Bei einem gegebenen Laufmittel und einer gegebenen stationären Phase (in der Regel Kieselgel) ist das Laufverhalten
einer Substanz keineswegs konstant. Einflussfaktoren sind:
Korngröße des Kieselgels
Kleine Korngrößen vergrößern die spezifische Oberfläche. Die RF-Werte werden kleiner.
Gibt es Körner unterschiedlicher Größe, so sinkt die Trennleistung (die Flecken sind nach dem Entwickeln
des Chromatogramms größer. Diese Einflussfaktoren gelten auch für andere Chromatographiearten
(Vergleiche z.B. Schwerkraftsäule mit HPLC!)
Wassergehalt
Feuchtigkeit desaktiviert das Kieselgel. Die RF-Werte werden größer. Der Feuchtigkeitsgehalt ist eine Frage
der Herstellung und der Aufbewahrung der DC-Karten.
Sättigungsgrad der DC-Kammer mit dem Dampf des Laufmittels
Ist die DC-Kammer nicht mit dem Dampf des Laufmittels gesättigt, erhöhen sich die RF-Werte. Dieser Effekt ist
schon bei der Beschreibung der DC-Kammer diskutiert. Darüber hinaus kann es bei einem
nicht gesättigten Dampfraum zu einem "Randeffekt" kommen, der bewirkt, dass die Substanzen am Rand der Karte noch höher
laufen als in der Mitte der Karte. Da die Karte die DC-Kammer in zwei Gasbereiche unterteilt, deren hinterer noch
ärmer an Lösemitteldampf ist, weil dort keine Flüssigkeit hochsteigt, müssen die Randbereiche der
Kartenvorderseite die Dampfsättigung der Rückseite hilfsweise mit übernehmen. Die Verdunstungsleistung ist also
am Kartenrand stärker als in der Mitte.
Ablösungen der Kieselgelschicht von der Karte
Vor allem an den Randbereichen kann beim Zuschneiden der DC-Karte sich die Kieselgelschicht vom Trägermaterial ablösen,
wegen der kompakten Struktur aber noch intakt bleiben, so dass der Defekt kaum zu erkennen ist. In dem entstandenen schmalen Spalt
zwischen Kieslelgel und Trägermaterial steigt das Laufmittel schneller hoch als beim Rest der Karte.
Temperaturgefälle
Ist die DC-Kammer beim Entwickeln eines Chromatogramms z.B. dem Sonnenlicht ausgesetzt, können infolge der Erwärmung auf
der sonnenzugewandten Seite der DC-Karte die RF-Werte ansteigen. Sonnenlicht kann überdies zu Veränderungen (Zersetzungen)
von Substanzen auf der DC-Karte führen und deshalb ohnehin ein methodischer Fehler.
Die Probleme der Reproduzierbarkeit müssen Sie bei den üblichen Problemstellungen im organisch-präparativen Labor nicht
sonderlich kümmern, da es hier fast immer nur um die Aussage geht, wie viele Komponenten eine Substanz enthält. Geht es doch
einmal um eine Identifizierung, können Sie allen beschriebenen Problemen mit einem Misch-DC auf
einfache Art aus dem Weg gehen.