schlagartig verdunsten und wir würden dem Dampf mit einem Ventilator gleichmäßigst im Raum verteilen. Die erreichte Atemluftkonzentration wäre dann 0,09 mg/m3, also immer noch um den Faktor 2600 höher als der RW I-Wert. Daraus folgt zweierlei:
- Um diesen Raum mit Quecksilberdampf zu sättigen, müssten Sie 155 Sparlampen zerbrechen und über die Scherben hinwegsehen.
- Wäre es so, dass sich das Kügelchen tatsächlich in dieser Weise verhielte, wäre das Problem sehr schnell lösbar: Sie öffnen einfach das Fenster - und weg ist der Spuk.
Der Quecksilbertropfen verdunstet ja aber eben gerade nicht schlagartig! Er blinzelt Sie vielmehr morgen auch noch mit seinem 0,7 mm Durchmesser an, auch übermorgen und in einer Woche. Das ist es ja gerade was Sie so besorgt macht: Er verschwindet eigentlich irgendwie gar nicht! Dabei bedeutet gerade das, dass so ein armes kleines Tröpfchen eben ganz und gar nicht in der Lage ist, ad hoc hohe Konzentrationen zu erzeugen. Und was das kleine Tröpfchen dann doch noch mühsam an Dampf hervorbringt, lüften Sie ja gemeinerweise täglich wieder weg!
Wir stellen jetzt mal an dieses doofe Kügelchen die Forderung, dass es ja meinetwegen verdunsten könne, aber bitteschön so langsam, dass täglich nur so viel Quecksilberdampf entwickelt wird, dass der RW I-Wert eingehalten bleibt. Der Kuhhandel besteht darin, dass Sie ein Mal täglich lüften und das Kügelchen dann wieder das zugestandene Quentchen von seinen Gemeinheiten in die Raumluft abgeben darf. In diesem Fall würde das Kügelchen Sie 7 Jahre lang ärgern können, bis es vollständig verdunstet ist.
Das ist ganz schön lange, aber es gilt folgende Relation: Nur wenn das Kügelchen offenen Zugang zur Raumluft hat, wird es schneller verdunsten können. Dann ist es aber sehr wahrscheinlich, dass es sich nicht vor Ihnen verbergen kann. Sie werden es sehen und weg machen. Versteckt es sich hingegen tief in einer Ritze ist der Luftaustausch schlecht, und es wird nur ganz langsam verdunsten. Sie kennen das von Ihrer Wäsche: Sie hängen sie zum Trocknen auf eine Leine, damit sie gut von Luft umspült wird. Sie würden nie auf die Idee kommen, sie zum Trocknen in eine Ritze oder in eine Schublade zu stopfen. Wenn Sie dem Kügelchen erlauben wollen, Konzentrationen bis zum RW II-Grauzonenwert aufzubauen, schrumpft die angegebene Zeitspanne überdies auf ein Zehntel, also knapp 8 Monate.
Ubiquitäre Quecksilberbelastung
Quecksilber nehmen Sie auf vielfältige andere Arten auf:- Insbesondere durch ihre Amalgam-Zahnfüllungen, vor allem, wenn sie sehr alt sind oder vom Zahnarzt ausgebohrt werden,
- und durch Fischverzehr
Speisefisch darf 1 mg Quecksilber pro Kilogramm enthalten, die 200-g-Fischmahlzeit also 0,2 mg. Wenn Sie das tun was Ernährungssachverständige empfehlen, nämlich ein Mal pro Woche Fisch zu essen, wäre es theoretisch denkbar, dass sie 52 0,2-mg-Dosen, also 10,4 mg Quecksilber pro Jahr verzehren. Das ist deutlich mehr als das gerade eben diskutierte 0,7-mm-Quecksilbertröpfchen. Natürlich wird es in Wirklichkeit viel weniger sein, weil natürlich nicht jeder Fisch bis zur Kante belastet ist. Die ganze Rechnerei diente ja aber nur dem Zweck herauszubekommen, an welchen Stellen man welche Belastungen für akzeptabel hält. Der Vergleich hinkt formal ein wenig, weil im Fisch das Quecksilber chemisch gebunden ist - allerdings wandelt auch der menschliche Körper das Quecksilber in giftige Verbindungen um.
