Ein passendes Ventil (Argonventile gibt es bei den Saalassistenten)
Schauen Sie sich das Ventil gründlich an. Es macht ein bisschen Arbeit, das Ventil anzuschließen,
weshalb es ziemlich dumm ist, ein Ventil anzuschließen, was schon dem äußeren Anschein nach
defekt ist. Außerdem müssen Sie sicherstellen, dass das Ventil geschlossen ist! Sie wollen nicht, dass Ihnen das Gas
beim ersten Öffnen entgegenschießt! Achten Sie auf folgende Dinge:
Hat das Ventil am Ansatzstück eine intakte Dichtung? Die Dichtung muss z.B. glatt und eben
sein.
Drehen Sie an den Ventilräder/-knebeln: Es ist normal, wenn Knebel oder Stellrad des Reduzierventils eines
Druckminderventils Bereiche haben, wo sie leichtgängig sind und
Bereiche, wo sie etwas schwergängiger sind. Drehen Sie niemals mit Gewalt! Drehen Sie Knebel oder
Stellrad in einen Bereich, wo es leichtgängig ist. (Das ist die geschlossene Stellung.) Nadelventile
sollten leichtgängig sein und beim Schließen (Rechtsdrehung!) einen eindeutigen Anschlag haben.
Schließen Sie das Ventil, vermeiden Sie dabei ein 'Anknallen'!
Sind alle Teile fest? Es gibt vor allem an Druckminderventilen allerlei Schraubverbindungen. Ist das
Ansatzstück für einen Schlauch vorhanden und aufgeschraubt oder ist die Gasaustrittsöffnung
nur ein Gewinde, weil irgendjemand das Ansatzstück für andere Zwecke missbraucht hat?
Einen passenden Schraubenschlüssel (gibt es auch bei den Assistenten) Für Inertgase brauchen Sie einen 30-mm-Schlüssel,
bei Chlorwasserstoffgas beträgt die Schlüsselweite 32 mm.
Ev. etwas zum Reinigen des Anschlussstutzens (Labormesser, Messingdrahtbürste)
Zumindest bei korrosiven oder giftigen Reaktionsgasen etwas, um die Dichtigkeit des angeflanschten Ventils zu
überprüfen, bei gesundheitsbedrohlichen Gasen ist auch eine Atemschutzmaske nicht falsch.
Einen Transportwagen für Druckgasflaschen (falls Sie die Druckgasflasche an einen anderen Ort transportieren wollen. Das Praktikum verfügt
über eine eigene Transportkarre. Die ist - meistens - in Raum 36.16 zu finden)
Verfahren Sie wie folgt:
Transportieren Sie die Druckgasflasche mit aufgesetzter Verschlusskappe zum Einsatzort! Mit bereits angeflanschtem Entnahmeventil können große
Hebelkräfte mit dem Risiko gravierender Gefährungen auf das Flaschenventil übertragen werden. Der Transport
mit aufgesetztem Ventil ist deshalb verboten!
Schrauben Sie die Verschlusskappe ab! Die Kappe hat oben einen Sechskant der gleichen Größe wie die Ventilmutter.
Der Schraubenschlüssel passt also auch hier.
Es kann ein wenig schwer sein, gleichzeitig die Flasche festzuhalten und mit dem Schlüssel die Kappe abzudrehen.
Besser geht das zu zweit. Sie dürfen mit der flachen Hand gegen den Schlüssel schlagen, um den Anfangswiderstand zu
überwinden. Neue Flaschen haben eine mit Klebeband versiegelte Kappe. Wenn Sie das Klebeband vergessen haben abzumachen geht das Abdrehen der Kappe
ganz besonders sehr sehr schwer! Und wenn Sie nicht genau wissen, dass Sie zum Abdrehen links herum drehen müssen und aus Versehen
rechts herum drehen wollen, geht es gar nicht und Sie verärgern nur Ihren Nachnutzer.
Legen Sie die abgedrehte Kappe an sinnvoller Stelle ab, so dass sie zuverlässig wiedergefunden wird, wenn die Flasche wieder
abtransportiert wird! Ohne aufgeschrabte Kappe ist ein Transport nicht zulässig! Wird die Flasche in einem Druckgasflaschenschrank
betrieben, legen Sie die Kappe einfach zur Druckgasflasche in den Schrank!
Sichern Sie spätestens jetzt die Flasche mit den dafür vorgesehenen Hilfsmitteln (Seil, Band - kein 'genialer' Gummischlauch!!)!
Bei Reaktionsgasen gibt es am Hauptventil der Druckgasflasche eine Verschlusskappe, die ebenfalls abgeschraubt werden muss. In der Regel hängt
diese Kappe an einem Kettchen, so dass sie nicht verloren gehen kann. Wenn nicht oder wenn das Kettchen defekt ist, sorgen Sie dafür, dass
die Verschlusskappe nicht verschwinden kann. Testen Sie bei Reaktionsgasen immer wieder auf ungewollten Gasaustritt! Drehen Sie also die Kappe nicht einfach
runter ohne nachzudenken, sondern lockern Sie erst mal nur ein bisschen und
testen Sie, ob Gas austritt. Wenn ja, schließt wahrscheinlich das
Hauptventil nicht richtig. Wenn Sie so ein Problem erst bemerken, wenn die Kappe schon ab ist, werden Sie ganz schön hibbelig sein. Ist sie dagegen
nur ein bisschen gelockert, ist sie mit einer coolen Rechtsdrehung blitzschnell wieder dicht aufgeschraubt. Wie man sich bei solchen also gefährlichen
Tätigkeiten immer wieder absichert, können Sie sich in einem
Video ansehen.
