Letzte Aktualisierung: 07.06.2009
Letzter vollständiger Linkcheck: 07.06.2009
Gefährliche Mischung von Natrium mit Dichlormethan
Ort, Jahr:
FU-Berlin, 2005
Zeitraum:
Tagsüber, bei der Arbeit
Hergang:
In einer üblichen "Lösemittelkuh" wird Tetrahydrofuran durch Kochen über Natrium
absolutiert. Die Anlage darf nur von einer erfahrenen dauerangestellten Mitarbeiterin bedient werden. Der fiel beim
Kochen der Mischung auf, dass das Natrium nicht wie sonst üblich blank bleibt, sondern relativ rasch verkrustete.
Auch die Färbung der mit Benzophenon als Indikator versetzten Mischung war nicht wie erwartet. Eine NMR-Analyse des
Flaschenrückstandes, aus der die Anlage befüllt worden war, ergab, dass es sich nicht um
Tetrahydrofuran, sondern um Dichlormethan handelte. Die Mischung im Reaktionskolben hatte eine geschätztes
Mengenverhältnis von Dichlormethan : Tetrahydrofuran
von etwa 1 : 2. Das Gesamtvolumen der
Mischung betrug etwa 2 Liter. Da das Einfüllen in die Apparatur zur Vermeidung von Dämpfen durch Umpumpen
bewerkstelligt worden war, konnte der Fehler nicht durch den anderen Geruch entdeckt werden.
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr:
Rührer und Heizung wurden abgeschaltet, und der Raum geräumt. Halogenkohlenwasserstoffe reagieren im Kontakt
mit Natrium heimtückisch - auch durch Stoß oder Bewegung. Da das Gemisch schon 2 Stunden in der Hitze intensiv
verrührt worden war bestand Unklarheit über die Brisanz der Mischung. Deshalb wurde die Werksfeuerwehr der
ortsansässigen Firma Schering um Beseitigung gebeten, die nach Teilräumung des Instituts den Kolben aus der
Apparatur ausbaute und ins Freie verbrachte und dort zunächst das Lösemittel in eine Edelstahlwanne ausgoss und
abbrannte, den Rueckstand mit Wasser versetzte und darauf das Natrium portionsweise eintrug.
Maßnahmen zur Vermeidung:
Es war im Nachhinein nicht mehr festzustellen, wie es zur Verwechslung der Lösemittel kam. Ab sofort wird eine
Eingangskontrolle des Lösemittels durchgeführt, indem vor der Verwendung das spezifische Gewicht durch Spindeln
bestimmt wird.