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Letzte Überarbeitung: 16.07.2013

 

Ersatzstoffe

Gemäß Gefahrstoffverordnung ist zu prüfen, ob gefährliche Stoffe durch weniger gefährliche ersetzt werden können. Auf dieser Seite finden Sie dazu einige Beispiele:

 

Acrylamid
Acrylamid gehört zum biochemischen Labor wie der Deckel zum Topf. Wenn Biochemiestudenten ihr erstes Biochemipraktikum machen, werden sie es mit Acrylamid zu tun bekommen, aus denen Gele gefertigt werden. Das krebserzeugende und erbgutverändernde Potential dieser Substanz hat zumindest am Scheitelpunkt der Diskussion um zu dunkel geröstete Toastbrotscheiben zum Allgemeinwissen gehört. Über die Gefährdung durch ein falsch zubereitetes Frühstück kann man streiten, über aus Kostengründen billig gekauftes Acrylamid, was von den Praktikanten abgewogen und angerührt werden muss, eher nicht. Das Geld für Fertigmischungen, die nur noch aufgefüllt werden müssen oder Fertiglösungen muss 'drin sein'. Die reine kristalline Substanz muss für diejenigen reserviert bleiben, die mit der wässrigen Lösung aus technischen Gründen nichts anfangen können.

 

Benzol > Toluol
In der Mehrzahl der Fälle lässt sich Benzol durch Toluol ersetzen, vor allem, wenn dies lediglich als Lösungsmittel, z.B. zur Umkristallisation dient. Der Ersatz des Benzols durch Toluol hat bereits breite Akzeptanz gefunden. Aber es gibt immer noch Fälle, wo Benzol sehr leichtfertig verwendet wird.

 

Benzylchlorid > Benzylbromid
"Merken" werden Sie den Unterschied kaum: Benzylbromid ist ebenso höllisch tränenreizend wie das Benzylchlorid. Das Verblüffende ist, dass es für beide Stoffe eine EU-Einstufung gibt, nach der zwar das Chlorid krebserzeugend (EU-Gruppe 2) ist, für Benzylbromid aber nicht einmal ein Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial besteht.

Sie sind also gut beraten, zukünftig Benzylchlorid durch Benzylbromid zu ersetzen. Die Reaktivität des Bromids ist eher besser als die des Chlorids, was aber leider auch die Zersetzlichkeit entsprechend erhöht. Da aber auch das Chlorid häufig frisch destilliert eingesetzt wird, ist dies kein wirklich gravierender Nachteil. Ganz im Gegenteil können Sie umgekehrt ausnutzen, dass das Benzylbromid im Tiefkühlfach im Gegensatz zum Chlorid zum Feststoff wird (Fp.: -1°C) - verderbliche Stoffe sind i.a. in fester Form stabiler als in flüssiger Form.

Wird eine besonders hochreine Qualität gewünscht, reicht die einfache Destillation weder beim Bromid noch beim Chlorid. Das Bromid wird dazu vor der Destillation der Reihe nach gewaschen mit konz. Schwefelsäure, Wasser, 10 %iger Natriumcarbonat- oder Hydrogencarbonatlösung und zum Schluss noch einmal mit Wasser und dann über Calciumchlorid oder Magnesiumchlorid getrocknet. Die Vakuumdestillation wird unter Lichtausschluss durchgeführt. (W.L.F. Armarego, D.D. Perrin, Purification of Laboratory Chemicals 4th Edition 1996, Butterworth-Heinemann)

Hinzunehmen ist, dass das Bromid bezogen auf molare Mengen etwa den zehnfachen Preis des Chlorids kostet. Bei universitätstypischen Versuchsansatzgrößen ist auch das kein wirkliches Problem.

Benzylbromid kann vorteilhaft auch im Praktikum durch Photobromierung von Toluol selbst hergestellt werden. Werden dabei die Literaturausbeuten erreicht, so entsprechen die Kosten für die Versuchschemikalien ungefähr den Anschaffungskosten für das Benzylbromid. Aber auch bei kleineren Ausbeuten kann die eigene Herstellung weiterhin lohnend sein, da die Praktikanten ja ohnehin Substanzen herstellen müssen und ein verwendungsfähiges Produkt allemal besser ist als etwas, was nur "für den Mülleimer" ist.

Wegen der stark tränenreizenden Wirkung des Benzylbromids sind im Praktikum für Herstellung und Verwendung umfangreiche Anleitungen (= Betriebsanweisungen!) notwendig. Ein Beispiel für eine Anleitung zur Herstellung finden Sie bei der FU-Berlin (Versuch 2-3).

