| Die Ersthelfer sind angewiesen, vor dem Labor abzuwarten, bis etwas
ungewöhnliches passiert. Plötzlich ein schwacher Knall und dann
ein lauter Fluch. Die in das Labor hineinlaufenden Ersthefer finden innen
das totale Chaos vor: Das Labor ist mit Praktikanten überfüllt,
die alle aufgeregt durcheinanderreden und herumgestikulieren. Eine völlig
hysterische Person stellt sich sofort den Helfern in den Weg und beklagt
sich bitter über die üblen Zustände im Praktikum. Auf die
Frage, was passiert sei, kann sie jedoch keinerlei zweckdienliche Angaben
machen. Trotzdem hat sie ein unstillbares Mitteilungsbedürfnis, weshalb
die Ersthelfer sie schließlich mehr oder weniger unsanft zur Seite
schieben müssen, um endlich an die Unfallstelle zu gelangen.
Rechts ein offener Abzug mit einer zersplitterten Apparatur, auf der
Arbeitsfläche schwimmt irgendeine Flüssigkeit. Frontschieber schnell
herunter! Vor dem Abzug stehen zwei Praktikanten, die selbst gerade versuchen
zu begreifen, was jetzt eigentlich passiert ist. Die Hände zittern leicht,
im Gesicht stecken Glassplitter. Gott sei Dank haben Sie Schutzbrillen getragen,
die Augen sind also unverletzt. Die Verletzungen im Gesicht sind nicht so
dramatisch. Die beiden Praktikanten werden angewiesen, nicht im Gesicht
herumzufummeln und zu erklären was sie da gemacht haben. In der Apparatur
ist offenbar etwas destilliert worden. Eine Pumpe ist angeschlossen und
läuft noch. Aha, also Vakuum. Der Destillatkolben ist zersplittert.
WAS ist da destilliert worden?? Einer der Praktikanten stammelt etwas
von "Benzol oder so". Du lieber Gott! Das würde man eigentlich nicht
im Vakuum destillieren. "Wo ist die Versuchsanleitung??" Dort ist
schließlich zu lesen, das Benzylcyanid zu destillieren war.
Tatsächlich findet sich im Abzug auch eine - allerdings jetzt leere
Flasche mit der Beschriftung "Benzylcyanid". Die Sicherheitshinweise im Skript
geben an, dass diese Substanz hochgiftig beim Einatmen ist. Das ist typisch
für organische Cyanidverbindungen, die ein ähnliches Vergiftungsbild
geben, wie reines Blausäuregas, allerdings mit einer teilweise
beträchtlichen Verzögerung. Die Versuchsskripte gibt an, dass die
Inhalationsgefahr trotzdem relativ gering sei, weil die Substanz hochsiedend
ist und bei Raumtemperatur nur einen schwachen Dampfdruck hat. Aber kann
man das in diesem Fall auch unterstellen? Schließlich ist sie destilliert,
also heiß gemacht worden. Und können beim Zerplatzen der Apparatur
vielleicht Aerosole entstanden sein? Zumindest die beiden mit den Splittern
im Gesicht haben vielleicht etwas eingeatmet. Den Ersthelfern fällt
auf, dass da noch einer so merkwürdig herumsteht und ständig seine
Hände anstarrt, die ziemlich stark gerötet sind. Er hat zwar an
einem anderen Abzug gearbeitet, sich aber wohl bei dem Knall so erschrocken,
dass er sich ein heißes Heizbad über die Finger gekippt hat. Er
macht einen weggetretenen Eindruck und muss sofort zum nächsten Wasserhahn
gebracht werden, um die Handflächen zu kühlen. Es besteht
Schockverdacht.
Auch die hysterische Person am Eingang wirkt plötzlich so seltsam ermattet.
Und das Ausmaß der Cyanidexposition ist immer noch unklar. Also erst
einmal alle raus aus dem Labor! In der Aufregung wird leider eine Praktikantein
vergessen, die die ganze Zeit nur unnatürlich still in der Ecke gestanden
hat. Ob sie auch einen Schock oder eine Verletzung hat, bleibt ungeklärt.
Allein im Labor zurückgelassen, hindert sie niemand daran, jetzt
konzeptionslos in den Scherben der Apparatur herumzustochern.
Draußen sehen sich die Ersthelfer gezwungen, sich um 4 Personen
gleichzeitig zu kümmern: Die beiden mit den Splittern im Gesicht, der
mit den verbrühten Händen und die hysterische Person. Bei den beiden
letzteren ist der Fall klar. Kühlen der verbrühten Handflächen
und Schockprophylaxe. Gott sei Dank ist der Redefluss der Hysterischen etwas
zurückgegangen. Inzwischen ist schon der Notarzt verständigt worden.
Wichtig sind jetzt die beiden mit den Glassplittern. Haben sie
Vergiftungssymptome? Haben sie auch Chemikalien auf Haut oder Bekleidung
abbekommen? Einer von ihnen hat im Augenblick des Zerknalls direkt an der
Apparatur gearbeitet. Und tatsächlich: Er hat einen ganz nassen Ärmel.
Verflixt! Die Helferin hat mitten hineingefasst und muss das Zeug jetzt
schleunigst selbst von der Hand abwaschen, denn auch auf der Haut ist das giftig.
Und natürlich muss der Kittel
des Praktikanten so schnell wie möglich herunter und irgendwo abgelegt
werden, wo er niemanden gefährden kann. Der Praktikant trug ein
kurzärmliges T-Shirt, es muss also keine weitere Bekleidung abgelegt
werden. Aber die betroffene Hautpartie ist - am besten mit Polyethylenglycol
- gründlich zu reinigen. Weil auch die beiden unter Schock zu stehen
scheinen, werden auch sie auf den Boden gesetzt oder gelegt. Die Hände zittern
immer noch - oder sogar noch stärker. Beide sind immer noch unfähig,
irgendeinen zusammenhängenden Satz zu sagen. Es ist kaum noch Platz auf dem engen
Flur. Immer wieder die Ermahnung, bitte nicht im Gesicht herumzufummeln.
Die Ersthelfer wischen kleine, das Gesicht herablaufende Blutrinnsale mit
einem Zellstofftüchlein ab und reden die ganze Zeit mit den Opfern.
Sie sind erleichtert, als der Stationsbetreuer endlich sagt: "OK, der
Rettungswagen ist jetzt da." Natürlich war der Stationslaufplan so
beschaffen, dass die einzelnen Übungsgruppen diesen Fall möglichst
am Ende zu lösen hatten. |
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"Was ist denn passiert?"
"W..ww..weiß nn...nicht...
P...ppl..ppplötzlich...h..h..hat's geknallt."
Vakuumapparatur mit zerplatztem
Kolben.

Eigentlich sollten nur die blutenden
Finger
versorgt werden. Aber was ist das?
Der Ärmel ist ja ganz nass!!
Jetzt hat nicht nur das Opfer die Chemikalie
auf der Haut, sondern auch die Ersthelferin.
Umgerissenes Heizbad

Die verbrühten Hände werden
mit Wasser gekühlt.

Wundversorgung

Auch die anfangs Hysterische hat jetzt
Schockanzeichen.

Nach der Übung die
Besprechung |