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Letzte Überarbeitung: 30.01.2011

 

Geschlossene Anlagen

kmr-Stoffe wie akut toxische Stoffe sind gemäß Gefahrstoffverordnung wenn möglich in geschlossenen Systemen zu verwenden. Für die in Anhang II Nr. 4 der Gefahrstoffverordnung aufgeführten Stoffe
  • 6-Amino-2-ethoxynaphthalin
  • Bis(chlormethyl)ether
  • Cadmiumchlorid (in atembarer Form)
  • Chlormethyl-methylether
  • Dimethylcarbamoylchlorid
  • Hexamethylphosphorsäuretriamid
  • 1,3-Propansulton
  • N-Nitrosaminverbindungen, ausgenommen solche, bei denen sich in entsprechenden Prüfungen ein Hinweis auf krebserzeugende Wirkungen nicht ergeben hat,
  • Tetranitromethan 1,2,3-Trichlorpropan
  • Dimethyl- und Diethylsulfat
ist dies zwingend gefordert.

Der Begriff "geschlossenes System" oder "geschlossene Anlage" ist für den Laborbetrieb zunächst einmal problematisch. Schon Grundpraktikanten lernen, dass eine wortwörtlich geschlossene Apparatur wegen des Druckstaus ein Sicherheitsrisiko ist. Es gibt aber Auswege:

Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz beim Umgang mit Gefahrstoffen im Hochschulbereich (GUV-SR 2005)

Ein "geschlossenes System" soll die Expositionsfreiheit gewährleisten. "Geschlossenes System" und "Expositionsfreiheit" sind also synonyme Forderungen. Mit dem derart erweiterten Blick findet man in der nicht mehr ganz neuen aber immer noch geltenden GUV-SR 2005, dass die Expositionsfreiheit - hier stichwortartig verkürzt - unter den folgenden Bedingungen gegeben ist:
  • Einhaltung der Richtlinien für Laboratorien
  • Arbeiten in einem abgegrenzten Raum
  • Bestimmungsgemäß verwendete Abzüge nach dem Stand der Technik
  • Geregelte und bereitstehende Dekontaminationsmöglichkeit
  • Stoffeinsatz in verwendungsbereiter und nicht staubender oder aerolsolbildender Form
  • Minimierung der Stoffmengen
  • Verwendung von Auffangschalen
  • Nur unmittelbar benötigte Arbeitsmittel im Abzug
  • Geregelter Handschutz (Schutzhandschuhe)
  • Vermeidung des offenen Umgangs
  • Dekontamination der Geräte im Abzug
Die GUV-Regel macht eine sehr weise Einschränkung: Diese Maßnahmen gewährleisten die Expositionsfreiheit unter der Voraussetzung, dass dem keine anderen Erkenntnisse entgegenstehen. Jeder im Labor Tätige hat beim Arbeiten mit Diethylether den Geruch des Ethers immer mal wieder ein bisschen in der Nase, auch wenn damit bestimmungsgemäß im Abzug gearbeitet wird. Ähliches wird man also beim Arbeiten mit dem nur unwesentlich höher siedenden Chlormethyl-methylether wohl auch unterstellen können, so dass die Maßnahmen hier nicht ausreichen dürften und zusätzliche expositionsarme Arbeitstechniken notwendig sind, z.B. die Spritzen-Septen-Technik. Die Spritzen-Septen-Technik hat heutzutage breiten Einzug in das chemisch-präparative Arbeiten gefunden, in der Regel aber eher, um umgekehrt luftempfindliche Substanzen handhaben zu können. Ihren Ursprung hat diese Technik in der Boranchemie (H.C.Brown, Organic Synthesis Via Boranes, Wiley 1975). Heutzutage ist sie aber auch schon in organisch-chemischen Praktikumslehrbüchern beschrieben (z.B. J.Leonard, B.Lygo, G.Procter Praxis der organischen Chemie, Wiley VCH 1996)

Staubende Stoffe sind oft auch in einer nicht staubenden Applikationsform erhältlich. Ethidiumbromid kann man nicht nur als Pulver, sondern auch als Tablette oder als fertige Lösung kaufen.

TRGS 526: Laboratorien

Nach dieser TRGS werden folgende Apparaturen juristisch als Äquivalent für eingeschlossenes System definiert:
  • die im geschlossenen Abzug aufgestellte, nicht offen betriebene Apparatur
  • Vakuumapparaturen (wobei Abgasströme sicher erfasst und abgeführt werden müssen.)
  • Gloveboxen
  • Apparaturen mit dichten Verbindungen, bei denen alle Öffnungen an ein wirksames Abluftsystem angeschlossen sind.

 


Was tun?

Weil die Verfasser von Rechtstexten nicht konzertiert, sondern oft nebeneinander agieren, findet sich auch schon im Anhang II der Gefahrstoffverordnung die Einschränkung, dass für die o.g. Stoffe die Verwendung in geschlossenen Anlagen gar nicht erforderlich ist, wenn diese "für Forschungs- und Analysezwecke sowie für wissenschaftliche Lehrzwecke in den dafür erforderlichen Mengen" verwendet werden. Sie sollten darüber nicht zu sehr frohlocken, sondern die Auflistung dahingehend verstehen, dass die dort genannten Stoffe ein hohes Gefährdungspotential aufweisen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen erfordern. Das ist, wie bei den anderen kmr-Stoffen auch, im Regelfall die Verwendung im Abzug, sowie fallweise weitere von der Gefährdungsbeurteilung abhängig zu machende Maßnahmen.

 
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Als Folge des derzeitigen Wechsels von der bisherigen EU-Einstufung von Chemikalien auf das neue 'Global Harmonised System' gibt es auch in diesem Angebot im Augenblick ein Nebeneinander von Angaben nach beiden Einstufungen. Dem Grad der Umstellung folgend wird dieses Angebot immer wieder angepasst, wobei die alten Einstufungen zugunsten des GHS nach und nach verschwinden werden.
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