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Organisch-chemische Grundausbildung
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T. Lehmann | Letzte Aktualisierung: 27.10.2009 | Links   

 

Trockenrohre richtig benutzen

Verwendung und Alterung

Zur Verwendung des Trockenrohres ist nicht viel zu sagen: Strömt auf der einen Seite wasserdampfhaltiges Gas ein, kommt es auf der anderen Seite wasserdampffrei wieder heraus. Die Feuchtigkeit wird im Praktikum von einer Calciumchlorid-Füllung zurückgehalten. Calciumchlorid hat eine ziemlich hohe Aufnahmekapazität für Wasser. Das Rohr tut also einige Zeit lang klaglos seinen Dienst.

Durch die Wasseraufnahme quillt das Calciumchlorid allerdings auf. Das erste Problem besteht also darin, dass ein ehemals gasdurchlässiges Trockenrohr durch den Gebrauch verstopft. Findet das Gas dann keinen anderen Weg, können gefährliche Druckerhöhungen die Folge sein! Das Trockenrohr vor Gebrauch auf Durchlässigkeit zu prüfen, ist also erste Bürgerpflicht. Das geht ganz einfach: Halten sie eine der beiden Öffnungen mit einem Zeigefinger zu und halten Sie an das andere Ende den Saugschlauch einer laufenden Membranpumpe. Spüren Sie den Unterdruck im Zeigefinger? Zischelt es, wenn Sie den Zeigefinger kurz von der Öffnung abheben? Dann ist alles in Ordnung. Spüren oder hören Sie hingegen nichts, ist das Rohr verstopft und die Füllung muss erneuert werden.

verdorbene Fuellung

Ist das Trockenrohr schon ziemlich sehr lange in Gebrauch oder hat es lange gelegen, hat das Calciumchlorid so viel Wasser gezogen, dass es schon als Salzlösung zerfließt. Hier wird nicht diskutiert, hier wird die Füllung gewechselt. Das trifft Sie besonders hart dann, wenn Sie als neue(r) Praktikant(in) hochmotiviert Ihre Grundausstattung in Empfang nehmen und feststellen müssen, dass der/die Vorgänger(in) die Müllbeseitigung freundlicherweise Ihnen überlassen hat. Aber auch wenn die Dinge sich nicht so krass verhalten: Sie kennen das Schicksal des vorgefundenen Trockenrohres nicht - und Calciumchlorid ist eine billige Chemikalie. Zum Praktikumsbeginn das Trockenrohr auf jeden Fall und aus Prinzip neu zu befüllen ist also nicht verkehrt.

Durch Wasser aufgequollenes Calciumchlorid kann panzerhart verbacken. Freiwillig kommt das dann nicht mehr aus dem Trockenrohr heraus. Es gibt jetzt 2 Optionen:

  1. Frust! (Wieso soll ich das jetzt eigentlich machen!!!!!!)
  2. Souverän agieren, indem man weiß, wie es richtig geht.
Hier das Wissen zum souveränen Agieren:

Trockenrohr ausleeren

Entfernen Sie auf einer Seite des Rohres den Stopfen. Schließen Sie auf der anderen Seite einen druckfesten PVC-Schlauch an, der seinerseits an eine Wasserleitung angeschlossen ist. Der Schlauch soll fest auf Wasserhahn und Trockenrohr sitzen. Drehen Sie jetzt vorsichtig das Wasser auf - und Schwupps!!

Das klappt immer! Was hier der filmischen Demonstration halber in eine Kristallisierschale entleert wird, können Sie im Ernstfall getrost in ein Waschbecken laufen lassen - das Calcium erhöht dabei ein wenig die Wasserhärte und darf in diesen Mengen ohne weiteres ins Abwasser entsorgt werden. Halten Sie trotzdem Pinzette oder Tiegelzange bereit, denn aus dem Rohr flutschen auch 2 Wattepfropfen oder - wenn Ihr Vorgänger gewissenhafter war - 2 Glaswollepfropfen, die möglichst nicht im Ausguss verschwinden sollen. Greifen Sie Schlauch + Trockenrohr mit Ihrer rechten Hand (Linkshänder mit Links) so, dass Sie beide Teile möglichst fest zusammenhalten. Halten Sie das Trockenrohr so, dass die freie Öffnung senkrecht nach unten zeigt. Die freie Hand ist für Wasserhahn und Pinzette zuständig.

