Letzte Aktualisierung: 07.06.2009
Letzter vollständiger Linkcheck: 07.06.2009
Unfall beim Abfüllen von Diethylether
Ort, Jahr:
FU-Berlin, 2002
Zeitraum:
Tagsüber, bei der Arbeit
Hergang:
Ein Mitarbeiter betreibt unter dem Abzug Lösemitteldestillen, von denen
eine zur Absolutierung von Diethylether, eine zweite zur Absolutierung von
Ethanol verwendet wird. Die Lösemittel werden, wie allgemein üblich,
über dem Trockenmittel zum Sieden erhitzt und die erforderliche Menge
in ein Entnahmegefäß hochdestilliert. Aus dem
Entnahmegefäß kann mit einem Hahn abgelassen werden. Der Mitarbeiter
benötigt für den Versuch Eisen(III)-chlorid in einem Gemisch aus Ethanol und
Diethylether. Er legt dazu das Salz in einem 250-ml-Rundkolben vor und
füllt zunächst den Ether in den Kolben. Dann
will er den Diethylether hinzufügen. Er muss dazu mit beiden Händen
in den Abzug greifen: Die eine Hand hält den Kolben, die zweite
betätigt den Hahn. Der Mitarbeiter bemerkt beim Einfüllen des Ethanols,
dass es zu Siedeerscheinungen im Kolben kommt, weil das Ethanol offensichtlich
noch zu warm ist. Er erkennt noch, dass bereits Dämpfe aus dem Kolben
austreten und zu Boden sinken. Er dreht sofort den Ablasshahn zu, aber es
ist bereits zu spät: Die Dämpfe entzünden sich vermutlich
an der Heizquelle, es gibt eine Stichflamme und unglücklicherweise zur gleichen Zeit einen
Siedeverzug im Kolben, der bewirkt, dass ein Teil der Mischung brennend aus dem Kolben spritzt
und dem Mitarbeiter über die Hand läuft und in eines der Bäder fällt.
Auch die Bekleidung des Mitarbeiters wird durch brennende Spritzer punktuell in Brand gesetzt.
Der Mitarbeiter
reisst instinktiv den brennenden Kolben aus dem Abzug um die Destillationsanlagen
zu schützen und will den Kolben auf der gegenüberliegenden
Arbeitsfläche abstellen. Der zerbricht jedoch in der Hektik und der Rest des
Gemisches verteilt sich nunmehr großflächig brennend auf der Arbeitsfläche.
Der Mitarbeiter löscht zunächst die Flammen auf der Bekleidung, u.a.
indem er sich selbst auf dem Boden wälzt, greift anschließend
einen Feuerlöscher, um die brennende Arbeitsfläche abzulöschen.
Unfallfolgen:
Der Mitarbeiter erleidet Verbrennungen zweiten Grades an beiden Händen.
Außer dem zerbrochenen Kolben und ein Paar Brandflecken in der Bekleidung
entsteht kein weiterer Sachschaden.
Bewertung:
Der Mitarbeiter gab an, dass er derartige Gemische schon etliche Male aus
diesen Anlagen "gezapft" hat, ohne dass etwas passiert ist. Ihm war klar,
dass das warme Ethanol abkühlen musste bevor es zu dem viel niedriger siedenden
Ether hinzugegeben werden durfte und hat auch gewartet - aber dieses Mal
eben nicht lange genug. Dieser Unfall ist damit ein Beispiel dafür,
dass auch eine kleine Unachtsamkeit schwere Folgen haben kann.
Größere Schäden wurden vermieden, weil die
Lösungsmittelvolumina klein waren und der Mitarbeiter nach Eintritt
des Unfalls professionell reagiert hat.
Maßnahmen:
Der Aufbau der Destillationsanlagen wurde durch Unterstellen von Feuerschutzwannen verbessert.
Das Fehlen der Feuerschutzwannen war zwar nicht ursächlich verantwortlich für den
Eintritt des Unfalls, jedoch bewirkte der Unfall eine erhebliche Sensibilisierung
des Mitarbeiters für die auftretenden Gefahren.
Beim Arbeiten mit den Lösemitteldestillationsanlagen muss künftig strikt darauf
geachtet werden, dass kein Lösemittel in einen Kolben gegeben wird dessen Temperatur
sich oberhalb der Siedetemperatur des zugegebenen Lösemittels befindet.