Eine Ölpumpe verwendet man nicht, weil das "Vakuum besser" ist als bei einer Membranpumpe, oder aus
Verlegenheit, weil gerade keine andere Pumpe da ist, sondern weil man das höhere Endvakuum der
Ölpumpe benötigt. Zwischen Membran- und Ölpumpe gibt es folgende Unterschiede im Endvakuum.
minimal erreichbarer Druck (mbar)
typischer Druck (mbar)
Membranpumpe
15
30
Ölpumpe
0,01
0,1
Die als "typisch" angegebenen Enddrücke sind typische Enddrücke der Pumpen des Praktikums, die
durch Alterung und mit Verlaub: Auch durch manchen Bedienungsfehler etwas schlechter sind, als im Neuzustand.
Zurück zur Frage, welche Pumpe die richtige ist:
Siedetemperaturen sind vom Druck abhängig. Ist der Druck zu niedrig, kann es
passieren, dass
die Substanz bei Raumtemperatur bereits gasförmig ist. Eine Substanz destilliert dann gar nicht mehr,
sondern verabschiedet sich in die Pumpe. Das wollen Sie aber nicht! Somit gibt es bei einer Destillation nicht das
"bessere" oder das "schlechtere" Vakuum, sondern nur ein geeignetes oder ein ungeeignetes
Vakuum. Um herauszubekommen, welches Vakuum geeignet ist, können Sie z.B.
das Druck-/Siedediagramm des "Organikums" verwenden.
Verwenden Sie eine Ölpumpe nur dann, wenn es notwendig ist! Sie ist komplizierter zu handhaben und
sie ist empfindlicher als eine Membranpumpe. Eine Ölpumpe zum Absaugen zu verwenden, würde an
groben Unfug grenzen.
Zur Beachtung
Es ist sehr schön, wenn das Manometer an der Pumpe Ihnen ein superniedriges Ultrahochvakuum anzeigt.
Dennoch ist es sicher, dass der Druck in der Apparatur bedeutend schlechter ist. Im
Ölpumpenvakuum ist die mittlere freie Weglänge der Moleküle schon so groß, dass sich
solche Drücke nur mit Rohrleitungen mit großem Querschnitt "weiterleiten" lassen. Lesen Sie dazu
die Angaben zum Druckverlust und minimieren Sie den Fehler, in dem Sie
alle Anschlussleitungen so kurz wie möglich halten und enge Querschnitte vermeiden.
Zum Nachdenken:
Stimmt es, dass die Implosionsgefahr einer mit einer Ölpumpe evakuierten Apparatur erheblich größer
ist, als bei Verwendung einer Membranpumpe, weil das Endvakuum - wie obige Tabelle zeigt - etwa um den Faktor 1000
niedriger ist?