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Letzte Aktualisierung: 06.11.2000

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Lösungsmittelabfälle auf der Kleidung

Es ist der erste Fall, den die Seminarteilnehmer - noch im Plenum - zu lösen haben:

Zum Ausklang des theoretischen Teils kommt plötzlich ein Student in den Seminarraum gelaufen. Er reagiert auf Fragen verstört und bagatellisierend, nur mit Mühe ist zu erfahren, dass die Flecken auf der Kleidung Lösungsmittelabfälle sind. Die Kursteilnehmer sind noch verblüfft, es dauert lange - noch zu lange - bis jemand aus der großen Gruppe aufspringt und dem Studenten die Hose herunterziehen will.

Aber halt! So geht es nicht!

Wohl auch im Ernstfall wird niemand vor aller Augen die Kleidung fallen lassen wollen. Es wäre mit Diskussionen zu rechnen, die kostbare Zeit erfordern. Schneller ist da der Weg zum benachbarten leeren oder nur schwach besetzten Labor. Also Abbruch und noch einmal alles von vorn! Diesmal kommt sofort eine Teilnehmerin nach vorn und bringt den Studenten zum nächsten leeren Raum und veranlasst, dass er sich ohne weitere Zuschauer diskret die Hose ausziehen kann. Derweil werden im Plenum die Nöte des Praktikanten diskutiert. Wie soll er jetzt nach Hause kommen? Ein ganz wesentlicher Sicherheitsfortschritt ist das Bereithalten von Ersatzkleidung. Wer weiß, dass im eigenen Spind noch eine zweite Hose steckt, hat weniger Hemmungen, die durchtränkte Hose zu wechseln und wird dies bereitwilliger auch bei kleinflächigeren Kontaminationen tun.


Das ist nicht exakt der links beschriebene Fall. Hier ist es eine Studentin, die den linken Unterarm voller Chemikalien hat. Auch dies eine gestellte Szene, aber im Ernstfall würde auch sie das T-Shirt nicht freiwillig hergeben wollen. Richtiges Verhalten in solchen und anderen Situationen lasse ich inzwischen im organisch-chemischen Grundpraktikum am Semesterbeginn üben.

Noch etwas ist hier übrigens nicht korrekt: Lange Haare dürfen im Labor nicht offen getragen werden.

 

 

 

Immer noch haben die Kursteilnehmer aber nicht alles bedacht: WIESO hat denn der Student Lösungsmittelabfall auf der Hose? Eine Besichtigung des Unfallszenarios fördert dramatisches zu Tage: Ein Destillationsrückstand, der noch zum Trocknen verwendetes Natrium enthielt, ist in die Sammelkanne für organische Lösungsmittelabfälle entsorgt worden. Wegen der heftigen Reaktion ist der Kanneninhalt herausgesprudelt. Das nun überall in Kugeln herumliegende Natrium bedeutet eine akute Brandgefahr.     


Materialien:

  • 1 Alte, möglichst helle Hose, damit man den Fleck gut sieht.
  • 1 Abfallkanister
  • 1 Rundkolben
  • Stahlkugeln (aus der Mechanikerwerkstatt) zur Simulation von Natriumkugeln
  • Soja-Sauce (zur Simulation der Lösungsmittelabfälle)
  • 1 großes Schild: "Widerlicher, unerträglicher Lösungsmittelgeruch"