Quecksilberverbindungen werden überdies medizinisch zur Wund-Desinfektion oder zur Konservierung von Arzneien (z.B. Augentropfen) verwendet. Darüber hinaus gibt es auch eine natürliche atmosphärische Quecksilberbelastung, die in Ballungsgebieten höher ist als auf dem Land. Sie sollten jetzt der Versuchung wiederstehen, das alles dann ja noch für viel schlimmer zu halten, weil Sie nun nicht nur durch die jetzt gerade auf Ihrem Fußboden befindlichen silbrig blitzenden kleinen Kügelchen, sondern auch noch durch Zahnfüllungen, Nahrungsmittel und Medikamente täglich ein bisschen mehr vergiftet werden. Es ist vielmehr umgekehrt so, dass Sie auch im täglichen Leben einer gewissen Quecksilberbelastung ausgesetzt sind, die Sie bisher nie nachteilig empfunden oder bemerkt haben, weil - siehe oben - der Körper mit so einer kleinen Giftmenge folgenlos fertig wird.
Ihnen Ist ein Quecksilberthermometer zerbrochen?
Vielleicht haben Sie schon meine Tipps gelesen, die ich für die Beseitigung im Labor gemacht habe und dabei überlegt, wie man das zu Hause bewerkstelligen könnte. Für Ihr Problem ist das aber nicht das richtige, denn was wollen Sie hinterher mit dem Zinkblech anstellen? Beachten Sie, dass quecksilberhaltige Abfälle nicht in den Hausmüll gegeben werden dürfen und Ihre örtliche Sonderabfallsammelstelle die Gebühren nach dem Gewicht des Abfalls berechnet!
Helfer in der Not könnte die Apotheke sein, die Ihnen vielleicht mit einer Pipette dienlich sein kann. Vielleicht handelt es sich bei der Apotheken-Pipette sogar um eine Tropfflasche mit einer Pipette. Dann haben Sie gleich ein Auffanggefäß für das Quecksilber. Sie haben eine leere Kunststoff-Tropfflasche Ihrer Augentropfen? Prima: Nicht wegschmeißen, sondern die leere Flasche tüchtig zusammendrücken und dann die Quecksilbertröpfchen aufsaugen. Und jetzt machen Sie das Etikett ab! Nein - nicht später nach der Sportschau! Jetzt! Sofort! Und schreiben drauf, was jetzt drin ist. Sonst tropft sich irgendwer das Quecksilber ins Auge! Steckt das Quecksilber in einer Ritze und Sie kommen nicht heran, so überlegen Sie, ob sie es vielleicht mit einem Borstenpisel herauskratzen können.
Sie müssen das jetzt nicht unbedingt mit einer Pipette machen. Quecksilberkügelchen lassen sich z.B. auch prima zusammenfegen. Weil das Problem eher Puppenstübchendimensionen hat, nehmen Sie keinen Handfeger, sondern auch wieder einen Borstenpinsel. Wenn Sie damit das Quecksilber auf ein Stück Papier "fegen" können, ist das super! Am besten ist es, wenn das Papier vorher längs einmal gefaltet und dann wieder aufgeklappt wird. Man kann es dann nämlich hinterher zu einer Art Rinne zusammenlegen und das Quecksilber in ein Sammelgefäß ausgießen. Halten Sie die "Rinne" an den Enden mit den Händen zu, so lange das Quecksilber an den Enden nicht herauskullern soll. Sie dürfen dabei keine Angst haben. Wenn Sie nämlich Angst haben, dann zittern die Hände und sie machen da gerade so was ähnliches, wie "Quecksilbermikado" zu spielen.
Das Quecksilber wird an den Borsten des Pinsels nicht haften bleiben. Es gibt drei Möglichkeiten:
- Sie glauben mir das einfach und legen den Pinsel hinterher wieder an seinen Aufbewahrungsort.
- Sie zweifeln ein bisschen und möchten den Pinsel dann doch vorher lieber wenigstens mit Wasser und Seife auswaschen.
- Sie trauen mir nicht und schmeißen den Pinsel lieber weg.
