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2.3 Naturmythisches Weltbild

Die Schwierigkeit bei der Beschreibung des naturmythischen Weltbildes liegt darin, daß sich in ihm im Grunde keine gegenständliche, greifbare Sphäre findet wie in den beiden vorhergehenden. Von deren Standpunkt aus ist es unwirklich, nicht objektiv. Es handelt sich hier um Erlebnis, Seelenhaftes und Symbolisches, um Beziehungen und Analogien, um eine "unendlich verwickelte und nuancenreiche subjektive Reaktivität auf Naturstimmungen, Naturformen, Naturvorgänge". Es ist ein seelisch-geistiges Auffassen, ein Einfühlen in die Natur, es ist ein Finden von Beziehungen und inneren Verwandtschaften in der Welt, wie z.B. in den babylonischen Lehren der Astrologie.

Doch es ist nicht bloß subjektive Willkür, es scheint eine Notwendigkeit der menschlichen Seele zu sein, Ähnlichkeiten und Analogien aus den Erlebnissen herauszuheben und schöpferisch als Bild zu gestalten.

Das naturmythische Weltbild findet seinen Ausdruck vor allem im Mythos und in der Dichtung, seine Sprache lebt von Analogien und Symbolen, es ist die eigengesetzliche Sphäre der Naturmythen und der romantischen Naturdichtung.

Es wird oft der Fehler begangen, v.a. in der Theosophie, dieses Weltbild mit den beiden anderen zu vermischen, seine inneren Beziehungen von Verwandtschaft, Symbolik, Analogie und Sympathie mit den realen Beziehungen im Sinne des naturmechanischen und naturhistorischen Weltbildes zu einem unklaren, undifferenzierten Realitätsbegriff zusammenfließen zu lassen. Dies ist eine Gleichsetzung verschiedenartiger Welten, bei der die Einsichten aus der einen, für die Zwecke der anderen (Voraussage, Prophezeiung) zu verwenden versucht wird.

Die drei geschilderten Bilder können in vollkommen reiner Form nicht existieren. Sie gehen Synthesen ein und bedienen sich in Grundlagen oder Ausblicken der anderen Weltbilder. So kann das mechanische Weltbild nicht ohne jede Anschaulichkeit und Qualität auskommen für Elemente, die sich nicht restlos mit Maß und Mathematik erfassen lassen. Die letzten Begriffe des naturgeschichtlichen Weltbildes (Urtypen, Urphänomene, Idee des Lebens, der Materie), die nie endgültig erkannt werden, verleiten leicht dazu, in das naturmythische zu gleiten. Und selbst das Naturmythische nimmt bekannte mechanische Elemente als Voraussetzung, auch wenn es selbst keine mechanischen Einsichten anstrebt.


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