| Hergang: |
Der Hergang ist auf
http://pubs.acs.org/cen/news/87/i04/8704news1.html beschrieben. Für den Fall, dass die Seite vom Netz
genommen wird und der Link nicht mehr funktioniert, nachfolgend die Wiedergabe des Textes:
A research assistant in the University of California, Los Angeles, department of chemistry and biochemistry died on Jan. 16 from injuries
sustained in a laboratory fire that occurred in December, the university has confirmed.
UCLA officials declined to provide C&EN with specific details of the incident, pending an investigation. But according to a Dec. 30, 2008,
e-mail to C&EN from department chair Albert J. Courey, university investigators believe that on Dec. 29, Sheharbano Sangji, 23, was drawing
tert-butyl lithium (t-BuLi) from a bottle into a syringe when the plunger came out of the syringe barrel. The chemical, which ignites
spontaneously in air, splashed onto Sangji's clothes and set them on fire. Sangji was burned on her hands, arms, and upper torso, for a
total of 40% of her body. After initial treatment at Ronald Reagan UCLA Medical Center, she was transferred to the Grossman Burn Center in
Sherman Oaks, Calif., where she died.
An unconfirmed description of the accident was posted on Jan. 7 to the ACS Division of Chemical Health & Safety e-mail list by Debbie M.
Decker, a member of the division and a UC Davis chemical safety officer. It says that Sangji was wearing safety glasses, a sweater made of
synthetic material, nitrile gloves, and no lab coat and that the t-BuLi ignited her sweater and gloves.
Synthetic materials such as polyester are "analogous to solid gasoline," says Neal Langerman, the founder of the company Advanced Chemical
Safety and a consultant to the ACS Committee on Chemical Safety. "Once it ignites, it burns just like a hydrocarbon, so it really is
inappropriate lab apparel by itself." A lab coat might have prevented the sweater from igniting and reduced the extent of Sangji's
injuries, he says, although he emphasizes that he is speculating. Fire-resistant gloves are also available, Langerman says, although they
are bulky and reduce dexterity, which can also lead to accidents. "That problem hasn't been adequately solved," he adds.
Sangji graduated from Pomona College in May 2008. She was working at UCLA while applying to law school, says her former adviser at Pomona,
chemistry professor Daniel J. O'Leary, who is now at Bowdoin College. Sangji spent three years working on peptide chemistry in O'Leary's
lab. "She was just a wonderful person," O'Leary says. "Many, many people are mourning her loss."
When asked whether he is reconsidering safety procedures in his lab at Bowdoin, O'Leary says, "Just about every organic chemist works with
hazardous and dangerous things. This can only serve as a wake-up call to redouble efforts to be safe."
The incident remains under investigation by the California Division of Occupational Safety & Health and the Office of the State Fire
Marshal, says James Gibson, director of UCLA's Office of Environment, Health & Safety.
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| Bewertung: |
Plastik-Einwegspritzen sind billig, und für 'normal' luftempfindliche
Substanzen auch vollkommen ausreichend. Das Abmessen selbstentzündlicher
Substanzen ist jedoch problematisch. Nicht nur, dass der Kolben gegen
das Herausziehen aus der Spritze nur unzureichend gesichert ist, auch die
Kanüle ist nur aufgesteckt und kann bei zu starkem Druck weggesprengt werden.
Der Brand ist dann zwar vom Körper weggerichtet, aber es ist immer noch ein Brand!
Es ist nicht teuer, Spritzen mit einem Luer-Lock-Anschluss
zu verwenden. Die Kanüle wird dazu in eine Art Gewinde hineingedreht und kann sich also nicht mehr von
selbst lösen. Alle gängigen Kanülen mit Luer Anschluss sind so gestaltet, dass sie in einen
Luer-Lock-Anschluss hineingedreht werden können - das Problem liegt in der Spritze: Hat sie das Gewinde nicht,
gibt es nichts zum Hineindrehen und man kann die Kanüle nur aufstecken. Obacht: Plastikspritzen mit Luer-Lock-Anschluss
haben häufig einen nicht lösemittelbeständigen Gummikolben und sind deshalb ungeeignet!
Schutz vor dem Herausziehen des Kolbens bieten
Glas-Spritzen mit
einem Metallkolben. Diese Spritzen haben hinten eine Verschraubung, die erst gelöst werden muss, wenn man den
Kolben ganz herausziehen will. (Der Link führt zu einem Wikipedia-Bild, bei dem leider eine Spritze mit einem
veralteten Record-Anschluss abgebildet ist. Auch auf den Record-Anschluss kann die Kanüle leider nur aufgesteckt
werden.) Metallkolbenspritzen können nur verwendet werden, solange der Metallkolben ausreichend dicht ist, was bei
sehr fluiden Substanzen möglicherweise nicht ausreichend der Fall ist. Das kann mit sog. 'gasdichten Spritzen' verhindert
werden, bei denen der Kolben nicht aus Metall sondern aus Teflon besteht. Solche Spritzen sind teuer - und deshalb wohl auch wenig
nachgefragt. Es gibt also nur wenige Bezugsquellen.
Der Bericht zeigt, dass offenbar auch das Grundübel der Laborarbeit mitverursachend für den Tod war:
Die verbreitete Aversion gegen den Laborkittel und das hemmungslose Tragen von modischer (Kunstfaser)-Bekleidung.
Es gibt unzählige Kampagnen, die versuchen, diese Gefahr deutlich zu machen. Laborkittel sind auch ein
Brandschutz. Zusätzlich sollte auch die darunter befindliche Strassenkleidung kein bedenkliches
Brandverhalten haben.
Faustregel: Je modischer, umso gefahrenträchtiger. Mit (dicht gewebter) Baumwolle ist man auf der sicheren Seite.
Was der Bericht nicht ausdrücklich sagt, was man aber erahnen kann: Mit gerade mal 23 Jahren hatte die Studentin vermutlich
noch nicht eben sehr viel Erfahrung im Umgang mit gefährlichen Stoffen. Am 30. Dezember machen viele Urlaub oder denken schon an die
Silvesterparty. Nicht unwahrscheinlich, dass die Studentin also nicht nur unerfahren, sondern vielleicht sogar auch noch allein
im Labor tätig war. Insider wissen, dass es Situationen gibt, wo der Druck groß ist, weil z.B. die Deadline für die
Bachelorarbeit schon sehr nahe ist und diese eine Reaktion doch unbedingt noch klappen soll!
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