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Zellfreie Synthese von natürlichen, modifizierten und artifiziellen
Proteinen (Proteinbioreaktor)
Projektleiter: Dr. Wolfgang Stiege, Tel.: +49 30 838 6401, email: stwo@chemie.fu-berlin.de
Mitarbeiter: Michael Gerrits, Angela Schreiber
In diesem Forschungsprojekt sollen in vitro, also im "Reagenzglas"
bestimmte natürliche, modifizierte und artifizielle Proteine in präparativem
Maßstab hergestellt werden. Für die Synthese werden die sehr
effizienten Reaktionen eingesetzt, mit denen lebende prokaryontische und
eukaryontische Zellen in ihrem Stoffwechsel normalerweise große Mengen
tausender verschiedener Proteine herstellen. Bei der in vitro-Reaktion
wird die Synthese durch die Zugabe einer entsprechenden Matritze (mRNA
oder DNA) so programmiert, daß nur ein einziges gewünschtes
Produkt entsteht. Die wichtigsten Vorteile der zellfreien Proteinbiosynthese
gegenüber der in vivo Expression sind: daß ganz gezielt Veränderungen
in das Protein in Form anderer natürlicher, isotopenmarkierter und
sogar modifizierter Aminosäuren eingebaut werden können, daß
keine unerwünschten anderen Stoffwechselprodukte entstehen, daß
Proteine hergestellt werden können, deren Synthese in vivo große
Schwierigkeiten macht, daß der Weg vom Gen zum Protein sehr kurz
ist, daß die Aufreinigung der Produkte weniger aufwendig ist und
daß der Einsatz gentechnologischer Methoden umgangen werden kann.
Zu den denkbaren Anwendungen gehören zum Beispiel: 1. Herstellung
veränderter Proteine mit verbesserten Aktivitäten oder grundsätzlich
neuen Eigenschaften und Spezifitäten. 2. Optimierung von enzymatischen
Eigenschaften oder Bindungseffizienzen in Kombination mit der SELEX-Methode
und der PCR-Technologie (Molekulare Evolution). 3. Aufklärung von
Proteinstrukturen und -funktionen, sowie der Proteinfaltungsmechanismen
durch den gezielten Einbau isotopenmarkierter Aminosäuren (NMR-Spektroskopie).
4. Immobilisierung von gezielt modifizierten Proteinen für Affinitätschromatographie-Systeme
und Biosensoren. 5. schnelle Überprüfen der Produkte von Genabschnitten
(Human Genom Projekt). 6. Der technische Einsatz gezielt modifizierter
Proteine im Bereich der Bioinformatik. 7. Darüber hinaus wird langfristig
der Einsatz des Proteinbioreaktors in der Medizin (Diagnostik und Therapie)
vorhergesagt.
Dr. Wolfgang Stiege, stwo@chemie.fu-berlin.de