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Organisch-chemische Grundausbildung
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T. Lehmann | Letzte Aktualisierung: 18.05.2008 | Links   

 

Trocknen

 

Wie lange muss getrocknet werden?

Es gibt darauf nur eine Antwort - Sie mag Ihnen dumm vorkommen, aber es ist die einzig seriöse:
 
Bis zur Gewichtskonstanz

Die Praktikumszeit ist endlich und Sie werden also nicht jedes Produkt tagelang im Exsikkator liegen lassen und täglich kontrollieren wollen, ob die Masse noch mal ein bisschen abgenommen hat. Es gibt zu viele Parameter, die die erforderliche Trocknungszeit beeinflussen. In der Regel verfährt man anders herum und trocknet unter Bedingungen, bei denen die Trocknung rasch erfolgt und trocknet dann so lange, dass die Zeit nach menschlichem Ermessen auf jeden Fall ausreichend ist. Wovon hängt die Trocknungsdauer also ab und wie lässt sie sich verkürzen?

  • Das wichtigste zuerst: Sorgen Sie dafür, dass das Produkt gut ausgebreitet ist! Wenn Sie irgendeinen Matsch in ein Reagenzglas oder in einen Kolben mit engem Schliff pfriemeln, brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn der Matsch auch nach Wochen noch Matsch ist. Becherglas oder Kristallisierschale sind die richtigen Gefäße, auch der gegen Umfallen gesicherte Büchnertrichter ist OK, wenn die abfiltrierte Schicht nicht zu fest und zu dicht ist.
  • Leicht flüchtige Lösemittel sind besser entfernbar als schwer flüchtige. Diesen Umstand müssen Sie aber schon früher, nämlich beim Umkristallisieren bedenken. Die Entfernung von Wasser dauert besonders lange. Haben Sie die Wahl zwischen Wasser und Hexan, geht es schneller, wenn Sie aus Hexan umkristallisieren.
  • Der Trocknungsvorgang lässt sich sowohl durch Evakuieren als auch durch Erwärmen beschleunigen. Wenn Sie das Trocknen durch Erwärmen beschleunigen wollen, müssen Sie statt des Exsikkators entweder einen Vakuumtrockenschrank oder eine "Trockenpistole" (=Trockenapparat nach Abderhalden) verwenden. Vakuumtrockenschränke sind empfindlich gegen korrosive Dämpfe! Verwenden Sie keine normalen Labortrockenschränke zum Trocknen von Chemikalien! Dabei kann es zur Bildung von explosionsgefährlichen oder gesundheitsbedrohenden Gasgemischen kommen! Wenn Sie erwärmen wollen, bleiben Sie ausreichend weit unter dem Schmelzpunkt der zu trocknenden Substanz!

Hilft ein Trockenmittel?

Standardmäßig sind die Exsikkatoren in der Regel mit Calciumchlorid als Trockenmittel gefüllt. Zur Entfernung von Wasser ist das gut. Und wenn Sie organische Lösemittel zu entfernen haben, brauchen Sie das Calciumchlorid deswegen nicht aus dem Exsikkator zu entfernen: Es stört nicht. In älteren Literaturquellen wird zur Entfernung von organischen Lösemitteln noch empfohlen, Paraffinschnitzel als Trockenmittel zu verwenden. Durch die moderne Vakuumtechnik ist das unnötig geworden. Saure oder basische Lösemittel können Sie durch das jeweilige "Gegenteil" am besten entfernen. Es kommt z.B. gelegentlich vor, dass aus Essigsäure umzukristallisieren ist. Hier können also Natriumhydroxidplätzchen als Trockenmittel den Trocknungsvorgang beschleunigen.