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T. Lehmann | Letzte Aktualisierung: 18.05.2008 | Links   

 

Bedienung des Pumpstandes mit Vacuumcontroller

Theorie Praxis
Vorteile des Pumpstandes mit Vakuumcontroller Einschalten Manuelle Einstellung
Funktionsprinzip des Controllers Automatische Einstellung Wie geht man bei der Bedienung vor?
Wie funktioniert die Membranpumpe? Maximale Pumpleistung Kann man etwas kaputt machen?
Fehler und Ursachen

 

Zum Einschalten des Automatikmodus drücken Sie die  -Taste, bis die kleine grüne Signallampe in der linken oberen Ecke des Tastenfeldes aufleuchtet.

Im Automatikmodus findet der Controller selbsttätig den richtigen Druck.

Wie funktioniert das?

Das nebenstehende Video zeigt als erstes den typischen Druck-/Zeitverlauf beim Evakuieren eines mit Luft gefüllten Gefäßes. Die Kurve verläuft zunächst relativ steil und wird bei Erreichen des Endvakuums immer flacher. Enthält der Rezipient dagegen ein Lösemittel, welches bei gegebener Temperatur bei Erreichen eines bestimmten Druckes zu sieden beginnt, so bestimmt der Siededruck des Lösemittels den minimal erreichbaren Druck. Stärkeres Abpumpen hat lediglich ein stärkeres Aufsieden des Lösemittels zur Folge, ohne dass der Druck sich dabei wesentlich ändert. Es gibt also einen Knick im Druck-/Zeitverlauf. Der Controller ist so eingestellt, dass er alle 2 Sekunden den Druck misst und daraus die Steigung des nebenstehenden Diagramms berechnet. Stellt er einen "Kurvenknick" fest, so wird weiteres Evakuieren gestoppt und der augenblickliche Druck als Regeldruck übernommen.

Wie beim Funktionsprinzip erläutert, wird der Druck nicht als konstanter Wert, sondern als geregelter Bereich konstant gehalten. Auch bei den dabei immer wieder erforderlichen kurzzeitigen Evakuierungsvorgängen überwacht der Controller die "Evakuierbarkeit" des Rezipienten. Er kann dadurch den Arbeitsdruck beständig in beide Richtungen anpassen, wenn z.B. die leichter flüchtige Komponente eines binären Flüssigkeitsgemisches verdampft ist und das System also wieder evakuierbar wird oder wenn umgekehrt die Badtemperatur ansteigt und der Dampfdruck des Lösemittels sich infolgedessen erhöht.

Idealerweise stellt der Controller sogar fest, wann alles Lösemittel verdampft ist, weil sich dann das System plötzlich wieder auf den Pumpenenddruck evakuieren lässt. Der Rezipient bleibt dann geschlossen und in Ruhe sich selbst überlassen. Man erkennt diesen Schaltzustand daran, dass das Display anfängt zu blinken - ja man hätte sogar die Möglichkeit, einen Summer an den Controller anzuschließen, der auch akustisch das Ende des Destillationsvoganges anzeigt.

Was sich so schön anhört, funktioniert aber in der Praxis nicht immer 100 %ig. Dazu müssten Zeitintervall der Druckmessung und Druckregelbereich auf das aktuelle Destillationsproblem hin optimiert werden, was aber bei der Vielzahl an Destillationsaufgaben am Rotationsverdampfer kaum möglich ist. In der Praxis wird man also mit einer dauerhaften Kompromisseinstellung arbeiten müssen. Dabei kann es sein, dass der Controller im Automatikmodus den richtigen Arbeitspunkt nicht findet und die zu destillierende Lösung entweder - besonders ärgerlich! - übersprudelt oder der Controller unversehens vorzeitig in den Endabschaltungsmudus wechselt. Vor allem mit kleinen oder zu vollen Abdampfkolben kommt es leichter zu Problemen. Dennoch ist der Automatikmodus alles andere als unbrauchbar. Man muss nur die Bedienung richtig gestalten.


 

Bevor das Evakuieren gestartet wird, gilt es jedoch, erst einmal die Grundeinstellungen zu überprüfen und gfls. zu korrigieren:

Eine Einstellung des Arbeitsdruckes p1 wie beim manuellen Modus ist hier nicht erforderlich, weil der Controller diesen ja selbsttätig sucht. Die untere Pfeiltaste für den Druck p1 hat jetzt also keinen Nutzen mehr. Auch die obere Pfeiltaste hat nur noch eine sinnvolle Funktion, nämlich die Belüftung des Systems ("VENT").

Kontrollieren sollten Sie jedoch das Druckintervall DELTA p mit den beiden rechten Pfeiltasten. Bitte beachten Sie, dass im Automatikmodus auch tatsächlich - logisch richtig - das Druckintervall im Display angezeigt wird und nicht wie im manuellen Modus ein absoluter Betrag für den oberen Grenzwert. Dieser Unterschied ist etwas gewöhnungsbedürftig, muss aber sicher verstanden sein! In der Regel ist ein Druckregelintervall von 10 mbar gut geeignet.

Rechnen Sie damit, dass vor Ihnen Unkundige mit dem Pumpstand gearbeitet haben. Im Computer-Click-Zeitalter wird gerne hemmungslos auf irgendwelche Tasten gedrückt, bis etwas "irgendwie" zu funktionieren scheint. Häufig ist ein viel zu großes Intervall von einigen hundert mbar eingestellt. Die Folge sind riesige Regelschwingungen. Machen Sie sich anhand des Funktionsprinzips deutlich, dass der Controller bis zum Erreichen des unteren Grenzwertes evakuiert und das Evakuieren erst dann wieder neu startet, wenn der obere Grenzwert überschritten wird. Hat der Controller z.B. einen unteren Arbeitspunkt von 50 mbar ermittelt und ist ein Druckintervall von 250 mbar eingestellt, so wird erst dann wieder neu abgepumpt, wenn das System von selbst einen Druck von 300 mbar erreicht hat! Die Folge: Mal destilliert etwas prima oder vielleicht gar schon zu schnell, den nächsten Augenblick passiert wieder gar nichts.

Bitte Vermeiden Sie andererseits auch zu kleine Druckregelintervalle: Das Ventil wird dadurch ständigen Belastungen durch die Schaltvorgänge ausgesetzt und verschleisst dadurch schneller. Außerdem funktioniert der Automatikmodus bei zu kleinen Druckintervallen nicht richtig.