 

Blaugel > "Orange-Gel"
Der Feuchtigkeitsindikator des guten alten Blaugels besteht aus einer Cobaltverbindung. Seitdem Cobalt unter Verdacht geraten ist krebserzeugend zu sein, gerät auch Blaugel in ein schiefes Licht. Diskussionen über die Gefährdung durch das im Blaugel ja sehr gut verpackten Cobalts lohnen aber nicht, denn es gibt schwermetallfreie Alternativen, die zu einem vergleichbaren Preis zu haben sind. Es gibt bei einem Ersatz also keine Nachteile. Alles was zu tun ist, ist sich von einem gewohnten Begriff zu trennen. Die Bezeichnung "Orange-Gel" ist (noch) nicht allgemein gebräuchlich. Derzeitige Handelsbezeichnungen sind: "Silicagel orange" oder "Silicagel rubin" (Fluka).

 

Chromschwefelsäure > Detergenzien
Chromschwefelsäure muss heutzutage wahrlich nicht mehr verwendet werden, da es für Reinigungszwecke jede Menge Detergentien als Alternativen gibt, wobei die Reinigungswirkung durch Behandlung im Ultraschallbad noch weiter gesteigert werden kann. "Schnell mal selbst" herstellbar ist ein Schwefelsäure/Wasserstoffperoxidgemisch, welches jedes Mal frisch angesetzt werden muss. Allerdings ist dabei verschiedentlich von sehr heftigen Reaktionen beim Reinigen von Fritten berichtet worden, weshalb dieses Gemisch nur unter Vorbehalt als Alternative empfohlen werden kann.

 

Chromtrioxid
Chromtrioxid ist erwiesenermaßen krebserzeugend für den Menschen. Bei anderen Chrom(VI)-Verbindungen ist die krebserzeugende Wirkung zumindest im Tierversuch erwiesen. Problematisch ist insbesondere das Einatmen der Stäube. Das als Reaktionsprodukt erhaltene Chrom(III)-Salz ist zwar nicht mehr krebserzeugend, muss jedoch relativ aufwändig als Schwermetallabfall gesammelt und gesondert entsorgt werden. Oxidationsreaktionen mit Chrom(VI)-Verbindungen verlaufen oft sehr glatt, sind manchmal aber auch extrem gefährlich. (Z.B. Gefahr des "Durchgehens" bei der Darstellung von Aldehyden mit Chromtrioxid/Acetanhydrid.) Je komplexer das Substrat, desto sorgfältiger muss das Oxidationsmittel ausgewählt werden, um andere, unerwünschte Reaktionen zu vermeiden. Pauschale Empfehlungen zum Ersatz des Chromtrioxids können deshalb nicht gegeben werden. Oft gibt es jedoch für eine Reaktion verschiedene Alternativen. Alkohole können statt mit Chrom(VI)-Verbindungen sehr schonend durch aktiviertes Dimethylsulfoxid, z.B. in einer SWERN-Oxidation oxidiert werden. Informationen zu weiteren Oxidationsmitteln gibt es in geeigneten Lehrbüchern, z.B.

  • J. March, Advanced Organic Chemistry (Bisher ist leider so gut wie jede neue Auflage in einem anderen Verlag erschienen.)
  • R. Brückner, Reaktionsmechanismen, Spektrum Verlag

 

Diazomethan > Trimethylsilyldiazomethan
Trimethylsilyldiazomethan gilt als sicherer handhabbar als Diazomethan selbst. Es wird als gebrauchsfertige Lösung in Hexan oder Diethylether verkauft - die aktive Komponente muss also gar nicht erst in situ hergestellt werden, wie dies bei Diazomethan selbst der Fall ist. Vor allem besitzt dieses Derivat keine Explosionsneigung. Allerdings ist die Substanz ebenfalls krebserzeugend und ein starkes Atemgift. Überdies ist die Substanz extrem teuer: Für 25 ml der etherischen Lösung zahlt man etwa 40 €. Selbst herstellen kann man es nach einer Vorschrift in Org.Synth.,Coll.Vol.8, 612. Eine ausfühliche Gegenüberstellung zwischen Diazomethan und Trimethylsilyldiazomethan findet man in einem Bericht der Eastman-Company.

