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Organisch-chemische Grundausbildung
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T. Lehmann | Letzte Aktualisierung: 09.12.2008 | Links   

 

NMR-Spektren

Lösung ansetzen

Problem:
Von einer Substanz soll ein NMR-Spektrum aufgenommen werden und es ist Ihre Aufgabe, dazu eine Lösung herzustellen und in ein NMR-Röhrchen einzufüllen.

 
Utensilien     Sie brauchen:
  1. Eine Flasche mit ganz normalem (billigen) Chloroform
    (Ev. auch DMSO)
  2. Eine Flasche mit deuteriertem (teuren) Chloroform
    (Ev. stattdessen DMSO-d6)
  3. Zwei kleine Gläschen
    (Das können auch Reagenzgläschen sein.)
  4. 3 Pipetten
  5. 1 Pipettenhütchen
  6. Das NMR-Röhrchen
  7. 1 Auftragszettel

Sie sollten bei der weiteren Arbeit ein wenig daran denken, dass Chloroform nach der TRGS 905 bei der Verwendung als krebserzeugend (K2) zu gelten hat.

 
testen Zuerst nehmen Sie das billige "normale" Chloroform und testen die Löslichkeit der Substanz. Deuteriertes Chloroform ist um ein Vielfaches teurer als "normales" Chloroform und wird deshalb nicht für Löseversuche verplempert. Unter den deuterierten Lösemitteln ist Chlorform dennoch relativ das preiswerteste und verfügt gleichzeitig über ausgezeichnete Lösungseigenschaften. Es ist deshalb das Lösemittel erster Wahl, wenn ein NMR-Spektrum aufgenommen werden soll. Auf diesen Löslichkeitstest sollten Sie nur dann verzichten, wenn aus Vorversuchen die Löslichkeit der Substanz schon bekannt ist. Verlief der Löslichkeitstest erfolgreich, fahren Sie mit dem nächsten Schritt fort. Andernfalls testen Sie die Löslichkeit im nächst preiswertem Lösemittel: Das ist Dimethylsufoxid (DMSO). In einem Milliliter sollten sich etwa 30 mg lösen. Die verwendete Pipette hat erst mal ausgedient. Legen Sie sie am besten ganz weit weg.
 
Niederschlag Lösen Sie etwa 30 mg in dem als geeignet ermittelten Lösemittel. Warum das in der nebenstehenden Abbildung so kompliziert aussieht, hat folgenden Grund:

Die Flasche mit dem deuterierten Lösemittel ist heilig!

Für eine präparative Nutzung wäre es fast immer egal, wenn an der Pipettenspitze beim Einpipettieren des Lösemittels in das Probengläschen eine kleine Spur der Substanz hängen bleibt und beim erneuten Eintauchen in den Lösemittelvorrat dorthin verschleppt wird. Das hier erfordert aber eine analytische Reinheit!

Sie wollen bei Ihrem Spektrum nicht über komische Banden rätseln, die eigentlich gar nicht zu Ihrer Substanz gehören sondern von den 3 Dutzend Vorgängern eingeschleppt worden sind! Also sorgen auch Sie dafür, dass Sie Ihren Nachfolgern keine unerwünschten Geschenksendungen hinterlassen!!

Stecken Sie in das Gläschen mit der Substanz eine saubere Pipette (ohne Hütchen) und benutzen Sie diese Pipette als Trichter! Damit die ganze Konstruktion nicht umkippt, können Sie die "ich-bin-jetzt-ein-Trichter" Pipette wie nebenstehend ersichtlich, mit einer Stativklemme fixieren. Die supersaubere Pipette, die Sie benutzen, um das Lösemittel zu transferieren, kennzeichnen Sie sich bitte als "Nur-ich-darf-in-die-Voratsflasche-eintauchen" Pipette.

 
umfüllen Jetzt wird die erhaltene Lösung umgefüllt.

Achtung! Pipettenwechsel!

Die heilige "Nur-ich-darf-in-die-Voratsflasche-eintauchen" Pipette wird ihres Hütchens beraubt und an einem sauberen sicheren Ort deponiert. Der Umfüllvorgang erfolgt mit der "gerade-eben-war-ich-noch-ein-Trichter" Pipette.