Konsequent ist nur die Option 1 - jedenfalls, wenn Sie Waschwasser oder gleich den ganzen Pinsel nicht als Sondermüll entsorgen, was Sie tun müssten, wenn das tatsächlich mit Quecksilber belastet ist! Aber ich hätte Verständnis dafür, wenn Sie sich z.B. bei Option 2 hinterher einfach wohler fühlen.
Da ist jetzt aber noch ein kleines bisschen übrig - und Sie kriegen das nicht weg! Ist das jetzt schlimm?
Wenn es ein Kinderzimmer ist: Weitermachen!
Jetzt wäre zum Beispiel die Option Mercurisorb
zu prüfen. Das ist so eine Art "K2R für Quecksilber":
Pulver draufstreuen, einwirken lassen und zusammenkehren -
schwupps, weg ist das Quecksilber. Glauben Sie jetzt aber bitte
nicht an Hexerei, sondern vertrauen Sie der wissenschaftlichen
Erkenntnis, dass das Quecksilber jetzt in diesem Mercurisorb
gebunden ist und sich nicht etwa in "nichts" aufgelöst hat.
Sie müssen jetzt also das Mercurisorb als Sondermüll entsorgen.
Immerhin ist das Quecksilber darin so gebunden, dass jetzt kein
Dampf mehr entwickelt wird.
Mercurisorb ist um einiges teurer als "K2R", weshalb ich Sie ja erst mal mit den - vermutlich außerdem auch schneller herbeischaffbaren Mitteln aus der Apotheke beschäftigt habe. Wenn Sie den Link anklicken, erhalten Sie eine Googel-Trefferliste zum Stichwort "Mercurisorb" und werden feststellen, dass dort neben ratlosen Anfragen in irgendwelchen Quasselforen auch Anbieter von dem Wundermittel auftauchen. Ich habe sogar mal einen Anbieter gefunden, der das Zeug grammweise abgibt, was für Sie als "Nur-ein-einziges-Mal-im-Leben-Thermometer-Runterwerfer" natürlich besonders attraktiv ist. Sie suchen aber bitte selbst nach dem Ihnen am meisten zusagenden Angebot. Sie können das Mercurisorb jedenfalls auch via Internet bestellen, was vielleicht billiger ist, als wenn Sie Ihre Apotheke das für Sie tun lassen. Was am günstigsten für Sie ist, müssen sie selbst herausfinden.
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Sie versprechen mir, dass Sie das - egal wie - aufgesammelte Quecksilber nicht einfach in den Müll schmeißen! Quecksilber kann nicht biologisch abgebaut werden. Es bleibt Quecksilber - Immer! Vielleicht ist die Apotheke noch einmal nett zu Ihnen, ansonsten wenden Sie sich an die örtlichen Entsorgungsunternehmen. Bei einer Originalpackung Mercurisorb ist die Entsorgung in der Regel bereits im Kaufpreis mit inbegriffen und Sie brauchen es nach der Verwendung nur an die in der Packung genannte Stelle einzusenden. Beachten Sie, dass ein verwendetes Zinkblech an der Spitze amalgamiert und also ebenfalls quecksilberhaltig ist und deshalb ebenfalls Sondermüll ist. Und dann versprechen Sie mir noch, dass Sie und eifrig lesen! Und dann will ich, dass Sie nie wieder diese Seite anklicken müssen! |
Risikoanalyse eine zerbrochenen Energiesparlampe
Etwas Historie muss sein:Sie sind Ihr ganzes Leben mit Leuchtstofflampen (Leuchtstoffröhren, falsch auch "Neonröhren" genannt) groß geworden. Diese Leuchtmittel haben zu Iher Zufriedenheit schon immer das Innere von Warenhäusern, Parkgaragen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Kellern - ja selbst den schicken Spiegelschrank in Ihrem Badezimmer, die Wohnzimmervitrine oder das Aquarium angenehm schattenfrei erhellt oder als sog. "Schwarzlicht" in der Disko für die richtige Stimmung gesorgt. Durch technischen Fortschritt kann man diese Leuchtstofflampen nunmehr so klein herstellen, dass man Sie auf den Sockel einer Glühbirne montieren und mit der so erhaltenen Energiesparlampe die Glühbirne ersetzen kann.