 

Dimethylsulfat > Iodmethan > Methylsulfonate > Dimethylcarbonat
Kräftige Methylierungsmittel stehen grundsätzlich unter dem Verdacht krebserzeugend zu sein. Auch Iodmethan hat man einmal so eingestuft, dies jedoch wieder zu einem Verdacht zurückgenommen. In der Regel sollte es unproblematisch sein, das sicher krebserzeugende Dimethylsulfat durch das nur unter diesem Verdacht stehende Iodmethan zu ersetzen. Den Ersatz bezahlen Sie allerdings mit einem auf molare Mengen umgerechnet fünffachen Preis! Außerdem hat das Iodmethan bei 20 °C schon einen Dampfdruck von 438 mbar, das Dimethylsulfat dagegen lediglich 0,6 mbar! Ist die Methylierungs-Reaktion exotherm, besteht die Gefahr, dass das Iodmethan aufsiedet (Kp. = 42 °C). Ob eine Substitution vor diesem Hintergrund sinnvoll ist, muss im Einzelfall abgewogen werden.

Alkylsulfonsäureester sind bekanntlich gute Alkylierungsmittel. Am bekanntesten sind Tosylate (4-Toluolsulfonat). Daneben gibt es z.B. auch Brosylate (4-Brombenzolsulfonat), Nosylate (4-Nitrobenzolsulfonat) und Mesylate (Methansulfonat). Die entsprechenden Methylester haben allerdings keine Legaleinstufung. Die Einstufungen des Gefahrenpotenzials variieren deshalb je nach Hersteller etwas.

Methyltosylat ist kommerziell gut erhältlich. Auf molare Mengen bezogen liegt der Preis leicht unter dem des Iodmethans. Vor allem aber hat es mit 292 °C einen erheblich höheren Siedepunkt und nur ein moderates akut toxisches Potenzial. Vom Sicherheitsstandpunkt aus ist es damit dem Iodmethan klar überlegen.

Methylmethansulfonat ist, da selbst krebserzeugend, vom Sicherheitsstandpunkt aus kein brauchbarer Ersatzstoff. Andere Sulfonsäuremethylester sind schwerer und nur zu extrem hohen Preisen oder gar nicht kommerziell erhältlich.

Lange Zeit ist Dimethylcarbonat als Ersatzstoff angepriesen worden. Das Dimethylcarbonat ist sogar noch ein klein wenig preiswerter als Dimethylsulfat. Aber es ist auch ein deutlich schwächeres Alkylierungsmittel. Die Reaktionsbedingungen müssen also entsprechend drastischer sein und manche Substrate reagieren auch gar nicht. Fazit: Sie müssen in die Literatur schauen, was geht und was nicht, z.B.

  • M. Lissel u.a. Kontakte (Merck, Darmstadt) 1990(1),20
Sind der Literatur keine eindeutigen Voraussagen zu entnehmen, so lohnt es, den Ersatz auszuprobieren. Das kann z.B. auch vorteilhaft durch eine Bearbeitung im Praktikum erledigt werden.

 

Ethidiumbromid
Ethidiumbromid wird im biochemischen Labor zur Anfärbung von Nukleinsäuren verwendet. Es hat keine Legaleinstufung. Die Senatskommission der DFG vermutet ein krebserzeugendes und ein erbgutveränderndes Potential. Anbieter dieser Substanz versuchen, durch Konfektionierung als Tablette oder als fertige Lösung das Gefahrenpotential für den Anbieter zu mindern. Es ist bekannt, dass das Ethidiumbromid auch aus der fertigen Lösung Latexhandschuhe zu durchdringen vermag und deshalb die Verwendung von Nitrilhandschuhen geboten ist.

Schon der WIKIPEDIA-Artikel zu Ethidiumbromid nennt einige Alternativ-Farbstoffe. Auch die Firma BIOTIUM bietet "GelRed" und "GelGreen" als Alternativ-Farbstoffe an und beschreibt sogar Funktionsvorteile dieser Farbstoffe. Das entsprechende Sicherheitsdatenblatt dieser Alternativen ist (noch) sehr datenarm, enthält aber immerhin die verbale Aussage, dass bei diesen Stoffen (bisher) keine kmr-Aktivität beobachtet wurde.