Füllen Sie nur vollkommen klare Lösungen in das NMR-Röhrchen. Wenn sich nicht alles gelöst hat, müssen Sie filtrieren. Wenn in dem NMR-Röhrchen irgendetwas herumschwimmt, wird Ihr Spektrum mieserabel. Verlassen Sie sich darauf, dass Ihr Spektrum dann mieserabel wird!

 
auffüllen Halten Sie den Auftragszettel an das NMR-Röhrchen, wie in nebenstehender Abbildung ersichtlich. Der Zettel hat links einen schwarzen Balken, der Ihnen die erforderliche Füllhöhe des Röhrchens angibt. Es kommt dabei nicht auf Zehntelmillimeter an. Aber auf +/- 5 mm genau sollten Sie es schon schaffen. Wenn noch Lösemittel ergänzt werden muss:

Achtung! Pipettenwechsel!

Den Lösemitteltransfer machen Sie wieder mit der "Nur-ich-darf-in-die-Voratsflasche-eintauchen" Pipette, und die eben noch zum Transfer der Lösung verwendete Pipette wird wieder zur "Mist!-Jetzt-darf-ich-schon-wieder-bloß-Trichter-sein" Pipette.

 
beschriften Das NMR-Röhrchen wird zugestöpselt. Kennzeichnen Sie es mit einer Beschriftung, die identisch mit dem Eintrag auf dem Auftragszettel ist. Das kann z.B. die Versuchsnummer sein. Bringen Sie die Kennzeichnung oben an, sonst erhalten Sie ein Filzstiftspektrum.
 
Röhrchen an den Auftrag pappen Irgendwie müssen Sie jetzt das Röhrchen an dem Auftragszettel befestigen. Mit Tesa-Film würden Sie sich sehr unbeliebt machen, denn man müsste das für die Messung wieder auseinanderfummeln und wenn vom Klebstoff etwas am Röhrchen haften bleibt ... siehe oben unter Kennzeichnung.

Gott sei Dank sind die Röhrchen ja aber extra so erfunden worden, dass Sie durch die von einem gewönlichen Locher erzeugten Löcher passen. Oben rein und unten wieder raus - das hält prima fest und lässt sich andererseits auch ganz leicht wieder trennen. Gegen das Versprechen, ein Superprotokoll zu schreiben, dürfen Sie auch mal den Assistentenlocher benutzen. Im Bild sehen Sie noch einmal die Stellen, die auf Röhrchen und Auftragszettel identisch beschriftet sein sollen. Füllen sie auch den Rest des Auftrags gewissenhaft aus.

 
Röhrchen an den Auftrag pappen Wenn Ihnen gerade nicht danach ist, Versprechungen zu machen, oder wenn im ganzen Praktikum und überhaupt kein Assistent mit Locher aufzutreiben ist, dann können Sie sich auch wie folgt unabhängig machen: Kniffen Sie den Auftragszettel parallel zum Rand und reißen Sie an der Kante an zwei verschiedenen Stellen ein ganz klein wenig ein (a). Nach dem Auseinanderfalten erhalten Sie zwar kein Löcher, aber dafür zwei kleine Schlitze (b) in die man das Röhrchen genauso gut hineinstecken kann.

Das Probenröhrchen sieht bedeutend unscheinbarer aus als die Rechnung, die man für neue Röhrchen bezahlen muss. Es lohnt sich also, die Röhrchen wiederzuverwenden.

  • Nach der Messung bringen Sie bitte deshalb das Probenröhrchen unverzüglich wieder zurück! Entleeren Sie als erstes den Inhalt und spülen Sie gut mit Aceton durch! Eingetrocknete Rückstände sind nur mit erheblich größerem Aufwand wieder zu entfernen.
  • Das derart vorgereinigte Röhrchen händigen Sie bitte Ihrem Assistenten aus, der Ihnen dafür im Gegenzug Ihr Spektrum anfertigt.

Sie bekommen von der Messabteilung nämlich gar kein ausgedrucktes Spektrum. Vielmehr stellt die Messabteilung nur die Rohdaten im Netz zur Verfügung, aus denen dann mit einer speziellen, auch den Assistenten zur Verfügung stehenden Software das Spektrum generiert wird.