Das war bisher in niemandes Augen ein Problem, nur jetzt, wo man den Verbrauchern die lieb gewordene Glühbirne verbietet, treten plötzlich selbst ernannte Experten auf den Plan, die uns als "Lichtbiologen" ungesundes Flackerlicht einreden wollen (was man durch moderne Vorschaltgeräte längst beseitigt hat) oder Farbverfälschungen monieren (Künstler beanstanden das und sie mögen Recht haben. Ich als Altagsnutzer habe das aber noch nie als Problem erlebt.) Insbesondere gibt es daneben dann auch wieder die Hysteriker, die das enthaltene Quecksilber als Teufelszeug brandmarken.
Das Quecksilber ist der eigentliche Lichtspender einer Leuchtstofflampe, also auch jeder Energiesparlampe. Ohne geht es also nicht! Das Quecksilber muss dazu in der Lampe verdampfen, was es bei Erwärmen besser tut als in kaltem Zustand, weshalb Energiesparlampen typischerweise ihre volle Lichtstärke erst nach einiger Zeit erreichen.
Früher, als Ihnen das Quecksilber in den "Neonröhren" noch egal war, enthielten diese bis zu 200 mg Quecksilber, die man zum Beispiel zu "DDR-Zeiten" in den Waggon-Beleuchtungen der Berliner S-Bahn in den Kurven als hin- und her schaukelndes Tröpfchen sehen konnte. Heutzutage dürfen Kompaktleuchtstofflampen nicht mehr als 3,5 mg, ab 1.1.2013 sogar nur noch 2,5 mg enthalten. Moderne Leuchtmittel kommen heute schon mit 1,5 mg aus. Bereits mit 8 maximal zulässig belasteten Fischmalzeiten nehmen Sie mehr Quecksilber auf, als in der zerbrochenen Lampe steckt.
Wenn Sie eine Energiesparlampe zerbrechen, läuft Ihnen das Quecksilber allerdings nicht mit einem Plumps aus dem Glas, sondern es steckt vor allem fein verteilt in dem weißlichen Belag an der Innenseite der Glaswand, der im übrigen dafür zuständig ist, dass die von dem Quecksilber eigentlich erzeugte harte UV-Strahlung beim Betrieb vollständig in ein angenehmes sichtbares Licht umgewandelt wird. Die feine Verteilung des Quecksilbers rührt daher, dass das Quecksilber in der Lampe bereits vielfach verdampft und wieder kondensiert ist. Sie kennen das vom Duschen: Hinterher ist die gesamte Badezimmerwand feucht und das kondensierte Wasser versammelt sich also leider nicht direkt am Bodeneinlauf, um dort mit einem Schrubberschubs bequem entsorgt werden zu können.
Wenn eine Energiesparlampe zerbricht, hat das den Nachteil, das das Quecksilber von der großen Oberfläche recht schnell verdunstet. Auch das kennen Sie vom Badezimmer: Wenn Sie nach dem Duschen das Badezimmer lüften, ist das Wasser viel schneller von der Wand verdunstet, als wenn es eine Pfütze wäre, die auf den Schrubberschubs wartet. Die Sparlampe setzt also sofort nach dem Bruch die am ehesten relevante Menge an Quecksilber frei - und hat danach nicht mehr viel zu bieten. In diese Richtung weisen auch Messungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, wobei unter unterschiedlichen Bedingungen Energiesparlampen im einem 50 m3 großen Raum zerbrochen und der Quecksilbergehalt über etwa 100 Stunden hinweg beobachtet wurde. Wenn Sie also das nach dem Bruch freigesetzte Quecksilber gleich weglüften, dürfte schon wieder weitgehend Ruhe im Karton sein.
