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Letzte Überarbeitung: 17.04.2012

 

Arbeitsplatzgestaltung

Hygiene

Die Gefahrstoffverordnung definiert in § 8 'Allgemeine Schutzmaßnahmen' zum Umgang mit Gefahrstoffen. Nicht von ungefähr zählt dazu vor allem die Hygiene.

verdreckter Arbeitsplatz

Wenn Sie Mitarbeiter sind und Ihr Arbeitsplatz sieht aus wie auf dem Foto, dann sollten Sie dass Arbeiten überhaupt, insbesondere aber das Arbeiten mit kmr-Stoffen sofort einstellen. Solche Verhältnisse werden gern mit der "intensiven Tätigkeit" begründet, näheres Hinsehen offenbart, das meist die Faulheit zum Aufräumen die wahre Ursache ist. Es gibt 3 Probleme:

  • Wenn der Frontschieber im Bild unbedacht heruntergezogen wird, sind die beiden braunen Flaschen im Vordergrund zerdeppert. Und weil der Nutzer sich das meistens merkt, bleibt der Frontschieber meistens oben. Mit offenem Frontschieber sieht der Abzug aber nur noch schick aus und ist keine Schutzeinrichtung mehr.
  • Wenn irgendetwas verschüttet wird oder verspritzt wird, sind alle Hundert Teile im Abzug innen, außen - wer weiß das schon - kontaminiert. Der Reinigungsaufwand ist enorm!
  • Die Strömungsverhältnisse im vollgestellten Abzug verschlechtern sich.
Abzug leer
Luftströmung bei leerem Abzug
Abzug voll
Luftströmung bei vollem Abzug

Wird mit kmr-Stoffen gearbeitet, gehört nur das in den Abzug, was für den Fortgang der Arbeiten im Augenblick gerade unmittelbar gebraucht wird. Sonst nichts!

Und wenn nicht mit kmr-Stoffen gearbeitet wird ist das auch so! Nichts ist ohne Hygiene und ohne Hygiene ist alles nichts. Wer das nicht einsehen mag, braucht in diesem Angebot nicht weiter zu lesen, soll dann aber bitte auch keine Praktikanten anleiten.

 

Praktikanten handeln in der Regel in bester Absicht, müssen die Arbeitshygiene aber erst mal erlernen:

verdreckter Arbeitsplatz

Sieht es so aus wie auf dem Bild, sollten noch keine kmr-Stoffe eingesetzt werden. Anfänger verteilen zum Beispiel gern alle benutzten Geräte wahllos im Abzug, mit der Folge, dass die gesamte Fläche kontaminiert ist, anstatt die benutzten Geräte in einem Eimer oder in einer Schüssel zu sammeln. Pasteurpipetten werden falsch angefasst (nur am Hütchen) und von der in der einen Ecke stehenden Flasche über den gesamten Abzug kleckernd zu der in der anderen Ecke stehenden Apparatur bewegt oder so abgelegt, dass der angesaugte Inhalt ins Hütchen läuft. Flaschen werden beim Umfüllen frei - und bei größeren Inhalten wegen des Gewichts zitternd - über dem Trichter gehalten, anstatt sie auf dem - eingespannten - Trichter abzusetzen. Ohne Anleitung gerät das Arbeiten mit einer Spritze - gern auch gleich ganz unter Weglassen der Kanüle - zur Verzweiflungstat. Auch wenn die Reaktion hervorragend und hygienisch einwandfrei durchgeführt wurde, kann es falsch sein, die benutzten Geräte aus dem Abzug heraus zum Waschbecken zu verbringen, um sie dort ohne jeden Atemschutz zu reinigen. Da Praktikanten um ihre noch bestehenden präparativen Unzulänglichkeiten wissen, ist es beliebt, den Arbeitsplatz komplett mit schönen Deckchen aus Zellstoffbögen abzudecken. Für die Seele ist das sehr beruhigend, weil man den Dreck dann nicht mehr so gut sieht. Für die Hygiene ist das eine Katastrophe und muss deshalb rigoros gegen eine stets blitzsaubere und knochentrockene Arrbeitsfläche eingetauscht werden, auf der jedes verschüttete Milligramm sofort zu sehen ist.

Massen-Saalpraktika sind hinsichtlich der Arbeitshygiene bekanntlich besonders kritisch: Die meisten Ressourcen werden gemeinsam genutzt - und gemeinsam verdreckt. Wer auch immer von den Assistenten verdonnert wird, die Waage mal wieder zu putzen - er ist meist nicht der Urheber der Schweinerei gewesen. Man kann umgekehrt nie ganz sicher sein, welche hygienische Beschaffenheit das hat, was man gerade angefasst hat. Einführungsversuche, bei denen ein Fluoreszenzfarbstoff hergestellt wird und danach im abgedunkelten Raum mittels UV-Lampe detektiert wird, dass der Stoff jetzt "überall" verteilt ist, sind hilfreich - ebenso hat die Darstellung von Triphenylmethanfarbstoffen einen großen Lerneffekt.

Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, kmr-Stoffe erst dann einzusetzen, wenn Standardlaboroperationen hygienisch einwandfrei beherrscht werden und wenn Praktikumsstruktur und Teilnehmerzahl entsprechend übersichtlich sind, also in Fortgeschrittenen- oder Forschungspraktika. Im üblicherweise 1:1 betreuten Forschungspraktikum wird die mündliche Anleitung angemessen sein, im Saalpraktikum aber wohl eher noch das Hausskript.

Arbeitsplatz

Mit kmr-Stoffen darf gemäß Gefahrstoffverordnung bzw. der BGI/GUV-I 850-0 nur in "abgegrenzten Gefahrenbereichen" gearbeitet werden, die entsprechend gekennzeichnet sein müssen. Kleinen Arbeitsgruppen mag das schwer fallen, aber in einem Praktikum gibt es meistens einen "Stinkraum", der per definitionem über die wirksamste Entlüftung verfügen sollte. Zur Kennzeichnung der konkreten Apparatur bewährt sich einmal mehr das Hausskript, dem man leicht eine fertige Seite befügen kann, die nur noch an der Apparatur oder am Frontschieber des Abzugs befestigt werden muss. Dies "den Praktikanten nicht vorkauen wollen" heißt, dass die in Ermangelung anderer Ressourcen einen Filzstift hernehmen und die Glasscheibe des Frontschiebers vollkrakeln. Da zum Entfernen des Vollgekrakelten hinterher ebenfalls keine Ressourcen zur Verfügung stehen oder das - universitätstypisch nicht mehr so wichtig war und "vergessen" wurde, sind bald alle Abzugscheiben vollgekrakelt. Wird aber an allen Abzugscheiben vor etwas gewarnt, auch wenn die Abzüge gerade leer sind, ist die Warnung Murks!

Ressourcen

Wer mit krebserzeugenden oder erbgutverändernden Stoffen umgeht, sollte den Abzug nicht mit anderen teilen müssen. Er sollte sich auch weder um Abzug noch um die benötigten Geräte balgen müssen. Stress im Praktikum ist der Feind der Sicherheit! Nur 8 Magnetrührer für 40 Praktikanten sind keine Basis, um mit der gebotenen Ruhe experimentieren zu können. Es ist schon ein bisschen perfide, wenn man unter solchen Verhältnissen fordert, dass sich die Studierenden dann eben "organisieren" müssen. Bedenken Sie, dass es kein Mitarbeiter in dieser Weise nötig hat, sich zu "organisieren". Wenn ein Mitarbeiter einen Vakuumschlauch braucht, macht er seine Schublade auf und holt den Schlauch heraus - es ist sein Schlauch, den er kennt. Der bestens vorbereitete Praktikant bemerkt am Versuchstag, dass der Schlauch, der gestern noch am Vakuumpumpstand befestigt war, heute weg ist, weil - keiner weiß wer den gerade dringend für andere Zwecke gebraucht hat. Steht dann nicht kurzfristig ein neuer Schlauch zur Verfügung ("Tut mir Leid. Die Materialverwaltung hat jetzt gerade geschlossen.") gerät der Praktikant in Zeitdruck. Die Versuchung ist groß, die zuvor beabsichtigte Sorgfalt fallen zu lassen und den Versuch panisch zusammenzukloppen. Für den Studenten ist es immer noch - und das ist ganz natürlich - das Testat, was zählt.

Gute Assistenten sollten es bemerken, wenn ein Student unverschuldet in Nöte gerät und entsprechende Hilfen anbieten. Dazu kann es auch gehören, zum Ende des Praktikumstages nicht Punkt-Gongschlag auf Abbruch zu bestehen, sondern ein respektables Beenden der Aufgaben zu ermöglichen.

Wer keinen guten Input liefert wird auch keinen guten Output erhalten. Ist in den Forschungslaboratorien die Ansicht verbreitet, "dass die Studenten sowieso nichts können", dann liegt das ganz sicher daran, dass denen nur ein schlechtes Praktikum angeboten wurde.

Muten Sie den Praktikanten nichts zu, was Sie sich nicht auch selbst zumuten würden! Muten Sie Ihnen nicht das zu, was Sie früher an Drangsalierereien in Ihrem Studium ja schließlich auch alles haben aushalten müssen!

 
Alle gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen gegeben. Bitte lesen Sie den Haftungsausschluss!
Als Folge des derzeitigen Wechsels von der bisherigen EU-Einstufung von Chemikalien auf das neue 'Global Harmonised System' gibt es auch in diesem Angebot im Augenblick ein Nebeneinander von Angaben nach beiden Einstufungen. Dem Grad der Umstellung folgend wird dieses Angebot immer wieder angepasst, wobei die alten Einstufungen zugunsten des GHS nach und nach verschwinden werden.
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