Bildungswesen
Allgemeinbildende Schulen
Das Berliner Schulsystem ist vielgliedrig. Die Grundschule erstreckt
sich über die ersten sechs Jahre. Neben Gymnasien, Hauptschulen
und Realschulen gibt es auch etliche Gesamtschulen.
Seit Beginn des Schuljahres 1991/1992 wird in ganz Berlin nach
denselben Unterrichtsplänen und in demselben Schulsystem
unterrichtet. Trotzdem wird es noch einige Zeit dauern, bis
Schulgebäude, Ausstattung und Unterrichtsgestaltung in Ost und
West nicht mehr typische Unterschiede aufweisen.
In den Schuldienst des neuen Landes Berlin sind alle Ost-Berliner
Lehrer übernommen worden, soweit sie dies wollten. Lediglich
wenigen wurde die Weiterbeschäftigung verwehrt, weil sie mit dem
Staatssicherheitsdienst der DDR verstrickt waren oder ihnen die
formalen Voraussetzungen fehlten.
Berufsschulen
Weitgehend neu aufgebaut werden mußten die Berufsschulen in
Ost-Berlin, da diese in der DDR meistens den Betrieben angegliedert
waren. Die Berufsschulen sind nach Berufsfeldern gegliedert und
für das gesamte Stadtgebiet organisiert. Sie sind mit
Berufsfachschulen und Fachoberschulen in Oberstufenzentren integriert.
Hier findet sehr stark die Vermischung von Schülern und Lehrern
aus dem Westteil und dem Ostteil Berlins statt.
Besondere Schulen
Neben den "üblichen" gibt es in Berlin einige besondere Schulen.
An der John-F.-Kennedy-Schule, die zu gleichen Teilen von deutschen
und amerikanischen Kindern besucht wird, werden die Fächer in
Deutsch und Englisch unterrichtet, am Französischen Gymnasium ist
die Unterrichtssprache nach einer Eingliederungsphase auch für
die deutschen Kinder Französisch.
Einige weitere Schulen haben bilinguale "Züge", in denen einige
Fächer dann in einer Fremdsprache unterrichtet werden. Zur Zeit
gibt es deutsch-englische, deutsch-französische, deutschrussische
und deutsch-spanische Züge.
Mit dem Schuljahr 1992/1993 nahm die Staatliche Europa-Schule Berlin
an sechs Standorten (vier im Westteil, zwei im Ostteil der Stadt) ihre
Arbeit auf. Ausländische und deustche Kinder werden an ihr in
einer der Fremdsprachen Englisch, Russisch oder Französisch sowie
in Deutsch unterrichtet. Angestrebt wird, daß die Klassen zu 50%
von Kindern besucht werden, deren Muttersprache die jeweilige
Fremdsprache ist.
Einige Berliner Schulen haben einen Förderschwerpunkt in den
Bereichen Musik, Ballett oder Artistik. Die frühereren Kinder-
und Jugendsportschulen Ost-Berlins wurden mit dem Schuljahr 1991/92 so
umgestaltet, daß in ihnen schulische Bildung und die
Ausprägung eines besonderen sportlichen Talents bzw.
leistungssportliches Training miteinander verbunden werden.
Hochschulen
An den Berliner Hochschulen studieren rund 150.000 Studenten.
Über 20.000 Wissenschaftler sind hier tätig. Die
größten Einrichtungen sind die drei Universitäten:
Freie
Universität (61.000 Studenten),
Technische Universität (37.000 Studenten) und
Humboldt-Universität (19.000 Studenten),
die kleinste ist die Europäische Wirtschaftshochschule, an der
rund 100 Studenten eingeschrieben sind.
Auch an den Universitäten findet eine immer stärkere
Vermischung von West- und Ost-Berliner bzw. west- und ostdeutschen
Studierenden statt. In mehreren Fachbereichen der Berliner
Universitäten liegt der Anteil aus dem jeweils anderen Teil
Deutschlands bzw. Berlins schon bei einem Drittel.
Forschungseinrichtungen
In Berlin gibt es außerhalb der Universitäten rund 220
staatliche und private Forschungseinrichtungen, darunter so bekannte
wie BESSY (Berliner Elektronenspeicherring - Gesellschaft für
Synchrotronstrahlung), das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW), drei Institute der
Fraunhofer-Gesellschaft
zur Förderung der angewandten Forschung und das
Wissenschaftszentrum für Sozialforschung. Auch die
Max-Planck-Gesellschaft, die im Juni 1992 beschlossen hat, ihren
juristischen Sitz nach Berlin zu verlegen, unterhält hier sechs
Institute.
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Vera Heinau (03.03.94)