Weil die Leute vor dem Quecksilber Angst haben, schreiben die Hersteller von Sparlampen immer deutlicher auf die Packungen, dass in der Lampe gar kein Quecksilber mehr drin ist, sondern ein Amalgam - also eine Quecksilberlegierung. Das ist eine Mischung von Quecksilber mit anderen Metallen. In der Tat hat das Vorteile: Das Amalgam ist nicht mehr flüssig, sondern ein kleines, festes Kügelchen. Wenn die neue Lampe beim Schütteln klappert, ist das vermutlich das Amalgamkügelchen und es ist also nichts kaputt. Wenn dick "Kein Quecksilber, sondern bloß Amalgam" auf der Packung steht und es klappert nicht, dann haben Sie die Lampe nicht von einem Betrüger gekauft, sondern das Amalgamkügelchen steckt in einem kleinen Käfig und kann nicht mehr klappern. Geht so eine Amalgam-Lampe kaputt, kann es kein freies Quecksilber in der Lampe geben, sondern nur den weißen Belag, auf dem Quecksilber adsorbiert ist und die Amalgamkugel. Selbst wenn die Amalgamkugel in den Staubsauger gerät: Das Quecksilber ist dort immobilisiert und kann sich nicht in Ritzen verkriechen, oder Metallteile Ihres Staubsaugers durch Amalgamierung verseuchen. Die Amalgamkugel emittiert zwar noch Quecksilberdampf, den der Staubsauger hinten rauspustet, aber sobald Sie den Staubbeutel gewechselt haben, ist die Kugel weg und alles ist rückstandsfrei wie vorher. Wenn Sie sich für Details interessieren, können Sie sich eine Beschreibung inklusive Bild vom Innenleben einer Leuchtstoffröhre ansehen.
"Amalgam" kennen Sie als Zahnfüllung. Das zeigt, dass Amalgame so harmlos sein können, dass man sie sogar dauerhaft im Mund haben kann. Nicht jedes Amalgam ist aber dasselbe. Ihre Zahnfüllung soll zum Beispiel gar keinen Quecksilberdampf entwickeln, die Amalgamkugel in der Leuchtstofflampe hingegen sehr wohl. Nach den Messungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit scheint es aber so zu sein, dass eine Sparlampe mit Amalgam bei einem Bruch weniger Quecksilber freisetzt als eine Sparlampe mit reinem Quecksilber.
Es gibt Leuchtstofflampen, in denen die Glaskörper in bruchfesten Gehäusen aus durchsichtigem Kunststoff stecken. Die ausgewiesene Energieeffizienz scheint dann zwar oft etwas geringer zu sein - vielleicht, weil man dann nicht so viel Raum für die Glasröhren hat, in den sie ihr Licht abstrahlen können - aber es bestehen gute Chancen, dass diese Lampen sowohl die etwas zu forsche Hand beim Einschrauben oder -stecken wie auch einen Sturz heil, oder wenigstens ohne Quecksilberfreisetzung überstehen.
Ihnen ist eine Energiesparlampe zerbrochen?
Das Umweltbundesamt rät bei dem Bruch einer Energiesparlampe in einer Verbraucherinformation dazu, sofort zu lüften, um die Quecksilberkonzentration wieder zu drücken, die Scherben unter fortdauernder Lüftung in etwas verschließbarem zu sammeln und Reste auf Decken, Teppichen etc. vorrangig mit Klebeband aufzunehmen und also nicht gleich zu saugen, weil die aufgesaugten Krümel im Staubsaugerbeutel ja weiterhin Quecksilber abdunsten, welches Sie dann mit Ihrem Staubsauger durch die Wohnung blasen.
Das sind gute Vorschläge, die Sie aber bitte jetzt nicht ängstigen, sondern zu einem ruhigen und beherzten Anpacken ermuntern sollten. Denken Sie bei der Beseitigung an etwas schönes, z.B. ob Sie nicht mal wieder ins Kino gehen sollten! Die Stiftung Warentest propagiert inzwischen schon das einfache Aufsaugen - also ohne zuvor mit Klebeband tätig zu werden. Nur den Staubbeutel sollen Sie nach deren Empfehlungen hinterher gleich wechseln.
