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T. Lehmann | Letzte Aktualisierung: 05.10.2012 | Links   
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Ist das schwer, sich in der Universität zurechtzufinden?
Das Organisatorische ist kein großes Problem. In der Regel gibt es einen empfohlenen Studienplan. Das bedeutet, dass Sie wie in der Schule einen semesterweise gültigen Stundenplan haben, von dem Sie allerdings im Gegensatz zur Schule abweichen können, was aber meist mit Nachteilen - in der Regel mit einer Verlängerung der Studienzeit verbunden ist. Wenn Sie sich an den Plan halten, sehen Sie die meisten Kommilitonen Ihres Semesters also die ganze Woche über und es sollte Ihnen nicht schwer fallen, Freunde zu finden oder Lerngemeinschaften zu bilden.
Schwieriger fällt den meisten die neue Art des Lernens. Es gibt keinen Lehrer mehr, der Hausaufgaben oder Mitarbeit kontrolliert, sondern einen Dozenten, der vorne steht und vorträgt und sich dabei zwar anständigerweise Gedanken darüber macht, wie er seine Lehrinhalte möglichst verständlich vermitteln kann, aber dennoch keine Rücksicht darauf nimmt, wenn leistungsschwächere Hörer nicht mitkommen. Und wer leistungsschwach ist, findet diese Situation möglicherweise zu Anfang gar nicht unbedingt unangenehm, denn der Dozent vorn ist weiterhin nett und freundlich und keineswegs verärgert. Zum Schluss kommt aber eine Leistungsüberprüfung und dabei fallen plötzlich viele aus allen Wolken und machen eine schwere Bauchlandung. Die Noten sind im ersten Semester meistens eher schlecht. In höheren Semestern bessert sich dies langsam. Hinzu kommt, dass man an der Hochschule schon lange vor der PISA-Studie gemerkt hat, dass die schulische Ausbildung vor allem auch im Fach Chemie eher nachgelassen hat, was die Situation für die Studienanfänger nicht eben einfacher macht.
Tappen Sie also nicht in die Falle! Arbeiten Sie von Beginn an konsequent mit! Arbeiten Sie jede Lehrveranstaltung zu Hause nach! Lesen Sie dabei nicht nur in irgendeinem Buch, sondern nehmen Sie Papier und Stift und formulieren sie Reaktionen, Formelableitungen etc. eigenhändig nach! Lernen Sie für sich selbst! Lesen Sie so bald wie möglich auch ein wenig links und rechts vom Pflichtstoff! Entwickeln Sie Ihre eigenen Interessen! Je mehr Sie wissen, umso besser sind später Ihre Chancen. Diskutieren Sie mit anderen über Chemie! Bilden Sie Lerngruppen! Nur wenn Sie das Erlernte reflektieren, werden Sie in dessen Beherrschung sicher. Rechnen Sie mit einer hohen Präsenzzeit an der Universität. Anwesenheitszeiten von 8:00 bis 18:00 sind normal, solche von 8:00 bis 20:00 nichts dramatisches. Wenn man Glück hat, kann man in der Zeit schon manches von den Vor- und Nachbereitungen erledigen, in der Regel muss aber zu Hause noch für ein paar weitere Stunden die Schreibtischlampe angeknipst werden. Die hohe Präsenzzeit kommt durch die außergewohnlich intensive Praktikumstätigkeit zustande. Semesterweise haben Sie die ganze Woche täglich den ganzen Nachmittag ein oder mehrere Praktika.
Lehramtskandidaten haben das Problem, dass sie zwei verschiedene Fächer studieren. Zwar gibt es für jedes Fach allein eine empfohlene Studienreihenfolge, aber da es fast beliebig viele Fächerkombinationen gibt, ist es fast unmöglch, sich einen überschneidungsfreien Studienplan zusammenzulegen. Fast immer studieren Lehrer deshalb länger, als dies theoretisch notwendig gewesen wäre.
Für jedes Fach gibt es Studienberatungen, die offiziell von den Professoren, meist aber auch von Studenten angeboten werden. Studenten sind es auch, die in der Regel für Erstsemester eine Einführungsveranstaltung organisieren, wobei die Neulinge mit den Örtlichkeiten vertraut gemacht werden und Tips für das erste Semester erhalten. Üblicherweise schließen sich engagierte Studenten zu einer Fachschaft zusammen und unterhalten zumindest ein Büro, das man aufsuchen kann. Wenn Sie psychische Probleme, z.B. Prüfungsängste haben, so scheuen Sie sich nicht, die hochschuleigene psychische Beratungsstelle aufzusuchen, die Ihnen für solche Fälle höchst wirksame Hilfe geben kann!