| Ausländische Studentin
inhaliert durch Unfall nitrose Gase
| Aus dem Labor stürzt den Ersthelfern eine teils nach Atem ringende,
teils erstickend hustende Studentin entgegen, die die Ersthelfer panisch
zur Seite schiebt und an ihnen vorbeiläuft - nur an die nächste
Quelle frischer Luft denkend. Die Ersthelfer müssen hinter ihr herlaufen
und sie dazu bewegen, anzuhalten und sich auf den Boden zu setzen. (Schonung
der Lunge ist in einem solchen Falle sehr wichtig. Bei starkem Hustenreiz
ist eine halbsitzende Stellung angenehmer, als sich flach hinzulegen.) Die
Hautfarbe der Verletzten ist gerötet, alle Indizien sprechen also für
ein inhaliertes Reizgas. Die Verletzte ist immer noch panisch, in der Aufregung
bringt sie lediglich unverständliche Worte in ihrer Heimatsprache hervor. |
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| Mindestens einer der Ersthelfer muss also versuchen, aus einer Besichtigung
des Labors Schlussfolgerungen zum Unfallgeschehen zu ziehen. Im Labor
empfängt ihn der unangenehme Geruch nitroser Gase. Ohne Gasmaske kann
er also nur die Luft anhalten und schnell einen Blick in die Runde werfen.
Das Labor ist verwahrlost. Die Studentin hat dort allein in einem vollgestellten
Abzug gearbeitet. Im Abzug liegt eine zerbrochene Flasche mit der Aufschrift
"Salpetersäure rauchend", der Abzug ist voll mit durchtränkten,
braun gewordenen Zellstofftüchern. Auch auf dem Boden ist offenbar mit
Zellstofftüchern herumgewischt worden. Da die Salpetersäure ein
starkes Oxidationsmittel ist, besteht akute Brandgefahr. Außerdem
können schon wenige Atemzüge nitroser Gase ein Lungenödem
auslösen. |
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Stecker ziehen und Scheibe runter:
Das ist erst einmal Standard.
Wenn klar ist, um was es sich handelt,
muss noch mit Wasser verdünnt werden. |
Die Helfer müssen die Aufgaben aufteilen:
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Notruf absetzen und Rettungsmannschaft zum Unfallort einweisen.
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Auxilosonspray herbeischaffen und die Verletzte inhalieren lassen.
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Gasmaske herbeischaffen und das Gefahrenpotential im Labor beseitigen
(Die Oxidationskraft der Salpetersäure lässt sich durch
Verdünnen mit Wasser mindern.)
Während aller dieser Maßnahmen darf die Verletzte zu keinem Zeitpunkt
allein gelassen werden. |
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Anmerkungen
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Die eintreffenden Übungsgruppen wurden in diesem Fall vom Stationsbetreuer
aufgefordert, zwanglos auf dem Flur vor dem Labor stehenzubleiben
und abzuwarten.
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Der Umstand, dass die Verletzte so lange wie sie es ertragen konnte, in dem
Labor ausgehalten hat, ist nicht untypisch. Oft plagen die Opfer nämlich
Schuldgefühle, etwas falsch gemacht zu haben und sie wollen die Spuren
des Fehlers unter allen Umständen beseitigen, bevor jemand etwas davon
bemerkt.
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Wenn es sich um einen weniger dramatischen Fall handelt, bei dem man sich
eher vorsichtshalber entscheidet, das Unfallopfer selbst zur Ersten-Hilfe-Stelle
zu bringen, ist ein Kleiderwechsel zweckmäßig, weil Gase in der
Bekleidung lange persistieren können. So wie die Dinge hier lagen, ist
dies zweitrangig, da man vor den binnen 5 Minuten eintreffenden
Rettungskräften dazu wahrscheinlich sowieso gar keine Gelegenheit mehr
hat.
Materialien
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Viele Gerätschaften, möglichst staubige Chemikalienflaschen,
Reagenzgläser etc. um die Abzüge vollzustellen und so einen unsauberen
Eindruck zu erzeugen.
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Eine Apparatur, an der die Studentin gearbeitet hat.
(3-Halskolben mit Rückflusskühler und Tropftrichter)
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Eine leere Flasche Salpetersäure, die mit einem Hammer zerschlagen wird.
(Vorher als Splitterschutz mit Papier umwickeln) Die Scherben werden im Abzug
so drapiert, dass man das Etikett noch lesen kann.
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Fließpapier, dass mit Soja-Sauce durchtränkt und im Abzug und
auf dem Boden so verteilt wird, dass der Eindruck entsteht, es sei zum Aufwischen
benutzt worden.
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Soja-Sauce
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Schminke
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1 leeres Auxiloson-Dosieraerosol
(Da das Medikament von Zeit zu Zeit ersetzt werden muss, nimmt man
einfach eine abgelaufene Sprühflasche, die man zuvor restlos
entleert.)
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1 Gasmaske mit Universalfilter.
(Da auch der Filter ein Ablaufdatum hat, nimmt man zu Übungszwecken
am besten ebenfalls so einen abgelaufenen Filter.)
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1 großes Schild: "Geruch nach nitrosen Gasen"
Anmerkung:
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Wir haben noch damit experimentiert, mit Trockeneis ein paar Rauchwölkchen
zu erzeugen, aber das hat nicht so gut geklappt - unter anderem, weil die
Wölkchen oft schon verflogen waren, bevor das Labor von den
Übungsteilnehmern inspiziert wurde.
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