Letzte Aktualisierung: 07.06.2009
Letzter vollständiger Linkcheck: 07.06.2009
Explosion durch Tetrabutylpermanganat
Ort, Jahr:
FU-Berlin, 2003
Zeitraum:
Nachmittags (übliche Arbeitszeit, keine Personen anwesend.)
Hergang:
Ein Mitarbeiter stellt ein paar Gramm Tetrabutylpermanganat nach
Literaturvorschrift her. Die Literaturquelle empfielt diese Substanz
als erfolgversprechendes Reagenz für mannigfaltige Oxidationsreaktionen
in nicht wässrigen Lösungsmitteln. Die Vorschrift besagt, dass die Substanz
bei Temperaturen ab 120 °C zerfällt. Der Mitarbeiter trocknet
die Substanz deshalb bei 80 °C im Kugelrohrofen im Ölpumpenvakuum.
Nach Stunden kommt es plötzlich zu einer heftigen Explosion.
Schäden:
Der Glasmantel des Kugelrohrofens wird komplett zerstört. Die Wucht
der Explosion ist so hoch, dass einige Scherben
kleine Löcher in die Fensterscheibe schlagen. Es ist purer Zufall, dass
der Mitarbeiter kurz zuvor den Raum verlassen hatte, so dass keine Personen
zu schaden kamen.
Probleme:
Eine sofort durchgeführte
intensive Recherche über das Gefahrenpotenzial ergab, dass andere
Autoren eine weitaus dramatischere Beschreibung der Explosionsgefahr
gaben und insbesondere auf die Heimtücke der Zündung auch nach
langen Latenzzeiten und durch Reibung (das Kugelrohr wurde gedreht!)
hinwiesen. Man kann diskutieren, ob der Mitarbeiter das hätte ahnen
und vorher recherchieren müssen. Schließlich kann man schon mit
moderaten chemischem Kenntnissen erkennen, dass bei dieser Substanz
intramolekulare Redoxvorgänge möglich sind. Das ist aber nur eine
qualitative Aussage und es gibt ähnliche Verbindungen, die weitaus
gefahrloser handhabbar sind. Eine Rechercheverpflichtung hätte sich
sicher ergeben, wenn die verwendete Vorschrift keine Angaben zum
Gefahrenpotenzial enthalten hätte. So aber kann man verstehen, dass
der Mitarbeiter sich
in Sicherheit wog. Es stellt sich hier sehr deutlich die Frage des
Restrisikos.
Maßnahmen:
Der Mitarbeiter hat die beste Konsequenz gezogen, die in diesem Fall
denkbar ist: Er hat nach Alternativen gesucht, um die Verwendung dieser
Substanz zu vermeiden. Durch eine verbesserte Platzausnutzung konnte
der betreffende Pumpstand überdies ebenfalls auf der Arbeitsfläche
untergebracht werden, die bereits mit Explosionsschutzlamellen ausgestattet ist.
Zerstörter Kugelrohrofen. Wahrscheinlich ist von dem Heizzylinder
zunächst die hintere Stirnfläche geplatzt, wodurch eine
Art Gewehrschusseffekt entstanden ist, denn das meiste
Material wurde nach links geschleudert und der Ofen ist als Reaktion
nach rechts umgekippt.
Abbildung 2: Zerstörte Fensterscheibe. Es gab ca. 5 dieser
Einschusslöcher. Bei der Scheibe handelt es sich um
Mehrscheibenisolierglas, also relativ dickes Material