Thema: PRAE- UND POSTSYNAPTISCHE MEMBRANEN
Zusammenfassung:
Die Stärke des Gehirns basiert auf den außerordentlichen Fähigkeiten der Nervenzellen, an spezialisierten interzellulären Verbindungsstellen miteinander zu kommunizieren, den Synapsen.
Die Nervenzelle
Jede Nervenzelle besteht aus einem „Empfänger“-bereich,
der somato-dendritischen Region, in dem eintreffende Informationen verarbeitet
und in elektrische Signale umgesetzt werden sowie einem „Sende“-bereich,
der axonalen Region mit den axonalen Nervenenden, in dem die elektrischen
Signale wieder in chemische Signale umgesetzt werden.
Die Axone variieren außerordentlich in
der Länge, einige mit einer Größe von mehr als 1 m. Die
meisten Axone im ZNS sind sehr dünn (zwischen 0,2 und 20 µm),
verglichen mit dem Zellkörper (50µm oder mehr im Durchschnitt).
Am Axonhügel, die Region des Zellkörpers aus dem das Axon entspringt,
wird das Aktionspotential ausgelöst.
Die Synapse
Die Elementareinheit der Kommunikation zwischen
Nervenzellen ist die Synapse, wo ein präsynaptisches Nervenende der
Senderzelle auf eine postsynaptische Membran der Empfängerzelle trifft.
Als Reaktion auf ein präsynaptisches Aktionspotential werden Neurotransmitter
von den Nervenenden der Senderzelle freigesetzt. Sie diffundieren über
den synaptischen Spalt und binden dann an Rezeptoren in der postsynaptischen
Membran der Empfängerzelle, wodurch deren Funktionszustand verändert
wird. Die postsynaptische Membran gibt keine Transmitter ab. Synapsen geben
Signale also nur in eine Richtung weiter. Sie besitzen damit eine Ventilfunktion,
ohne die eine geordnete Informationsübertragung nicht möglich
wäre.

Umwandlung eines elektrischen Signals in ein
chemisches > Freisetzen der Neurotransmitter
Die Exozytose (Fusion des Membrankompartiments
der synaptischen Vesikel mit der präsynaptischen Plasmamembran) wird
durch ein komplexes Netzwerk von geordneten und sequenziell ablaufenden
Protein-Protein-Wechselwirkungen bewirkt. Voraussetzung der Exozytose ist
die Öffnung spannunsabhängiger Ca2+-Kanäle. Vom Einstrom
der Ca2+-Ionen bis zur Fusion der Vesikel vergehen weniger als 500 µs.
D.h. nur diejenigen synaptischen Vesikel kommen zur Exozytose, die bereits
an der präsynaptischen Membran angedockt sind. Die molekularen Schritte,
die zur Exozytose führen, sind:
· Transport der Vesikel an die
Orte, die für die Membranfusion spezialisiert sind:
Die synaptischen Vesikel sind in der Nervenendigung
angehäuft. Im Ruhezusteand werden sie über Synapsin-1 in das
Aktinskelett der Nervenendigung eingebunden. Nach Eintreffen eines Aktionspotentials
wird die präsynaptische Membran depolarisiert, wodurch sich spannungsabhängige
Ca2+-Kanäle öffnen. Es kommt zu einem raschen Einstrom von Ca2+-Ionen
in die Nervenendigung, der eine Calmodulin-abhängige Phosphorylierung
des Synapsins bewirkt. Daraufhin ändert sich die Konformation des
Synapsins, Synapsin löst sich von der Vesikeloberfläche und entlässt
das Vesikel aus seiner Verankerung im Zellskelett.
· Andocken an die Plasmamembran:
rab3 (Vesikelprotein) ist vermutlich mit für
das gezielte Auffinden der Dockingstelle verantwortlich.
Synaptotagmin (Vesikelprotein) bindet an Neurexine,
interagiert mit Syntaxin und enthält die für die Exozytose entscheidende
Ca2+-Bindungsstelle.
· Membranfusion:
Wenn die Vesikelmembran an die Plasmamembran
gebunden ist, kommen das ungefaltete biegsame Synaptobrevin mit einem bereits
gefalteten Syntaxin-SNAP-25 Komplex in Berührung. Es bilden sich ternäre
Komplexe, wobei Synaptobrevin in eine Helix aufgerollt wird und damit die
Membranen zueinander hingezogen werden. In Neuronen bildet sich ein gespannter
Zwischenzustand aus, der nur noch eines kleinen Anstoßes bedarf (vermutlich
vermittelt durch den Ca2+-Rezeptor Synaptogamin), um den letzten Schritt
zur Fusion auszulösen.

· Wiederherstellung der Ausgangssituation
Bei jeder Exozytose würde sich die
Membranoberfläche vergrößern. Damit dies nicht passiert,
wird die Membran der synaptischen Vesikel durch Endozytose wieder aufgenommen
und durchläuft ein lokales „Recycling“, d.h. sie wird wieder zur Bildung
von synaptischen Vesikeln verwendet. Obwohl der genaue Mechanismus für
die Wiedergewinnung der Vesikel bis jetzt noch nicht klar ist, ist offensichtlich
die durch Klathrin vermittelte Endozytose darin verwickelt, da mit Klathrin
ummantelte Vesikel innerhalb von wenigen Sekunden, nachdem die Nervenendigungen
den Neurotransmitter ausgeschieden haben, in sehr großem Überschuß
vorhanden sind.
