Aus früheren Praktika sollten Sie schon wissen, dass man eine Chemikalienflasche beim Ausgießen immer
am Etikett greift. Das Etikett befindet sich dadurch beim Gießvorgang auf der Flaschenoberseite und der beim
Absetzen herunterlaufende Tropfen läuft nicht über das Etikett. Vorteile:
Das Etikett bleibt heil
Die Etikettenseite der Flasche ist als stets saubere Seite vereinbart
Wird eine leichtflüchtige Substanz ausgegossen, ist auch eine durch den letzten Tropfen außen
kontaminierte Flasche nach kurzer Zeit wieder außen sauber.
Manchmal gibt es aber Probleme:
Die Substanz ist ölig und persistiert also länger oder zersetzt sich an der Luft leicht zu
klebrig-harzigen Rückstänen (z.B. Anilin).
Bevor ein letzter Tropfen die Außenwand der Flasche herunterlaufen kann, verfängt er sich
erst einmal in den Gewindegängen für den Deckel.
Wenn Sie jetzt den Deckel auf das feuchte Gewinde schrauben,
ist die im Gewinde befindliche Substanz nicht gegen die Laborluft abgedichtet und kann aus den
Gewindegängen allmählich verdunsten. Eine stinkende Chemikalie (z.B. Pyridin) müffelt so
weiterhin aus der Flasche, obwohl diese dicht verschlossen ist. Auch Gifte können ungehindert in die
Raumluft verdampfen.
Nicht luftbeständige Substanzen können durch die gebildeten harzigen oder festen
Röckstände zum Festbacken des Deckels führen, den Sie dann nicht mehr aufgeschraubt bekommen.
(Beispiel: Zu Benzoesäure oxidierter Benzaldehyd)
Hersteller schützen bei korrosiven Chemikalien den Kunststoffdeckel, indem Sie eine Teflonscheibe
in den Deckel einlegen (Beispiel: Chlorsulfonsäure). Diese Scheibe schützt natürlich nicht das
Gewinde, d.h.
beim Gebrauch der Flasche kommt der Flascheninhalt sehr wohl mit dem Seckel in Kontakt und kann diesen
Zerstören.
Es gibt also Fälle, wo Bereiche der Flasche nach dem Ausgießen gereinigt werden müssen.
Merke: Eine abgestellte Flasche muss außen (wieder) so sauber sein, dass man sie auch ohne Handschuhe
anfassen kann. Sie tragen bei Gebrauch also die Mitverantwortung für Ihre Nachnutzer!
Zum Abputzen kann in den meisten Fällen ein Stück Zellstoff verwendet werden, den Sie besser nicht mit der Hand,
sondern mit einer Tiegelzange festhalten. Wenn Sie die Flasche beim
Gießen mit einer Hand sicher halten können, haben Sie kein Problem. Sie haben beim Absetzen keinen
Kontakt mit herunterlaufenden letzten Tropfen und können die Reinigung in aller Ruhe nach dem Absetzen der
Flasche vornehmen.
Ist die Flasche aber groß und schwer, brauchen Sie die zweite Hand zum
Festhalten. Nicht nur, dass Sie dann den Tropfen nicht fangen können, die zweite Hand hält die Flasche
auch noch von unten! Genau dort läuft aber beim
Absetzen der letzte Tropfen entlang! Der läuft Ihnen also genau in die Hand!
Bei problematische Stoffen sollten Sie das verhindern!
Auf den nebenstehenden Abbildungen sehen Sie zwei "Erfindungen", wie man
an der Flasche eine saugende Barriere zum Auffangen des herablaufenden "letzten Tropfens" installieren kann:
Oben links ein Pfeifenreiniger, oben rechts ein mit Schießgummi fixiertes Stück Zellstoff.
Sie können sich auch etwas anderes ausdenken - Hauptsache, es funktioniert. Auf dem unteren Bild sehen
Sie die "Zellstofflösung" in Aktion. Alternativ kann man den Gießvorgang auch zu zweit durchführen,
wobei der zweite Helfer mit Pinzette/Tiegelzange und Zellstoff "bewaffnet" den Flaschenhals beim Gießen
überwacht.