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DruckgasflaschenVentilabriss und andere DefekteManchem ist die Gegenwart einer Druckgasflasche unheimlich, zum Beispiel weil da "unheimlich viel Druck" oder ziemlich viel giftiges Zeug drin ist. So ein Gefühl ist ja aufsichtsrechtlich auch nicht verkehrt, denn zum Beispiel die TRGS 526 erklärt Druckgasflaschen im Labor zum gefährlichen Inventar, welches nur unter besonderen Vorschriften im Labor verwendet werden darf. Dass Druckgasflaschen "einfach so" zur Gefährdung, also zum Beispiel undicht werden, ist äußerst selten. Gefährdungen entstehen eher durch unsachgemäßes Umgehen. Verheerend ist der Ventilabriss, der bei unsachgemäßem Transport mit angeflanschtem Ventil oder unzureichnder Sicherung der Flasche gegen Umfallen droht. Dabei fliegt die Druckgasflasche als Geschoss durch die Luft und durchschlägt dabei auch dicke Wände. Wer's nicht glauben mag, kann sich dazu Videos ansehen:
Wegen des erheblich höheren Inhalts sind Flüssiggasflaschen noch verheerender, ist das Flüssiggas auch noch brennbar (z.B. Propan, Propylen, Acetylen), ist der Unterschied zu einer Rakete nicht mehr groß:
Der häufigste Defekt einer Druckgasflasche dürfte das schwergängige Ventil sein. Die vorgenannten Videos machen eindrücklich deutlich, dass in so einem Fall an der Druckgasflasche nicht herumgedoktert wird, sondern diese an den Hersteller zurückzugeben ist. Ein weiterer Defekt sind Undichtigkeiten. In den meisten Fällen ist aber auch hier nicht die Druckgasflasche selbst die Ursache, sondern das angeflanschte oder nicht dicht angeflanschte Entnahmeventil. Liegt die Ursache doch an der Druckgasflasche, ist man nicht hilflos. Die folgende Abbildung zeigt ein Chlor-Dichgasset: Der Name sagt es schon: Dieses Set ist nur für Chlorgasflaschen zugelassen, weil bei anderen Gasen der Flascheninnendruck so hoch sein kann, dass auch diese robuste Kappe abreißt und zum Geschoss wird. Man kann allenfalls daran denken, die Kappe mit geöffnetem Ventil aufzuschrauben, um auf diese Weise das entweichende Gas kontrolliert irgendwo hinzuleiten, wo es keine Gefahr anrichten kann. Auch das müsste man aber auf eigene Gefahr veranlassen. Es gibt Fallbeschreibungen, wo undichte Druckgasflaschen in einem großen Fass mit Trockeneis so weit heruntergekühlt werden konnten, dass der Gasaustritt an der undichten Stelle zum Erliegen kam. Das funktioniert natürlich nur bei Gasen, die einen Siedepunkt > - 78 °C haben, also zum Beispiel wieder bei Chlor (Kp = -34,6 °C); Ammoniak (Kp = -33,35 °C); Butan (Kp = -0,5 °C); Phosgen (Kp = 8,3 °C) und Propan (Kp = -42,07 °C). Praktikanten dürfen erst mal beruhigt sein, denn alle diese Maßnahmen erfordern eine tüchtige Portion Abgebrühtheit, die man höchstens beim Universitätspersonal antreffen kann. Schließlich muss dazu an einer bedrohlich zischenden Druckgasflasche herumgewerkelt werden. Die Abgebrühtheit würde übrigens ziemlich sicher den Einsatz einer Atemschutzmaske erfordern. Und weil übliche Atemschutzmasken Filtermasken sind, die also das Giftgas nicht in beliebig hoher Konzentration zurückhalten können, kann die Abgebrühtheit auch bedeuten, sofort alle in Sicherheit zu bringen und lieber die Feuerwehr zu alarmieren. Abgebrühtheit muss man trainieren. Sich also schon mal eine solche Situation vorzustellen und sich dabei vorzustellen, dann alles richtig machen zu können, kann nicht verkehrt sein. Um aber das Problem zum Abschluss zu bringen: So eine defekte Druckgasflasche will man ja gern schnellstmöglichst loswerden. Ist immer noch Gas drin und die Leckage nur provisorisch - also z.B. mit dem Dichtgasset abgedichtet, kann man wahlweise - bei gut wasserlöslichen Gasen - in einem gekühlten Wassertank, sonst auch in eigens für defekte Druckgasflaschen konstruierte druckbeständigen Containern abtransportieren. Dabei kann es gut sein, dass die Werksfeuerwehr eines möglichst nahestehenden Chemieunternehmens zugezogen werden muss, wenn die öffentliche Feuerwehr nicht über das entsprechende Spezialgerät verfügt.
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