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T. Lehmann | Letzte Aktualisierung: 05.10.2012 | Links   
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Illustration Welche Universität ist die richtige für mich?
Lassen Sie sich nicht von den wissenschaftlichen Glanzleistungen blenden!

Es stimmt zwar, dass eine excellente Universität excellente wissenschaftliche Leistungen hervorbringt, aber was Sie jetzt erst mal brauchen, ist ein Dozent, der sich trotz der blendenden Ergebnisse, zu denen er beigetragen hat, in die Niederungen des Studentendaseins begeben kann, der es noch nachempfinden kann, wie man sich als Student fühlt und mit welchen Problemen man zu kämpfen hat. Sie wollen ein Praktikum, in dem die Assistenten Zeit für SIE haben und nicht nach jeder Gelegenheit suchen, bloß wieder ins eigene Labor zurück zu kommen, um weitere blendende Resultate zu erzielen. Wenn man Ihnen bei einem Besuch der Einrichtung - sei es individuell, sei es im Rahmen einer Informationsveranstaltung - das Studium ausschließlich aufgrund der Forschungsleistungen schmackhaft machen will und die Informationen zum Studium demgegenüber eher allgemein bleiben, sollten Ihre Alarmglocken schrillen!

Manche Institutionen haben gerade erst den Studiengang umgestellt - und haben das vielleicht auf äußeren Druck hin gemacht - und stehen also gar nicht richtig hinter dem Studiengang, empfinden z.B. den Mehraufwand für die Prüfungsverwaltung insgeheim als Zumutung. Sollen die Studenten doch selbst klar kommen. Dass man schließlich kein Kindergarten sei, ist schon sehr vernehmlich zu hören gewesen. Heißt das nicht, dass man die dortigen Studenten für infantil hält? Wollen sie an einer solchen Hochschule studieren?

Wer gute Lehre machen will engagiert sich. Schwer vorstellbar, dass sich Engagement sehr einseitig auf die Lehre konzentriert. Dort, wo Sie eine ansehnliche Ausbildung bekommen, wird mit einiger Sicherheit auch eine ansehnliche Forschung angeboten. Es mag aber sein, dass das angebotene Leistungsprofil nicht Ihren Neigungen entspricht. Na gut: Entweder lässt sich dieses Manko durch Gastaufenthalte an anderen Universitäten ausgleichen oder Sie müssen zum Masterstudium oder zur Promotion dann an eine Einrichtung wechseln, in der Ihre Interessengebiete in der Forschung besser vertreten sind. In den späteren Studienabschnitten können sie ein geringer ausgeprägtes Engagement in der Lehre leichter wegstecken. Das hat auch damit zu tun, dass Sie jetzt keine Grundvorlesungen mehr besuchen, sondern in den Spezialveranstaltungen sitzen, in denen es den Dozenten schmeichelt, wenn Sie Interesse an ihrer eigenen Forschung haben.

Wie immer Sie sich entscheiden, Sie werden die Universitäten nicht wechseln wie das Hemd sondern sich für mehrere Semester an eine Universität binden.

