abschied von agameda
milde gestimmt ob des lauen abends verließ er seine arbeitsstätte.
als letzten gruß wollte er ihr eines dieser warngedichte entbieten,
doch er fand keines, das er für passend gehalten hätte an diesem
abend. woran er merkte, daß er sie wohl vor gar nichts warnen wollte
- ja, er konnte auf nichts kommen, so sehr er auch überlegte, wovor
er sie hätte warnen wollen. es hätte alles nicht zu diesem abend
gepaßt, der so viel an ermutigung, an versöhnlichkeit, ja an
demut nahelegte. er hätte sie freilich gern in den arm genommen und
sie an der hecke entlanggeführt, deren kleine weiße blüten
so verführerisch dufteten, allein sie war nicht in der stadt und er
hatte ja auch vergessen, wo diese hecke war, ja es war durchaus nicht sicher,
ob es sie je gegeben hatte. aber nicht einmal das machte ihm etwas aus,
denn immerhin, sagte er sich - er hatte übrigens im laufe der jahre
die gewohnheit angenommen, laut mit sich selber zu reden - hätte es
sie einmal gegeben haben können, und dann hätte er, wäre
sie in der stadt gewesen, dort mit ihr entlang- gehen können. von
weither tönende hirtenweisen auf der schalmei, wie sie ihm aus seinen
kaschubischen dörfern vertraut waren, wären nicht nötig
gewesen, doch ein weicher wind in ihrem haar hätte ihm schon gefallen.
chris weise, 1997