| Es ist der erste Fall, den die Seminarteilnehmer - noch im Plenum - zu
lösen haben:
Zum Ausklang des theoretischen Teils kommt plötzlich ein Student in
den Seminarraum gelaufen. Er reagiert auf Fragen verstört und
bagatellisierend, nur mit Mühe ist zu erfahren, dass die Flecken auf
der Kleidung Lösungsmittelabfälle sind. Die Kursteilnehmer sind
noch verblüfft, es dauert lange - noch zu lange - bis jemand aus der
großen Gruppe aufspringt und dem Studenten die Hose herunterziehen
will.
Aber halt! So geht es
nicht!
Wohl auch im Ernstfall wird niemand vor aller Augen die Kleidung fallen lassen
wollen. Es wäre mit Diskussionen zu rechnen, die kostbare Zeit erfordern.
Schneller ist da der Weg zum benachbarten leeren oder nur schwach besetzten
Labor. Also Abbruch und noch einmal alles von vorn! Diesmal kommt sofort
eine Teilnehmerin nach vorn und bringt den Studenten zum nächsten leeren
Raum und veranlasst, dass er sich ohne weitere Zuschauer diskret die Hose
ausziehen kann. Derweil werden im Plenum die Nöte des Praktikanten
diskutiert. Wie soll er jetzt nach Hause kommen? Ein ganz wesentlicher
Sicherheitsfortschritt ist das Bereithalten von Ersatzkleidung. Wer weiß,
dass im eigenen Spind noch eine zweite Hose steckt, hat weniger Hemmungen,
die durchtränkte Hose zu wechseln und wird dies bereitwilliger auch
bei kleinflächigeren Kontaminationen tun.
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Das ist nicht exakt der links beschriebene Fall. Hier ist es eine Studentin,
die den linken Unterarm voller Chemikalien hat. Auch dies eine gestellte
Szene, aber im Ernstfall würde auch sie das T-Shirt nicht freiwillig
hergeben wollen. Richtiges Verhalten in solchen und anderen Situationen lasse
ich inzwischen im organisch-chemischen Grundpraktikum am Semesterbeginn
üben.
Noch etwas ist hier übrigens nicht korrekt: Lange Haare dürfen im Labor
nicht offen getragen werden. |