<< , >> , hoch , Titelseite , Inhaltsverzeichnis

2.4 Verabsolutierung und Kampf der Weltbilder

Am klarsten ausgebildet jedoch, in ihrer vollsten Entwicklung findet man diese Weltbilder in ihrer ausschließenden, verabsolutierten Form als philosophische Weltbilder:

· naturmechanisches Weltbild ==> mechanistisches Weltbild der Materialisten

· naturgeschichtliches Weltbild ==> Naturalismus (Haeckel, Biologismus)

· naturmythisches Weltbild ==> romantische Naturphilosophie (mythische Weltauffassung, Theosophie, Fechner)

Durch ihre Verabsolutierung entsteht der Kampf der Weltbilder, ihre gegenseitige Verständnislosigkeit. Zur Verdeutlichung führt Jaspers zwei Beispiele auf:

1. Goethes Farbenlehre als Kampf des naturgeschichtlichen Weltbildes gegen die naturmechanische Auffassung von Newtons Spektralanalyse. Goethe verabsolutierte sowohl seine als auch Newtons Vorgehensweise. Er wollte gegen die empfundene Leere der entqualifizierten mechanistischen Forschung angehen, er wollte ordnen, was zu sehen ist. Er war seiner Welt ergeben, wobei seine psychologischen Einsichten in das Naturmythische hineinragen. Goethe hielt die mechanistische Erklärung für absolut- obwohl sie eben nur einen Aspekt der Natur, ihre Berechen- und Beherrschbarkeit erfasst-, weil seine Kategorien (Urphänomen, Entwicklung und Steigerung), die Kategorien des Anschaulichen, keinen Platz im Kreis der mechanischen Einsichten haben.

2. Die romantische Naturphilosophie sah die Welt als Mannifestation sinnvoller Willenskräfte, die Natur als ein Ganzes lebendig und seelisch. Sie versuchte zum Teil, das Naturmythische mit den logischen Mitteln der beiden anderen Weltbilder darzustellen. Dadurch entstand eine Vermischung von Mythos und Erkenntnis im naturwissenschaftlichen Sinn. Die Reaktion war eine weitere Verabsolutierung des Mechanischen seitens der Naturwissenschaft, um die Verstrickung zu lösen.


<< , >> , hoch , Titelseite , Inhaltsverzeichnis