Die Signalübertragung von Zelle zu
Zelle erfolgt im Nervensystem an spezialisierten Kontaktzonen, den Synapsen.
Ein wichtiger Bestandteil der Synapsen sind Liganden-gesteuerte Ionenkanäle,
die durch Bindung eines von der praesynaptischen Zelle ausgeschütteten
Neurotransmitters die Depolarisation der postsynaptischen Zelle vermitteln.
Der nikotinische Acetycholinrezeptor (nAChR) ist ein Prototyp für
solche Ionenkanäle. Ein Teil unserer Arbeitsgruppe beschäftigt
sich mit der Aufklärung von Mechanismen, die zur Öffnung des
nAChR führen. Hierfür werden die Bindungsstellen verschiedener
Klassen von Liganden charakterisiert, von denen man weiß, dass sie
Struktur und Funktion des nAChR beeinflussen, darunter Toxine aus den Venomen
von Schlangen und Wespen. (Bei diesen Studien besteht eine langjährige
Zusammenarbeit mit der Abteilung von Prof. Viktor Tsetlin am Shemyakin-Ovchinnikov-Institut
für Bioorganische Chemie in Moskau.)
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Im Zellkern bildet die innere Kernmembran
eine mögliche Struktur für Signalverarbeitungsprozesse. Bisher
sind nur wenige Proteine dieser Membran bekannt. Diese nehmen jedoch Einfluss
auf die funktionelle Organisation des Zellkerns. Ziel unserer Untersuchungen
ist es, hier weitere Proteine mit proteinchemischen Mitteln zu identifizieren,
sie funktionell zu charakterisieren und ihre phosphorylierungsabhängigen
Wechselwirkungen mit anderen Kernproteinen zu beschreiben. Das Lamina-assoziierte
Polypeptid 2 beta (LAP 2ß) ist in diese Membran integriert und
dient uns als Modellprotein. Die Suche nach seinen Bindungspartnern und
die Charakterisierung der Protein-Protein-Interaktionen erfolgt durch eine
Kombination molekularbiologischer und zellbiochemischer Methoden (Expression
rekombinanter Proteine, Zellkultur mit Fibroblasten und Neuroblastomzellen).
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An den Synapsen kommt es bei wiederholter Stimulierung zu Adaptationsprozessen, bei denen die Signaltransduktion moduliert wird. Diese Prozesse sind essentiell für das Lernen und die Entwicklung von Gedächtnis. Man nimmt an, dass darauf auch das Phänomen chronischer Schmerz fußt. Die zu Grunde liegenden Mechanismen werden in einer Zusammenarbeit mit der Firma Grünenthal untersucht. In diesem Projekt, welches vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) gefördert wird, ist es Aufgabe unserer Gruppe, solche Proteine zu identifizieren, die während der Entwicklung von chronischem Schmerz in ihrer Expression moduliert oder post-translational modifiziert werden. Dazu setzen wir zweidimensionale Trenntechniken und massenspektrometrische Analyse ein. Mehr zum Thema Schmerz
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Ein weiterer Fokus unserer Forschung liegt
im Bereich intrazellulärer Signalketten: Wie wird ein Signal,
das an der Plasmamembran eintrifft, in den Zellkern vermittelt, wo es durch
Modulation der Genexpression letztendlich die Regulation von Proliferation
und Differenzierung beeinflusst? In den letzten Jahren stellte sich heraus,
dass einige Proteinkinasen, darunter die von uns untersuchte Proteinkinase
C (PKC), Stimulus-abhängig in den Zellkern transloziert werden.
Ziel ist die Identifizierung von Bindungspartnern und Substraten der PKC
im Kern und die Aufklärung des Mechanismus der Translokation (PKC
besitzt kein klassisches Transportsignal). Die Untersuchungen, die auf
molekularbiologischen und proteinchemischen Methoden beruhen, werden u.a.
an primären Neuronen durchgeführt.
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