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Organisch-chemische Grundausbildung
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T. Lehmann | Letzte Aktualisierung: 26.10.2009 | Links   

 

Spritzentechnik zum Arbeiten unter Inertgas

Grundtechniken Ausblick

 

Inertgastechnik mit (Arbeitsgruppen-)Komfort.

Rechen Beim Arbeiten unter Schutzgas entsteht schnell das Problem, mehrere Gefäße nebeneinander im beständigen Wechsel entweder evakuieren oder mit Inertgas befüllen zu müssen. Vorteilhaft werden dazu Verteilerbänke (sogenannte "Rechen") verwendet. Mittels Hähnen mit schräg gebohrten Küken kann dazu aus entsprechenden Versorgungsleitungen wahlweise Vakuum oder Inertgas in die Reaktionsgefäße geleitet werden. Die Abbildung links zeigt einen kleinen Rechen, der im Praktikum verwendet wird. Forschungsabteilungen verwenden Rechen, die auch schon mal 10 solcher "Zapfstellen" enthalten können. 
Kanülendraht Kanülendraht gibt es in mannigfaltigen Durchmessern und fast beliebigen Längen. Außerdem kann man den Kanülendraht auch ohne den (Luer-)Stutzen zum Anschluss an eine Spritze, sondern stattdessen beidseitig scharf angeschliffen kaufen. Ein beidseitig spitz geschliffener Kanülendraht von z.B. 60 cm Länge kann in die Septen zweier Gefäße gestochen werden und so z.B. das Umpumpen von Flüssigkeiten ermöglichen. In der Abbildung wird dazu der linke Kolben unter schwachen Überdruck gesetzt. Damit die umgepumpte Flüssigkeit in den rechten Kolben einlaufen kann, ist dort eine leere Kanüle zum Druckausgleicht hineingestochen.
Dreiwegehahn Dreiwegehähne erleichtern das Arbeiten unter Inertgas. In der Abbildung ist links ein Kolben mit einem Dreiwegehahn luftdicht verschlossen. Zur Entnahme von Flüssigkeiten wird am seitlichen Stutzen eine Inertgasversorgung angeschlossen und oben ein Septum aufgesetzt. Bei entsprechender Stellung des Dreiwegehahns kann der Kolben unter Überdruck gesetzt werden und gleichzeitig eine Kanüle durch die Bohrung des Kükens bis zur Flüssigkeit vorgeschoben werden. Vorteil: Das Septum ist nur zur Entnahme erforderlich und kann bei einem Defekt leicht gewechselt werden ohne dass der Kolbeninhalt der Luft ausgesetzt wird.

Selbstentzündliche Chemikalien

Luer-Lock Das Arbeiten mit Chemikalien, die sich an der Luft von selbst entzünden, ist die Königsdisziplin beim Umgang mit Spritzen. Ein Fehler kann tödlich sein!

Gefürchtet ist das Verstopfen der Kanüle. Gerade reaktive metallorganische Verbindungen bilden gern anorganische Hydrolyseprodukte, die die Kanüle verstopfen. Wer dann einfach kräftig drauf los drückt, kann die ja nur aufgesteckte Kanüle von der Spritze absprengen. Die reaktive Mischung schießt dann mit Wucht vorn heraus und entzündet sich sofort.

Davor schützt eine Spritze mit einem sog. 'Luer-Lock'-Anschluss. Die Kanüle wird auf diesen Anschluss nicht einfach nur gesteckt sondern hineingedreht. Der Anschluss enthält dazu ein genormtes Innengewinde, in die alle gängigen Kanülen hineingedreht werden können - egal, ob sie nur zwei oder sogar vier 'Nasen' haben, die in das Gewinde greifen. (Siehe Abbildung)

Metallkolbenspritze Immerhin führt das Absprengen der Kanüle dazu, dass man eine Art Flammenwerfer in der Hand hat, die Flammen also vom Körper weggerichtet sind. Verstopft die Kanüle beim Ansaugen und versucht man, den Wiederstand durch starkes Ziehen des Kolbens zu überwinden, kann es sein, dass man den Kolben aus der Spritze herausreißt. Der Inhalt schießt dann auf den Körper und fängt dort an zu brennen.

Einwegspritzen haben den Vorteil, dass der Plastikkolben nicht sehr leichtgängig ist. Es gibt überdies am Ende der Spritze eine kleine Verdickung, die den Kolben am spontanen Herausgleiten hindert. Diese Sicherung kann mit der Hand jedoch leicht überwunden werden. Verhindern kann man das mit Metallkolbenspritzen, die am rückwärtigen Ende eine Schraubkappe haben, die das Herausgleiten des Kolbens verhindert. Die abgebildete Metallkolbenspritze hat zusätzlich Ösen für die Finger, so dass die Spritze mit einer Hand bedient werden kann. Metallkolben haben leider den Nachteil, dass Sie gegenüber sehr dünnflüssigen Substanzen nicht ganz dicht sind. Das kann wiederum zum Festbacken des Kolbens führen, wenn z.B. metallorganische Verbindungen auf der 'Luftseite' des Kolbens hydrolysieren. Auch dafür gibt es Abhilfe in Form sog. 'gasdichter Spritzen', die statt des Metallkolbens einen Kolben aus Teflon enthalten. Dann sind die Spritzen aber nicht mehr teuer, sondern sehr sehr teuer.

Halten wir fest: Das Hantieren selbstentzündlicher Substanzen ist auch bei Verwendung von Spritzen heikel! Wie man das richtig macht, kann man sich nicht mal eben anlesen, sondern es bedarf einer ausführlichen praktischen Anleitung und kann also nicht Gegenstand dieses WEB-Angebots sein. Ob eine Substanz selbstentzündlich ist oder nicht, ist auch eine Frage der Konzentration. n-Butyllithium ist eine per se selbstentzündliche Substanz, wird im Praktikum jedoch in Konzentrationen eingesetzt, die sich an der Luft nicht spontan von selbst entzünden.