Wenn Sie das zum Einsammeln der Scherben empfohlene dicht verschließbare Glas nicht zur Hand haben, rennen Sie nicht verzweifelt in den nächsten Lebensmittelladen um ein schönes Glas Nutella zu kaufen, nur um diese überaus leckere Masse sogleich wegzuwerfen, weil Sie ja nur das Glas haben wollten. Nehmen Sie stattdessen zum Beispiel eine Plastiktüte, die Sie anschließend verknoten oder - noch besser - einen Beutel mit Clipverschluss. Ersetzen Sie auch Handfeger und Müllschaufel durch etwas, was Sie hinterher entsorgen können, also zum Beispiel durch ein größeres und ein kleineres Stück Zeichenkarton.
Wenn Sie planmäßig vorhaben, eine Quecksilbersparlampe zu zerbrechen, können Sie sich zum Beseitigen der Scherben sogar schon im Vorfeld ein fertiges Set zum Entsorgen besorgen. Wenn Ihnen das Malheur aber schon passiert ist, werden Sie das nicht erst bestellen und den Raum solange absperren wollen, aber Sie können sich anhand des Videos, welches Sie sich beim Anbieter ansehen können, gut inspirieren lassen, wie Sie sich auch mit spontan aus Ihrer Wohnung zusammengesuchten Materialien behelfen können. Beachten Sie unbedingt, mit welch vorbildlicher Gelassenheit die Dame im Video tätig wird!
Was ist der Unterschied zwischen Menschen und Regenwürmern beim Umgang mit Quecksilber?
Quecksilber wird auch im Boden oder in Gewässern allmählich zu löslichen Quecksilberverbindungen umgesetzt, die sich dann im Boden oder im Wasser verteilen. Nicht nur Regenwürmer sterben davon, sondern es gibt wohl kaum einen biologischen Organismus, der Quecksilber beliebig vertragen kann. Wenn Ihnen ein Thermometer oder eine Sparlampe zerbricht, schwimmen Sie nicht zusammen mit dem Quecksilber im gleichen Wasser oder krabbeln in der gleichen Erde, sondern Sie stehen in ausreichendem Abstand daneben oder haben sogar schon alles weggelüftet, was dem armen Regenwurm leider versagt bleibt. Deswegen hat der Regenwurm ziemliche Probleme, Sie aber nicht! Was also für Sie in der Wohnung gefahrlos handhabbar ist, ist in die Umwelt verbracht ein teuflisches Dauerproblem, denn Quecksilber bleibt immer Quecksilber - es kann nicht zu etwas harmlosen abgebaut werden.
Gewiss: Wenn nur Sie und nur ein Mal eine kaputte oder ganze Leuchtstofflampe mit dem Hausmüll wegwerfen, wird von den 1,5 mg Quecksilber nicht gleich der ganze Landkreis für Regenwürmer unbewohnbar. Wenn aber alle 80 Millionen Einwohner Deutschlands pro Jahr ein mal eine Quecksilberlampe in den Hausmüll werfen, landen 120 kg Quecksilber pro Jahr in der Umwelt. Die Regenwürmer wollen das nicht! Wollen Sie das? -
Na, sehen Sie ...
Gebrauchte Leuchtstofflampen und Fieberthermomter müssen Sie also Sondermüll entsorgen und dürfen Sie nicht in den Hausmüll geben. Das gilt auch für Scherben, die sich jetzt in Tüten oder Nutella-Gläsern befinden. Um das Quecksilber aus alten Energiesparlampen herauszuholen, werden diese übrigens mit voller Absicht kurz und klein geschlagen, worauf durch Sieben oder Auswaschen dieser weißliche Belag separiert wird, der das Quecksilber enthält. Das Quecksilber wird durch Erhitzen ausgetrieben und aufgefangen. Chemiker nennen das "destillieren".
Kann heißer Quecksilberdampf aus einer Energiesparlampe an einer Tapete kondensieren?
Also gut, wir erinnern uns noch einmal an Ihr Badezimmer: Wenn Sie so richtig schön warm duschen, so dass sich der Raum aufwärmt, werden die Badezimmerwände nass, weil die warme Luft "mit Wasser gesättigt ist", die Wand aber kalt bleibt und das Wasser deshalb aus der sich dort abkühlenden Luft kondensiert. Wenn Sie 1,5 mg Wasserdampf... - na gut, damit es nicht zu albern klingt: Sie bekommen ein ganzes Glas voll kochendes Wasser und sollen erreichen, dass auch damit Wasser an der Wand kondensiert. Sie werden das nicht schaffen - auch wenn sie das Wasser zur besseren Verteilung teelöffelweise in die Luft werfen - es ist einfach zu wenig!