EPSP (Exzitatorisches postsynaptisches Potential)
Durch einen Transmitter, z.B. Acetylcholin, kommt
es an der postsynaptischen Membran zu einer Öffnung von unspezifischen
Kanälen für Kationen, so daß Na+ in die Zelle einströmen
kann. Der Grund hierfür ist der Unterschied zwischen dem Membranpotential
der Zelle (-60 bis -80 mV) und dem Gleichgewichtspotential von Na+ (+55
mV). Der schwächere Ausstrom von K+ (Gleichgewichtspotential bei -90
mV) wirkt der Depolarisation entgegen, kann den positiven Ladungseinstrom
jedoch nicht ausgleichen. Die entstehende lokale Depolarisation wird als
EPSP bezeichnet und heißt an der motorischen Endplatte auch Endplattenpotential.
Im Gegensatz zum Aktionspotential ist das EPSP nicht spannungsabhängig,
sondern durch die Zahl der durch den Transmitter geöffneten Kanäle
bedingt. Nebeneinanderliegende Synapsen oder kurz aufeinanderfolgende EPSPs
einer Synapse gehorchen nicht dem "Alles-oder-Nichts"-Gesetz und können
sich überlagern, dieser Vorgang heißt Summation. Auf diese Weise
entsteht ein großes EPSP, das die gesamte postsynaptische Zelle depolarisieren
kann. Erreicht ein solches EPSP einen Axonhügel oder eine motorische
Endplatte, entsteht ein Aktionspotential. Ein einzelnes EPSP kann kein
Aktionspotential auslösen.
IPSP (Inhibitorisches postsynaptisches Potential)
Öffnet ein Transmitter Kanäle, die
selektiv den Durchtritt von K+ und Cl- ermöglichen, verstärkt
der entstehende Ionenstrom das Ruhepotential. Bindet ein Transmitter an
den K+-Kanal, erhöht sich dessen Leitfähigkeit und es kommt durch
das Potentialgefälle zu einem K+-Ausstrom. Häufiger sind Cl--Kanäle,
durch die Cl- nach Bindung eines Transmitters aufgrund des Potentialunterschiedes
in die Zelle einströmt. Die in beiden Fällen entstehende Hyperpolarisation
wirkt einer Erregung entgegen und wird deshalb als IPSP bezeichnet.
EPSP und IPSP beeinflussen sich an benachbarten
Synapsen zur selben Zeit oft gegenseitig.
Die Patch-clamp-Technik
Der erste direkte Nachweis der Existenz von Ionenkanäle
gelang durch die Einführung der Patch clamp Technik durch E. Neher
und B. Sakmann im Jahre 1976. Mit der patch-clamp-Methode können Membranströme
an etwa 1 µm2 großen Membranstücken mit hoher Amplituden-
und Zeitauflösung gemessen werden. Niederohmige Glaselektroden werden
auf die Zellmembran aufgesetzt. Durch Anlegen eines Unterdruckes wird dann
zwischen Membran und Elektrodenrand ein sehr hoher Abdichtungswiderstand
von mehreren GW erzeugt. Das Membranstückchen unter der Spitze der
Elektrode (patch) wird so elektrisch isoliert, und Ionenströme im
Bereich von wenigen pA können gemessen werden.
Referat 2 (Anne-Lore Schlaitz):
Firestein et al. (1999) Neuron 24: 659-672
"Cypin : A Cytosolic Regulator of PSD-95 Postsynaptic Targeting"
Die postsynaptische Dichte (postsynaptic density,
PSD) ist eine Spezialisierung des Zytoskeletts an der synaptischen Verbindung,
die aus regulatorischen und Zytoskelett-Proteinen besteht und der Organisation
der Signaltransduktionsmaschinerie an der postsynaptischen Membran dient.
PSD-95, eine Hauptkomponente der PSD, dient wie andere membranassoziierte
Guanylatkinasen (MAGUKs) dem Aggregieren von Neurotransmitterrezeptoren
und nachgeordneten Enzymen und gewährleistet so die selektive Aktivierung
verschiedener Signalkaskaden. MAGUKs verfügen über verschiedene
Protein-Protein-Interaktionsdomänen, u.a. über drei PDZ-Domänen,
die Liganden mit der C-terminalen Konsensus-Sequenz Thr/Ser-X-Val/Ile-COOH
binden.
Die Autoren der Arbeit berichten über die
Isolierung und Charakterisierung eines neuartigen, zytoplasmatischen Liganden
von PSD-95, Cypin.
Cypin interagiert über seinen der Konsensus-Sequenz
für PDZ-Bindung entsprechenden C-Terminus, -SSSV, mit den Domänen
PDZ1 und PDZ2 von PSD-95. Durch Koimmunopräzipitation wurde belegt,
daß Cypin auch mit den MAGUKs SAP-97 und SAP-102 assoziiert. Eine
Überexpression von Cypin in Zellkulturen von Hippocampus-Zellen führte
zu eingeschränkter Clusterung von PSD-95 und Verlust der Clusterung
von SAP-102 an den synaptischen Stellen.
Cypin könnte somit PSD-95-assoziierte Signaltransduktionskaskaden
modulieren, indem es mit PSD-95-Liganden in der PSD um die PDZ-Bindungsdomäne
konkurriert.
Seite erstellt von Chris Weise, Juli 2000