Rechtschreibreform der deutschen Sprache zum 1.8.1998
- Allgemeines
- Geänderte Schreibweisen: ß u.a.
- Eher Getrennt- als Zusammenschreibung
- Eher Groß- als Kleinschreibung
- Zeichensetzung
- Silbentrennung
- Verworfene Vorschläge zur Eindeutschung von Fremdwörtern
- Weitere Verweise zum Thema Rechtschreibreform
Die Rechtschreibreform der deutschen Sprache soll voraussichtlich
zum 1. August 1998 mit einer Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2005
in Kraft treten. Sie wurde international zwischen Deutschland,
Österreich und der Schweiz abgesprochen.
Rechtschreibänderungen betreffen 185 von 12000 Wörtern des
Grundwortschatzes. Die Zahl der Rechtschreibregeln verringert sich
von 212 auf 112, die der Zeichensetzungsregeln von 52 auf neun.
Das "ß" fällt beim "daß" weg ("dass") sowie nach einem
kurzen Vokal, wird aber nicht (wie in der Schweiz bereits geschehen)
vollständig abgeschafft:
- ß
- Nuss statt Nuß
- Kuss statt Kuß
- Maß, Fraß, Fuß (unverändert)
Die Regel, daß bei Wortkombinationen nicht drei gleiche Konsonanten
gesetzt werden dürfen, wenn ein Vokal folgt, wird abgeschafft:
- Wegfall der Drei-Konsonanten-Regel
- Schifffahrt statt Schiffahrt
- Stilllegung statt Stillegung
- Sauerstoffflasche (wie bisher!)
Bei Substantiven, die sich von Adjektiven ableiten, wird die
Stammschreibung maßgebend:
- roh - Rohheit
- Rohheit statt Roheit
- Zähheit statt Zäheit
- Sonstiges
- Albtraum statt Alptraum
- Zusammenschreibung, wenn ein Wortbestandteil nicht selbständig
vorkommt
- wettrennen
- blauäugig
- schnellstmöglich
- schwerstbehindert
- Zusammenschreibung, wenn eine verkürzte Wortgruppe vorliegt
- schlafwandeln ("im Schlafe wandeln")
- sonnenbaden
- freudestrahlend
- Zusammenschreibung, wenn anderenfalls eine grammatisch unkorrekte
Form entstünde
- man maßregelte ihn
- sie war todtraurig
- Zusammenschreibung, wenn das mit einem Verb verbundene Adjektiv
nicht zu steigern ist
- bereitstellen
- fernsehen
- totschlagen
- Getrenntschreibung
- Angst einflößend
- hell strahlend (nicht mehr "hellstrahlend")
- Not leidend (statt "notleidend")
- künftig in jedem Fall getrennt:
- sitzen bleiben
- liegen lassen
- so viel
- wie viel
- zu viel
- künftig einheitlich Großschreibung bei:
- Recht sprechen
- Recht haben statt "recht haben"
- außer Acht lassen statt "außer acht lassen"
- in Acht nehmen statt "in acht nehmen"
- mit Bezug auf
- in Bezug auf statt "in bezug auf"
- Arm und Reich statt "arm und reich"
- Jung und Alt statt "jung und alt"
- Gleich und Gleich gesellt sich gern, statt "gleich und gleich"
- Großschreibung substantivierter Adjektive;
- das Weite suchen
- zum Guten wenden
- zum Besten geben statt "zum besten geben"
- auf dem Trocknen sitzen statt "auf dem trocknen sitzen"
- im Dunkeln tappen (auch im übertragenen Sinn)
- nicht das Geringste
- im Einzelnen statt "im einzelnen"
- aufs Neue (künftig einheitlich)
- des Weiteren
- von Weitem statt "von weitem"
- vor Kurzem statt "vor kurzem"
- ohne Weiteres statt "ohne weiteres"
- im Allgemeinen statt "im allgemeinen"
- im Folgenden statt "im folgenden"
- im Verborgenen (künftig einheitlich)
- um ein Beträchtliches statt "um ein beträchtliches"
- des Langen und Breiten statt "des langen und breiten"
- des Öfteren statt "des öfteren"
- künftig Kleinschreibung bei:
- das schwarze Brett statt "das Schwarze Brett"
- die erste Hilfe statt "die Erste Hilfe"
- das ohmsche Gesetz statt "das Ohmsche Gesetz", aber:
das Ohm'sche Gesetz
- platonische Schriften statt "Platonische Schriften"
- platonische Liebe (wie bisher)
- Großschreibung beibehalten bei:
- Erster Vorsitzender
- Regierender Bürgermeister
- Schwarzer Hollunder
- Heiliger Abend
- Westfälischer Friede
- Französische Revolution
- Heiliger Vater
- Letzte Ölung
In der brieflichen Anrede können "du, dein, dich" künftig
kleingeschrieben werden, während "Sie" weiterhin
großzuschreiben ist.
In der Kommasetzung wird künftig viel dem Sprachgefühl
überlassen.
- Die (bisher obligatorische) Kommasetzung vor "und" bzw. "oder",
wenn ein vollständiger Hauptsatz folgt, ist künftig
freigestellt.
- Freigestellt wird die Kommasetzung bei Infinitivsätzen.
- Bei der wörtlichen Rede muß das Komma künftig
nach einem Frage- oder Ausrufezeichen gesetzt werden.
Die Silbentrennung wird liberalisiert, auch "st" darf künftig
getrennt werden.
- liberalisierte Silbentrennung
- His-toriker (z.Z. nur Hi-storiker)
- Schwes-ter (z.Z. nur Schwe-ster)
- da-rum, he-rum, hi-nauf, wo-ran künftig neben dar-um usw.
- Pä-da-go-gik (z.Z. nur Päd-ago-gik)
- Mag-net (z.Z. nur Ma-gnet)
- Zyk-lus (z.Z. nur Zy-klus)
Die folgenden Vorschläge zur Eindeutschung von Fremdwörtern,
die insbesondere aus dem Griechischen ("f" statt "ph", "t" statt "th")
oder Französischen stammen, werden nicht verwirklicht:
- verworfene Vorschläge
- "Apoteke" statt Apotheke
- "Astma" statt Asthma
- "Atlet" statt Athlet
- "Bibliotek" statt Bibliothek
- "Diskotek" statt Diskothek
- "Hypotek" statt Hypothek
- "Jackpott" statt Jackpot
- "Katastrofe" statt Katastrophe
- "Restorant" statt Restaurant
- "Rytmus" statt Rhythmus
- "Strofe" statt Strophe
- "Tron" statt Thron
- "Zigarrette" statt Zigarette
Die Informationen wurden einem Artikel von Uwe Schlicht im
"Tagesspiegel" vom 1995-12-06 entnommen.
Burkhard Kirste, 1995-12-10, ergänzt 1996-09-25, 1998-10-30