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Letzte Aktualisierung: 06.11.2000

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Ausländische Studentin inhaliert durch Unfall nitrose Gase

Aus dem Labor stürzt den Ersthelfern eine teils nach Atem ringende, teils erstickend hustende Studentin entgegen, die die Ersthelfer panisch zur Seite schiebt und an ihnen vorbeiläuft - nur an die nächste Quelle frischer Luft denkend. Die Ersthelfer müssen hinter ihr herlaufen und sie dazu bewegen, anzuhalten und sich auf den Boden zu setzen. (Schonung der Lunge ist in einem solchen Falle sehr wichtig. Bei starkem Hustenreiz ist eine halbsitzende Stellung angenehmer, als sich flach hinzulegen.) Die Hautfarbe der Verletzten ist gerötet, alle Indizien sprechen also für ein inhaliertes Reizgas. Die Verletzte ist immer noch panisch, in der Aufregung bringt sie lediglich unverständliche Worte in ihrer Heimatsprache hervor.     

Mindestens einer der Ersthelfer muss also versuchen, aus einer Besichtigung des Labors Schlussfolgerungen zum Unfallgeschehen zu ziehen. Im Labor empfängt ihn der unangenehme Geruch nitroser Gase. Ohne Gasmaske kann er also nur die Luft anhalten und schnell einen Blick in die Runde werfen. Das Labor ist verwahrlost. Die Studentin hat dort allein in einem vollgestellten Abzug gearbeitet. Im Abzug liegt eine zerbrochene Flasche mit der Aufschrift "Salpetersäure rauchend", der Abzug ist voll mit durchtränkten, braun gewordenen Zellstofftüchern. Auch auf dem Boden ist offenbar mit Zellstofftüchern herumgewischt worden. Da die Salpetersäure ein starkes Oxidationsmittel ist, besteht akute Brandgefahr. Außerdem können schon wenige Atemzüge nitroser Gase ein Lungenödem auslösen.     


Stecker ziehen und Scheibe runter:
Das ist erst einmal Standard.
Wenn klar ist, um was es sich handelt,
muss noch mit Wasser verdünnt werden.

Die Helfer müssen die Aufgaben aufteilen:
  • Notruf absetzen und Rettungsmannschaft zum Unfallort einweisen.
  • Auxilosonspray herbeischaffen und die Verletzte inhalieren lassen.
  • Gasmaske herbeischaffen und das Gefahrenpotential im Labor beseitigen
    (Die Oxidationskraft der Salpetersäure lässt sich durch Verdünnen mit Wasser mindern.)

Während aller dieser Maßnahmen darf die Verletzte zu keinem Zeitpunkt allein gelassen werden.

    

 


Anmerkungen

  • Die eintreffenden Übungsgruppen wurden in diesem Fall vom Stationsbetreuer aufgefordert, zwanglos auf dem Flur vor dem Labor stehenzubleiben und abzuwarten.
  • Der Umstand, dass die Verletzte so lange wie sie es ertragen konnte, in dem Labor ausgehalten hat, ist nicht untypisch. Oft plagen die Opfer nämlich Schuldgefühle, etwas falsch gemacht zu haben und sie wollen die Spuren des Fehlers unter allen Umständen beseitigen, bevor jemand etwas davon bemerkt.
  • Wenn es sich um einen weniger dramatischen Fall handelt, bei dem man sich eher vorsichtshalber entscheidet, das Unfallopfer selbst zur Ersten-Hilfe-Stelle zu bringen, ist ein Kleiderwechsel zweckmäßig, weil Gase in der Bekleidung lange persistieren können. So wie die Dinge hier lagen, ist dies zweitrangig, da man vor den binnen 5 Minuten eintreffenden Rettungskräften dazu wahrscheinlich sowieso gar keine Gelegenheit mehr hat.


Materialien

  • Viele Gerätschaften, möglichst staubige Chemikalienflaschen, Reagenzgläser etc. um die Abzüge vollzustellen und so einen unsauberen Eindruck zu erzeugen.
  • Eine Apparatur, an der die Studentin gearbeitet hat.
    (3-Halskolben mit Rückflusskühler und Tropftrichter)
  • Eine leere Flasche Salpetersäure, die mit einem Hammer zerschlagen wird. (Vorher als Splitterschutz mit Papier umwickeln) Die Scherben werden im Abzug so drapiert, dass man das Etikett noch lesen kann.
  • Fließpapier, dass mit Soja-Sauce durchtränkt und im Abzug und auf dem Boden so verteilt wird, dass der Eindruck entsteht, es sei zum Aufwischen benutzt worden.
  • Soja-Sauce
  • Schminke
  • 1 leeres Auxiloson-Dosieraerosol
    (Da das Medikament von Zeit zu Zeit ersetzt werden muss, nimmt man einfach eine abgelaufene Sprühflasche, die man zuvor restlos entleert.)
  • 1 Gasmaske mit Universalfilter.
    (Da auch der Filter ein Ablaufdatum hat, nimmt man zu Übungszwecken am besten ebenfalls so einen abgelaufenen Filter.)
  • 1 großes Schild: "Geruch nach nitrosen Gasen"

Anmerkung:

  • Wir haben noch damit experimentiert, mit Trockeneis ein paar Rauchwölkchen zu erzeugen, aber das hat nicht so gut geklappt - unter anderem, weil die Wölkchen oft schon verflogen waren, bevor das Labor von den Übungsteilnehmern inspiziert wurde.