 

Kristallviolett > Ethylviolett
Die Darstellung von Kristallviolett ist wegen dessen enormer Farbwirkung seit jeher ein beliebter Praktikumsversuch gewesen, um die Praktikanten zu sauberem Arbeiten anzuhalten. Leider hat sich zwischenzeitlich herausgestellt, dass Michlers Keton als gebräuchliches Edukt krebserzeugend ist. Statt Kristallviolett kann man aber nach exakt der gleichen Vorschrift (Siehe FU Berlin, Versuch 6-10) auch das Ethylviolett herstellen lassen. Die hierzu benötigten Edukte Michlers Ethylketon und Diethylanilin haben beide eine Legaleinstufung, die keinerlei krebserzeugendes Potenzial ausweist.

 
Hexamethylphosphorsäuretriamid
(HMPT oder HMPTA)
 >  1,3-Dimethyl-2-imidazolidinon
(Dimethylethylenharnstoff DMEU)
 >  1,3-Dimethyltetrahydro-2(1H)-pyrimidinon
(Dimethylpropylenharnstoff DMPU)
 >  Dimethylsulfoxid
 >  1-Methyl-2-pyrrolidon
(NMP)
 >  Sulfolan

Verschiedene Autoren haben über den erfolgreichen Austausch von Hexamethylphosphorsäuretriamid gegen die beiden Harnstoffderivate berichtet. Eine systematische Untersuchung gibt D.Seebach in

  • D.Seebach,R.Henning,T.Mukhopadhyay, Chem.Ber. 115,1705-1720(1982)

Anwender der alternativen Harnstoffderivate finden sich z.B. in

  • C.J. Gilmore, D.D. MacNicol, A. Murphy, M.A. Russel, Tetrahedron Lett. 24,3269-3272(1983)
  • U. Schöllkopf, R. Lonsky, Synthesis, 675-676(1983)
  • A.R. Bassindale, T. Stout, Tetrahedron Lett.,26,3403-3406(1985)
  • U. Schöllkopf, R. Lonsky, Synthesis, 675-676(1983)
  • T. Mukhopadhyay, D. Seebach, Helv.Chim.Acta,65,385-391(1982)

Auch die Firma Merck berichtet über die Möglichkeiten eines Austauschs:

  • MS-INFO 84-2
  • Merck-Spectrum 2/86, 39 und 2/85, 20
Der Umstieg wird einem hier ziemlich leicht gemacht: Hexamethylphosphorsäuretriamid ist nicht mehr so einfach überall zu kaufen und wenn doch, ist es mit 50,- € für 100 g teurer als die angegebenen Ersatzstoffe. Ob der Ersatz möglich ist oder nicht, bleibt dennoch eine Einzelfallentscheidung.

 
Methoxymethylchlorid
(MOM-Cl; Chlormethyl-methylether)
 >  (2-Methoxyethoxy)-methylchlorid
(MEM-Cl)
 >  (2-Chlormethoxyethyl)-trimethylsilan
(SEM-Cl)

Methoxymethylchlorid ist das Reagenz zur Einführung der MOM-Schutzgruppe. Die Substanz gilt als sehr stark krebserzeugend für den Menschen, wobei es noch etwas strittig ist, ob diese Wirkung durch enthaltenen Bis(chlormethyl)ether verursacht oder nur noch weiter gesteigert wird. Nähere Angaben zum Wirkpotential siehe gesonderte Informationen. Die Verbindung siedet bereits bei 59 °C und hat damit ein hochgradig gefährliches Freisetzungspotenzial. Nach Anhang II der GefStoffV muss Methoxymethylchlorid in geschlossenen Anlagen hergestellt oder verwendet werden.

Methoxymethylchlorid ist käuflich nicht erhältlich und muss deshalb selbst hergestellt werden. Die über 100 Jahre alte klassische Synthese aus Chlorwasserstoff, Formaldehyd und Methanol liefert als Nebenprodukt beträchtliche Mengen des Bis(chlormethyl)ethers, der sich destillativ nicht vollständig abtrennen lässt. Lässt sich die Verwendung des Methoxymethylchlorids nicht vermeiden, so kann man wenigstens modernere Synthesen verwenden, bei denen kein Bis(chlormethyl)ether als Nebenprodukt entsteht, z.B. durch Herstellung aus aus Säurechloriden und Dimethoxymethan. Siehe

  • R.J. Linderman, M. Jaber, B.D.Griedel J. Org. Chem 59,6499-6500(1994)
  • M. Reggelin, S.Doerr Synlett 1117(2004)

Auch reines Methoxymethylchlorid entwickelt beim Stehenlassen Bis(chlormethyl)ether als Zersetzungsprodukt.