Trockenrohr neu füllen

Was Sie brauchen:

neue Fuellung

  • Frisches Calciumchlorid
  • Glaswolle
    Die Glaswolle wird als Propfen für beide Enden benötigt und soll verhindern, dass das Trockenmittel herausrieselt. Gewöhnliche Watte ist zwar hautfreundlicher - und dummerweise gibt es die sogar im Assistentenraum, aber es gibt im Praktikum auch ein paar Versuche, in denen Halogenwasserstoffgase durch das Trockenrohr geleitet werden müssen. Watte quittiert das mit hässlicher Zersetzung zu einer stinkenden schwarzen Masse. Die Glaswolle ist also doch besser. Nehmen Sie es auf sich, das einzige Glaswollegefäß, das im Praktikum vorhanden und mal wieder irgendwohin verschleppt worden ist, zu finden.
  • Das Trockenrohr selbst
  • Einen Spatel zum Einfüllen des Calciumchlorids. (Am besten den Löffelspatel)
  • Einen Glasstab, um die Glaswolle ins Rohr zu stopfen
  • Eine Tiegelzange (oder Pinzette), um die Glaswolle zu greifen. Vielen macht es nichts aus, Glaswolle mit den Fingern anzufassen. Glaswolle kann aber bei empfindlicher Haut zu Reizerscheinngen führen. Die feinen Fasern können überdies durch die Luft fliegen und eingeatmet werden. Der Abzug ist also der richtige Ort für das Geschehen.
  • Eine Schere (optional zum Schneiden der Glaswolle.)

Los geht's!

Glaswollepfropfen

Zuerst wird eine für einen der beiden Pfropfen passende Menge Glaswolle aus dem Vorrat gezupft und wenn es mit der Menge nicht so recht klappen will, auch mit der Schere geschnitten.

Glaswollepfropfen

Rein damit in das trockene (!) Trockenrohr, von dem Sie zum Einfüllen eine der beiden Kappen entfernt haben und mit dem Glasstab die Glaswolle zu einem Pfropfen zusammengeschoben. Wenn sich ein paar Fasern dem Glasstab widersetzen, lohnt kein längerer Kampf, dann bleiben diese Fasern eben dort wo sie sind. Kurze Fasern sind williger als lange. Die Schere ist also auch ein gutes Mittel, die Fasern gefügig zu machen. Nehmen Sie nicht zu wenig Glaswolle! Der Propfen kann ruhig 1 bis 2 Zentimeter dick sein.

Calciumchloridfuellung

Jetzt wird das Calciumchlorid hineingelöffelt. Es ist wichtig, nur körniges Calciumchlorid zu verwenden, damit das Rohr nicht so leicht verstopft. Nehmen Sie also kein Calciumchloridmehl, was ganz zum Schluss in einem fast leeren Vorratsgefäß übrig bleibt!

Glaswollepfropfen

Jetzt noch einmal Glaswolle hinterher und auch diese Glaswolle wird zu einem Pfropfen zusammengeschoben.

Trockenrohr

Und fertig!

Glaswollereste

Wenn man mit Glaswolle hantiert, bleiben immer Reste kleiner Flusen auf der Arbeitsfläche, die wieder aufgewirbelt werden und nachfolgenden Arbeitsplatznutzern auf die Haut oder in die Lunge geweht werden können. Man sieht die Flusen oft nur in einer bestimmten Blickrichtung richtig. Sie nehmen also prophylaktisch einen Lappen und wischen die Arbeitsfläche feucht ab. Tragen Sie dabei Handschuhe, damit Sie sich die Fasern nicht selbst in die Haut treiben.