Sehen Sie sich den freigelegten Anschlussflansch an! Es macht überhaupt keinen Sinn,
ein Entnahmeventil gasdicht an eine Mondlandschaft fixieren zu wollen. Vor allem bei agressiven Gasen können sich am Flansch schnell Beläge bilden.
In der nachfolgenden Abbildung sehen Sie sogar innen jede Menge lockeres Material, welches durch den Gasstrom mitgerissen und Ihnen das Entnahmeventil
verstopfen würde. Hier muss erst gereinigt werden!
Schaben Sie Krusten z.B. mit einem Labormesser vorsichtig ab.
Auch eine Messingdrahtbürste kann gute Dienste tun:
Der Flansch ist jetzt sauber. Die Fläche ist leidlich glatt (Die verbliebenen Unebenheiten sind korrosionsbedingt. Hier kann
nur noch die Dichtung helfen.
Vergewissern Sie sich, dass das Flaschenventil eine intakte Dichtung hat!
Schrauben Sie die Mutter des Ventils auf das Flanschgewinde auf! Die Mutter muss sich leichtgängig von Hand aufschrauben lassen!
Verwenden Sie zum Aufschrauben kein Werkzeug. Erst wenn Sie die Mutter handfest angedreht haben, nehmen Sie den Schraubenschlüssel
und ziehen die Mutter fest.
So ein alter Maulschlüssel tut's irgendwie, aber nicht richtig.
Dieser hier hat eine falsche Schlüsselweite. Er greift die Mutter nur mit viel Spiel an zwei Kanten. (Siehe rote
Kennzeichnung.) Das verschleißt
auf Dauer die Mutter!
Das alte Ding hat sehr dicke Backen. Die stoßen schnell auf der Flaschenoberseite auf und man kann den Schlüssel nicht
weit bewegen. (Siehe gelbe Markierung.)
Das ist ein moderner "offener Ringschlüssel". Er packt die Mutter gleichzeitig an 5 Stellen an. Das ergibt eine
gleichmäßige Belastung. Außerdem hat man doppelt so viele Möglichkeiten, den Schlüssel anzusetzen.
Da die Backen viel dünner sind, hat man einen sehr weiten Aktionsbereich, ohne dass der Schlüssel auf der Druckgasflasche
aufsetzt.
In dieser Stellung können Sie kaum Kraft auf den Schlüssel ausüben, weil sie dabei sofort die Druckgasflasche
mit umreißen.
So angesetzt, können Sie notfalls mit Ihrem ganzen Körpergewicht den Schlüssel herunterdrücken.
Das machen aber bitte nur zierliche Damen! Muskelmänner halten sich dagegen zurück und drücken nur mit
mäßiger Kraft. Beim Festziehen kann man es kaum verhindern, dass sich das Ventil mitdreht. Deshalb wird es vorher in
eine nach vorn geneigte Stellung gedreht (siehe gelben Winkel). Es richtet sich dann beim Festziehen auf.
Wer das Ventil angeflanscht hat, ist für die
Dichtigkeitskontrolle verantwortlich! Ist die Verbindung nicht dicht zu kriegen oder erweist sich das Ventil
als defekt, darf es nicht an der Flasche angeflanscht bleiben!
Sorgen Sie für eine eindeutige Identifizierung, wenn an der selben Örtlichkeit unterschiedliche Druckgase verwendet werden!
Die heutzutage zur
Kennzeichnung der Gasarten verwendeten Farbcodierungen
sind kompliziert, derzeit immer noch nicht völlig verlässlich und vor allem Grundpraktikanten noch nicht geläufig. Eine Druckgasflasche muss zwar
auch zwingend einen Gefahrgutaufkleber haben und die Gasart obendrein dauerhaft an der Flascheschulter eingestanzt sein, doch der Aufkleber ist nur ein unscheinbares kleines Etikett
und die eingestanzten Buchstaben erkennt man nur, wenn man wirklich danach sucht.
Eine schön auffällige Identifizierung
kann in großen Schildern (=Zetteln) bestehen, die am Gasflaschenschrank und/oder direkt an der Druckgasflasche angebracht werden.
Es muss deutlich sein, dass die Warnung aktuell gültig ist.
Es ist z.B. uni-typisch, mit Filzstiften irgendwo irgendwas zu bekritzeln. Weil aber niemand da ist, einmal hingekritzeltes auch wieder zu entfernen,
gibt es an der Uni sehr viel mit Filzstift hingekritzeltes, was längst keine Gültigkeit mehr hat. Weil das jeder weiß, findet hingekritzeltes
vernünftigerweise keinerlei Beachtung!
Entnahmeventil abschrauben
Vergewissern Sie sich, dass das Flaschenventil geschlossen ist. Dann schrauben Sie das Entnahmeventil ab. Wenn Sie es mit gefährlichen Gasen zu tun haben,
denken Sie daran, auch jetzt nicht einfach das Ventil so schnell wie möglich herunterzubekommen, sondern lockern Sie die Überwurfmutter wieder erst mal
nur
ein bisschen und testen Sie wieder auf Gasaustritt. Erst wenn das auszuschließen ist, wird gänzlich abgeschraubt. Vergessen sie in diesem Fall nicht
die Verschlusskappe wieder auf den Gewindestutzen aufzuschrauben.
Zum Schluss kommt die große Kappe wieder oben drauf, die das Ventil davor schützt abgeschlagen zu werden. Dann wird
die Druckgasflasche zurück in die dafür vorgesehenen Lagerräume verbracht.