(2-Methoxyethoxy)-methylchlorid ist ebenfalls krebserzeugend. Die Tatsache, dass Informationen über diesen Stoff spärlicher sind und er insbesondere nicht in Anhang II der GefStoffV erwähnt ist, darf nicht dazu führen, sich in falscher relativer Sicherheit zu wiegen, denn es handelt sich um eine weltweit nur in Kleinstmengen zu Forschungszwecken hergestellte Chemikalie, deren toxisches Potenzial deshalb noch keine offizielle Stelle interessiert hat. Obwohl ebenfalls krebserzeugend, gibt es aber zwei gesicherte Vorteile: Die Substanz ist hochsiedend (50 - 52 °C / 13 mm) und sie ist käuflich erhältlich.

(2-Chlormethoxyethyl)-trimethylsilan ist demgegenüber nicht krebserzeugend. Auch diese Substanz kann man kaufen, sie ist mit etwa 40 €/ g jedoch sehr teuer.

Je komplizierter das Syntheseproblem, umso maßgeschneiderter müssen die Schutzgruppenreagentien sein. Pauschale Substitutionsempfehlungen können deshalb hier nicht gegeben werde. Ausgiebige Information in einschlägigen Lehrbüchern ist unerlässlich. (z.B. T.W. Greene, P.G.M. Wuts, Protective Groups in Organic Synthesis, Whiley)

 
N-Nitroso-N-methylharnstoff  >  Diazald
(N-Methyl-N-nitroso-4-toluolsulfonsäureamid)

N-Nitroso-N-methylharnstoff dient zur Herstellung von Diazomethan. Auch Diazomethan ist krebserzeugend und gilt obendrein als explosiv bei Kontakt mit rauhen (Schliffverbindungen) oder spitzen (Kristalle) Oberflächen. Zumindest als Ersatz für den krebserzeugenden Nitrosomethylharnstoff, den man früher auch noch meist selbst hergestellt hat, kann das kommerziell erhältliche Diazald verwendet werden. 100 g Diazald kosten ca. 60 €. Auch isotopenmarkiertes Diazald ist kommerziell erhältlich. Aldrich gibt im Katalog eine Fülle von Literaturhinweisen zur Verwendung. Diazomethan kann darüber hinaus durch Trimethylsilyldiazomethan ersetzt werden.

 
Phenolphthalein  >  Thymolphthalein

Phenolphthalein kennen wir schon aus Schulzeiten als 'Brot- und Butterindikator'. Es hat aber 2009 eine Legaleinstufung bekommen, die diesen Stoff nunmehr als krebserzeugend (EU-K2), sowie möglicherweise mutagen (EU-M3) und reproduktionstoxisch (EU-RF3) ausweist. Zwar enthalten fertige Indikatorlösungen so wenig Indikator, dass es denkbar ist, nur noch mit Konzentrationen zu arbeiten, die unter die Grenzkonzentration fallen, die für Phenolphthalein auf 1 % festgelegt ist. Es muss aber jemanden geben, der diese Lösung ansetzt! Wer auf einen Farbumschlag farblos/rot nicht angewiesen ist und auch mit farblos/blau zurechtkommt, kann den Indikator durch Thymolphthalein ersetzen, welches derzeit nicht als Gefahrstoff eingestuft ist. Der Umschlagsbereich ist fast gleich (9,4 - 10,6 statt 8,2 - 10,0) und der 3-fach höhere Preis fällt bei den geringen verwendeten Mengen wohl nicht ins Gewicht. Phenolphtalein war vor 2009 allerdings auch nicht als Gefahrstoff eingestuft. Also stellt sich die Frage, ob der Ersatz nicht nur Augenwischerei ist, da das Thymolphalein ein sehr ähnliches Molekül ist und es sein könnte, dass man von diesem Stoff die Gefährdungseigenschaften nur noch nicht gut genug kennt. Der Unterschied besteht aber in Alkylseitenketten, die im allgemeinen das kmr-Potential zurückdrängen. Vom Thymolphthalein eine geringere Gefährdung zu erwarten ist also eine vernünftige Annahme.

 
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Als Folge des derzeitigen Wechsels von der bisherigen EU-Einstufung von Chemikalien auf das neue 'Global Harmonised System' gibt es auch in diesem Angebot im Augenblick ein Nebeneinander von Angaben nach beiden Einstufungen. Dem Grad der Umstellung folgend wird dieses Angebot immer wieder angepasst, wobei die alten Einstufungen zugunsten des GHS nach und nach verschwinden werden.
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