  • Treffen Sie deshalb Ihre Auswahl sorgfältig! Wenn immer möglich, statten Sie Ihrer Wunschuni einen Besuch ab. Manche Schulen oder wenigstens einzelne Lehrer kooperieren mit Universitäten und vermitteln z.B. "Schnupperpraktika" oder ähnliches. Aber auch auf sich allein gestellt, können Sie ohne weiteres vor Ort aufkreuzen, Leute ausfragen oder an einer Vorlesung teilnehmen. Das Vorlesungsverzeichnis gibt es heutzutage üblicherweise online. Suchen Sie sich die Anfängerveranstaltungen heraus! In eine Vorlesung können Sie IMMER einfach so hineingehen. Keine Angst vor Nasenkontrollen! Anfängervorlesungen werden oft für mehrere Fachrichtungen gleichzeitig angeboten. Es kann also sein, dass Sie mit 100 Studierenden zusammensitzen. Gucken Sie ruhig auch mal nach den Praktika. Ohne Schutzbrille, Kittel und Beaufsichtigung dürfen Sie da allerdings nicht einfach reinlaufen. Wenn Sie gleich angesprochen werden oder es wenigstens an der Tür ein Schild gibt: "Zutritt für Unbefugte verboten! Besucher melden bei ..." ist das positiv! Lassen Sie sich durch das unfreundliche Schild nicht abschrecken. Sie sind ein Besucher und Besucher haben Anspruch auf höfliche Behandlung! Wenn die Praktikanten stinkende löcherige Kittel tragen, ist das kein gutes Zeichen, wenn sie gehetzt und genervt wirken, auch nicht. Wenn Sie hingegen spontan ein paar Minuten mit Ihnen reden und dabei einen zufriedenen Eindruck machen, wenn sie gar freiwillig Ihr Studium loben, ohne dabei von argwöhnischen Dozentenaugen getrieben zu sein, ist das ein superguter Eindruck!! Es ist in Ordnung, wenn Sie so ein bisschen Chemiegeruch in der Nase haben. Ist das aber unangenehm und Sie haben den Geruch schon am Haupteingang vernommen, ist das auch nicht so gut. Haben auch Assistenten oder gar Praktikumsleiter für Sie Zeit, führen Sie vielleicht so gar ein wenig herum, dann haben Sie einen Volltreffer gelandet!
  • Wenn nun nicht unbedingt im Praktikum, so sollte doch wenigstens überhaupt ein Ansprechpartner für Sie vorhanden sein. Es gibt Fachstudienberater (meist Professoren), manchmal studentische Studienberater (ein gutes Zeichen!) oder wenigstens eine engagierte Fachschaft. Rechnen Sie damit, dass man Ihretwegen nicht gleich sofort alles stehen und liegen lassen kann, sondern dass Sie sich für ein ausführlicheres Gespräch verabreden müssen. Bereiten Sie sich auf diese Gespräche vor! Sie sollten einen Zettel mit Stichpunkten dabei haben und einen Stift, um die erhaltenen Auskünfte zu notieren. Sie kommen ziemlich dumm rüber, wenn sie nur "Hallo! Können sie mir mal Ihre Universität erklären?" hervorstammeln können.
  • Wenn Ihre Mutter zum Informationsgespräch unbedingt mitkommen will, zeigt das, dass Sie aktiv an Ihrem Erfolg interessiert ist. Aber in dieser Situation ist sie wirklich richtig, richtig fehl am Platz! Ihre Gegenwart zieht unvermeidbar den Eindruck mit sich, dass Sie Mamas Liebling sind, der/die nix allein auf die Reihe kriegt. Papas Gegenwart bewirkt das gleiche! Die Universität will vor allem eines: Selbständige Menschen. Mit der elterlichen "Hilfestellung" verliert man schlagartig das Interesse an Ihnen!
Ein Unistreik ist eine einmalige Gelegenheit, einer Universität auf den Zahn zu fühlen. Schauen Sie sich die Forderungen der streikenden Studierenden an! Es gilt folgende Faustregel: Schlecht behandelte Studierende reagieren besonders wütend, sie sind besonders schlecht informiert und stellen deshalb besonders abstruse Forderungen. Muten die Forderungen also abenteuerlich an, so ist das vielleicht nicht die richtige Universität für Sie, es sei denn, Sie sind selbst auf Krawall aus. Vorsicht! Was Sie an einer streikenden Uni im dauerbesetzten Audimax zu hören bekommen, sind meist die lautstärksten Protestierer, die am meisten wütend und am unkontrolliertesten sind. Sie müssen sich schon umhören, wie sich zur gleichen Zeit die Studierenden an Ihrem Wunschfachbereich fühlen.

Eine zusammenhängende Darstellung, woran Sie eine Universität erkennen, die eine engagierte Lehre macht, erfahren Sie auf einer eigenen Seite. Nachfolgend finden Sie Links zu einzelnen Tipps, in denen die Indikatoren etwas plakativer dargestellt sind.