Wie Sie schon wissen: Das Umweltbundesamt hat nach einem Lampenbruch eine Raumluftbelastung mit Quecksilberdampf in Höhe von 0,35 µg/m3 detektiert. Wie Sie auch schon wissen, beträgt die Sättigungskonzentration 14 mg/m3, das sind 14000 µg/m3. Wenn Sie also 14000 µg / 0,35 µg = 40000 Energiesparlampen zerschlagen, wäre die Raumluft mit Quecksilber gesättigt und Sie müssten anfangen, sich um Ihre Tapeten Sorgen zu machen. Nehmen wir an, Sie hätten das mit den 40000 Lampen geschafft. Genauso, wie Sie Ihre Badezimmerwände nach dem Duschen durch Lüften schnell wieder trocken kriegen, wäre ganz analog auch das Tapetenquecksilber aufgrund der starken Verteilung durch kurzes Lüften wieder eliminierbar.
Andere Anbieter
Weil es immer weniger Glühbirnen und deshalb immer mehr Menschen mit Angst vor Sparlampen gibt, gibt es immer mehr Anbieter, die im Prinzip in gleicher Weise argumentieren, wie Sie es hier auf dieser Seite lesen können. Ohne Anspruch auf korrekte Rangfolge und Vollständigkeit:
- Umweltbundesamt
- Bayerisches Landesamt für Umwelt
- Stiftung Warentest
- Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.
Quecksilber und das übrige Leben
Im Jahr 2010 hat es in Deutschland 374.818 im Straßenverkehr verunglückte Personen gegeben. Darunter befanden sich 3648 Todesopfer. Wie hoch schätzen Sie die Anzahl der Opfer durch Fieberthermometer oder Energiesparlampen? Ich schätze auch mal, nämlich NULL!
Es steckt in der Natur des Menschen, Gefahren, die einem täglich sichtbar begegnen zu bagatellisieren ("mir passiert schon nichts", "das Risiko kann ich kontrollieren") und Gefahren, deren Hintergründe man nicht oder nicht ausreichend versteht, zu überschätzen. Ich wünsche mir einen Chemieunterricht an der Schule, der (mehr) Kompetenz bei der Einschätzung durch Chemikalien verursachter Gefahren vermittelt. Statistiker sagen Rauchern eine um 5 bis 10 Jahre verkürzte Lebenszeit voraus. Ein Raucher, der Angst vor einer (zerbrochenen) Energiesparlampe hat, leidet unter Realitätsverlust! Darunter können auch Nichtraucher leiden, weil Angst ein Bauchgefühl ist. Dagegen muss man mit Verstand, also mit dem Kopf ankämpfen.
Quecksilberkuriositäten
- Machen Sie nie ein Quecksilberthermometer in einem Flugzeug kaputt! Die Flugzeuggesellschaft hat zwar keine Angst vor den Dämpfen, wohl aber, dass das Quecksilber mit dem Aluminiumrumpf ein Amalgam bildet und dadurch die Materialfestigkeit beeinflusst. Deshalb wird in diesem Fall ein Kubikmeter aus dem Flugzeug herausgeschnitten und durch ein neues Teil ersetzt.
- Machen Sie nie ein Quecksilberthermometer in einem Auto kaputt, z.B. indem Sie es an einem schönen Sommertag auf der Hutablage liegen lassen. Es wird dort so heiß, dass das Quecksilber das Thermometer aufsprengt, weil der Platz zum Ausdehnen aufgebraucht ist. Das freigesetzte Quecksilber verschwindet in den unzugänglichen Tiefen und Ritzen Ihres Autos - und weil es noch weitere heiße Tage im Autoleben gibt, dampft es von dort tüchtig in den Innenraum ab. Es ist dann vermutlich preiswerter, gleich ein neues Auto zu kaufen als bei dem alten auf Verdacht Stück für Stück auszutauschen und zu hoffen, dabei jetzt endlich die Quelle erwischt zu haben.

