Berliner Sprachgebrauch

Hier soll nicht die Berliner Mundart erläutert werden ("icke, dette, kieke mal, Oogen, Fleesch und Beene") - siehe als Beispiel die Berliner Klopsgeschichte, sondern einige Besonderheiten im Sprachgebrauch.

Zeitangabe

Die Deutschen sind sich nicht einig, wie die Viertelstunde anzugeben sei. Im Berliner Raum (weitgehend auch in Mittel- und Süddeutschland) erfolgt die Angabe analog zur halben Stunde:

Viertel acht
07:15 Uhr (oder 19:15 Uhr) Viertel nach sieben (!)
halb acht
07:30 Uhr (oder 19:30 Uhr)
drei Viertel acht
07:45 Uhr (oder 19:45 Uhr) Viertel vor acht

Lebensmittel

Bulette
Frikadelle, gebratener Kloß aus Hackfleisch mit Semmeln
Currywurst
Bratwurst (ohne Darm), zubereitet mit Curry und Ketchup
Eierkuchen
Omelette, anderswo "Pfannkuchen" genannt
Pfannkuchen
ein krapfenähnliches Gebäck, anderswo "Berliner Pfannkuchen" oder "Berliner" genannt
Schrippe
ein Weißbrötchen
Weiße
Berliner Weiße, Weißbier, obergäriges, säuerliches Bier, serviert mit "Schuß" (Himbeer- oder Waldmeistersirup)

Geld

Sechser
Fünfpfennigstück (halber Groschen); früher handelte es sich tatsächlich um ein Sechspfennigstück
Groschen
Zehnpfennigstück; früher handelte es sich um ein Zwölfpfennigstück, bis der dezimale "Neugroschen" eingeführt wurde

Verschiedenes

Eierpampe
Modder, Schlamm
Schlächter
Fleischer (norddt. Schlachter, mitteldt. Schlächter, süddt. Metzger)

Fisimatenten
Ausflüchte, Mätzchen (frz. visitez ma tente oder visiter ma tante)
Käsekästchen
(frz. caisse, klingt wie "Käse")
mausetot
(frz. mort aussitôt)

Berliner Klopsgeschichte

Ick sitz an' Tisch und esse Klops
uff eenmal klopts.
Ick kieke, staune, wundre mir,
Uff eenmal jeht se uff, die Tür!
Nanu, denk ick, ick denk nanu,
Jetz is se uff, erst war se zu.
Ick jehe raus und kieke
Und wer steht draußen? - Icke.

(Entnommen aus: Ewald Harndt, "Französisch im Berliner Jargon", Verlag Das Neue Berlin, 1990)



Burkhard Kirste, 1995/01/30, 1995/09/01