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T. Lehmann | Letzte Aktualisierung: 30.08.2010 | Links   

 

 

Druckgasflaschen

Funktion der Ventile

Nachfolgend sehen Sie links ein angeflanschtes Druckminderventil und rechts ein einfaches Entnahmeventil. Identische Stellelemente sind gleich beschriftet.

Druckminderventil Entnahmeventil

Hauptventil (1)

  • Öffnen Sie das Hauptventil nur dann, wenn Sie sich zuvor vergewissert haben, dass Reduzier- (2) und Entnahmeventil (3) geschlossen sind!
  • Das Hauptventil wird langsam aber vollständig geöffnet. Es ist nicht 'ein bisschen weniger gefährlich', wenn Sie 'ein bisschen weniger weit' aufdrehen. Verstehen Sie das Hauptventil wie einen Schalter: Es gibt nur die Stellungen 'Auf' und 'Zu'. Das Hauptventil wird nicht zum Regeln des Gasstroms benutzt!
  • Es kann sein, dass das Hauptventil ziemlich schwer zu betätigen ist. Sie dürfen dann mit aller Kraft Ihrer Hände, niemals aber mit Unterstützung von Werkzeugen drehen. Sie sollten wissen, dass das Ventil links herum zu öffnen ist! Wenn Sie falsch herum drehen, machen Sie es denjenigen, die Ihnen schließlich helfen müssen, nur noch schwerer.
  • Wenn Sie das Hauptventil geöffnet haben, zeigt Ihnen das linke Manometer (a) den Innendruck der Druckgasflsche an. Sie können daraus im Regelfall die Restmenge ermitteln.

Reduzierventil (2)

Das Reduzierventil sorgt dafür, dass entnahmeseitig nicht der volle Flascheninnendruck, sondern nur ein verminderter Arbeitsdruck zur Verfügung steht. Das Verhalten des Reduzierventils beim Gebrauch versteht man am besten, wenn man sein Innenleben kennt:

 

Funktion Druckminderventil

Das Ventil wird zunächst durch den Innendruck der Druckgasflasche und mit Unterstützung durch die (schwache) obere Feder in die geschlossene Position gedrückt. Dreht man den Bolzen hinein, wird eine kräftige Feder von unten gegen die Membran gedrückt, die - der Kraft ausweichend - wiederum das Ventil aufdrückt, wenn der Federdruck den Innendruck der Druckgasflasche überwunden hat. Der Regelvorgang besteht darin, dass das nun durch das Ventil strömende Gas auch jenseits des Ventils einen Druck aufbaut, der die Membran wieder nach unten drückt und dadurch das Ventil schließt. Je kräftiger die Membran nach oben gedrückt wird, umso kräftiger muss dieser sekundärseitige Gegendruck sein, um das Ventil abzuregeln. Folgende Dinge leiten sich daraus für den Umgang ab:

  • Da der Boltzen rechts herum hineingedreht wird und also rechts herum die Feder stärker gegen die Membran drückt, wird also das Reduzierventil durch Rechtsdrehung geöffnet bzw. es werden durch Rechtsdrehung höhere Drücke eingestellt! Es ist also genau anders herum, als sonst üblich! Manche Hersteller haben Bolzen mit Linksgewinde in das Druckminderventil eingebaut, um die Bedienung wieder logischer zu machen. Das hat leider zur Konsequenz, dass beides nebeneinander in Gebrauch und es daher nicht sicher ist, wie herum man das Druckminderventil schließt oder öffnet. Sie müssen das ausprobieren!
  • Anhaltspunkte dafür liefert Ihnen das Verhalten des Bolzens. Dreht er nämlich frei, weil die Feder entlastet ist, ist er leichtgängig. Dreht er sich schwerer, ist er dabei, die Feder gegen die Membran zu drücken. Leichtgängigkeit bedeutet also, dass das Ventil geschlossen ist.
  • Wenn Ihnen der Bolzen ganz herausfällt, weil Sie zu weit gedreht haben, ist das nichts schlimmes. Drehen Sie den Bolzen einfach wieder hinein. Heutzutage verhindern die Hersteller konstruktiv das Herausfallen des Bolzens.
  • Bei manchen Druckminderern hat der Bolzen keinen Knebel zum Anfassen sondern ein Stellrad, welches ihn völlig verdeckt. Solche Stellräder sind am ehesten 'verdächtig' dass sie - eigentlich normal - links herum öffnen und rechts herum schließen.

Das rechte Manometer zeigt den sekundärseitigen, also den Entnahmedruck an.

Entnahmeventil (3)

Das Entnahmeventil öffnet ganz normal bei Linksdrehung und schließt bei Rechtsdrehung. Es handelt sich um ein Nadelventil. Das bedeutet, dass es neben einer grundsätzlichen "AN/AUS"-Funktion auch die Feinregulierung des Gasstroms erlaubt. Das Entnahmeventil dient zur Regulierung der entnommenen Gasmenge, nicht aber des Gasdrucks. Es ist aber normal, dass der mit dem Reduzierventil (2) eingestellte Druck etwas abfällt, wenn Gas entnommen wird. Das ändert nichts an dem Umstand, dass der Entnahmedruck wieder auf den eingestellten Wert ansteigt, wenn das entnommene Gas - zum Beispiel durch eine blockierte Apparatur (!) nicht entweichen kann.

 


Zerlegtes einfaches Entnahmeventil

Für 'Alles-verstehen-woller' nachfolgend die Abbildung eines zerlegten einfachen Entnahmeventils:

Zerlegtes Nadelventil

Es handelt sich um ein Ventil für Chlor oder Chlorwasserstoffgas, welches also besonders korrosionsfest sein muss. Die markierte Dichtung aus einem Metallblättchen trennt den Stellmechanismus von dem rot markierten Bereich, der dem Gas ausgesetzt ist. Durch das Drehen am Stellrad wird der Stößel vor oder zurück bewegt und drückt dabei mehr oder weniger gegen die Dichtungsscheibe. Auf der anderen Seite wird die "Nadel" mit Federkraft gegen die Dichtung gedrückt. Die Ausschnittvergrößerung zeigt, dass die "Nadel" eigentlich gar nicht wie eine Nadel aussieht, sondern aus einem kunstvoll gefertigten Stift besteht. in der Großaufnahme können Sie aber gut nachvollziehen, dass dieser Stift den Gasdurchsatz freigibt, wenn er in Pfeilrichtung aus einer schwarz angedeuteten Bohrung herausbewegt wird. Beachten Sie insbesondere die angeschrägte Spitze, die natürlich bewirkt, dass der Gasstrom sich fein dosierbar immer weiter verstärkt, je weiter der Stift aus der Bohrung herausgedrückt wird.